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Patrick Zielke, Magdalena Hinterdobler Matthias Jung

Patrick Zielke, Magdalena Hinterdobler Matthias Jung

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Wer ist wer? Wieder Oper in da House in Köln mit dem „Rosenkavalier“

Vorspann / Teaser

Die Kölner Oper wurde mit einem „Rosenkavalier“ eröffnet, bei dem nicht immer klar ist, wer eigentlich wer ist.

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Jeden Gast persönlich begrüßen, der auf dem roten Teppich ins Haus kommt – das wird Intendant Hein Mulders nicht durchhalten. Diesmal war es aber so. Wenn man die Kölner Oper zur „Rosenkavalier“-Eröffnungspremiere von der Glockengasse aus ansteuerte, wunderte man sich für einen Moment über die Riesenschlange junger Leute, die dort anstanden. Die wollten aber nicht in die Oper, sondern waren einem offensichtlich genial funktionierten Werbegag des Hühner-Grillers „Nhas City Chicken“ gefolgt. Selbst nach der Premiere, standen sie noch an. Seltsames Köln – denkt man da unwillkürlich. Seltsame Zeiten, wäre auch eine Variante. Zumal das besser zum Stück passte. „Die Zeit ist ein sonderbar Ding“ – so der berühmte Monolog der Feldmarschallin, für dessen Verständnis man wahrscheinlich jenes gewisse Mindestalter braucht, das das Chicken-Publikum in der Glockengasse im Schnitt noch nicht erreicht hatte.

Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss lassen ihre wohl lebensklügste Opernfigur über das Vergehen der Zeit und dessen Wahrnehmung philosophieren. Wenn man jetzt vor der Oper steht, und dann drin auf den frischgepolsterten Sitzen der ersten Großpremiere im natürlich ausverkauften Haus entgegensieht, dann kommt man nicht umhin, an die 14 Jahre zu denken, zu denen sich die 3 vorgesehenen letztlich gemausert haben. Von den anderthalb Milliarden, die das Ganze alles in allem gekostet haben soll, mal ganz abgesehen.

Die französische Regisseurin Marie-Ève Signeyrole sagte in einem Interview am Rande der TV-Übertragung der Premiere sinngemäß, dass sie sich schon bei der ersten Begegnung mit dem „Rosenkavalier“ vorgenommen habe, sollte sie jemals diese Oper inszenieren, den titelgebenden jungen Mann, den Strauss als Hosenrolle komponiert hat, als Frau zu inszenieren. Daran hat sie sich erinnert und genau das versucht. Mit einem übergriffig herrschenden Zeitgeist als Komplizen. Obendrein unter Verwendung einer mittlerweile öfter gescheiterten, als funktionierenden szenischen Verarbeitung der Oper als Filmvorlage. Wenn es sein muss, mit der dramaturgischen Brechstange.

Die Schlafzimmerszene des ersten Aktes gibt es zwar, aber als Filmset mit dem entsprechend herumwuselnden Personal, dauernd knallender Filmklappe, Korrekturen und mimischen Kommentaren. Beim Griff der Marschallin zu Skript und Brille, wird dann auch klar, dass sie eigentlich Regie führt. Der via Zuschauerraum dazwischenpolternde Baron Ochs ist dann demzufolge der Produzent. Einer, der wie Weinstein gleich nach dem ersten Rockzipfel greift, mit dessen Trägerin er bei seinem ersten Auftritt über den Zuschauerraum zusammenrempelt.

Das Grundproblem der Inszenierung ist, dass der französischen Regisseurin die exemplarische Dosis an Genderfluidem, die in dieser Oper geboten wird, nicht genügt. Sie macht aus der Frau, die auf der Bühne den Mann spielt, eine Frau, die eine Frau spielt, die einen Mann spielt, dann aber auch als Frau bei der Marschallin ankommt. Die wiederum kennt sich (als die Regisseurin und Darstellerin der Marschallin in der schillernden oder (Grau-)Zone zwischen den Geschlechterzuschreibungen als Frau vom Film gut aus.

Magdalena Hinterdobler macht aus der ihr zugewiesenen Doppelrolle das beste. Es kann gut sein, dass überhaupt alles, was wir sozusagen Backstage vom Rosenkavalier zu sehen bekommen, ein von ihr inszenierter Arbeitsdurchlauf sein soll, bei dem sie sich selbst als Regisseurin inszeniert, die die Marschallin dann aber auch immer wieder selbst spielt. Um am Ende nach deren Verzicht auf den jungen Liebhaber allein in ihrem Bett mit einem Skript zu landen, bei dem sie den Arbeitstitel „Der Rosenkavalier“ ergänzt.

Zu Beginn des zweiten Aktes schnappt die Falle dieses Spiels mit den Geschlechteridentitäten zu. Satt im Palais des von Faninal findet man sich in Köln bei der 48. Film-Preisverleihung „Silberne Rose“ wieder. Mit eingeblendeter Silberrose im Video und der Ankündigung, dass als Preisverleiherin (!) Octavian Rofrano auftreten werde. Die/der Angekündigte kommt dann auch. Mit männlich kurzer Frisur im silberhellen Unisex-Hosenanzug mit Damenabsatzschuhen. In Köln ist Bianka Andrew die Frau, die den jungen Liebhaber der (eigentlich) doppelt so alten, attraktiven Fürstin spielt, die/der dann ein junges Mädchen spielt, das dem Ochs den Kopf verdreht, um sich am Ende mit der jungen, hübschen (und dank Giulia Montanari auch betörend singenden) Sophie in ein Happy End zu träumen. Und dabei die Anfangsszene, jetzt in veränderter Besetzung und in der Regie der Marschallin nachzuspielen.

Auf der Bühne ist das in etwa so verwirrend umgesetzt, wie der Versuch, es zu beschreiben klingt: es geht gründlich schief. Dass man dem Ochs keine Chance auf ein Rest von Würde und Charisma gibt und ihn als übergriffig fiesen Weinstein-Typen denunziert – na gut. Wie sich Patrick Zielke mit vokaler und rein körperlicher Wucht hier ins Zeug legt und als Fiesling auch im wahrsten Wortsinn entblößt, ist umso imponierender. Aber, dass von der Aura und Lebens- und Liebesklugheit der Marschallin so gut wie nichts übrig bleibt, ist für „Rosenkavalier“-Liebhaber ein schmerzlicher Verlust. Dafür fädelt sie im zweiten Aufzug als Regisseurin und die Intrige im Beisl ein, die den Ochs Matt setzt bzw. hier den Produzenten auffliegen lässt.

So wie der entfesselten Komödie im dritten Akt jede Leichtigkeit fehlt, so fehlt der Überreichung der Silberrose als eine vom Ochs erkaufte Preisverleihung an Sophie, nicht nur die innere Logik und der Zusammenhang zum Text und der Musik, sondern auch der szenische Zauber dieses komponierten Momentes einer Liebe auf den ersten Blick.

Immerhin fallen die drei Frauen ein paar mal aus der Rolle dieser missratenen Verfilmung und (mal ohne wuselndes Personal) in die Rolle der Oper. So lassen der Zeitmonolog der Marschallin und das Terzett im dritten Akt ahnen, was hätte sein können, wenn nicht gefilmt und immer wieder auch von aufdringlichem Publikum auf der Bühne gegafft und fotografiert worden wäre. Da leuchtet dann doch mal das Rosenkavalierglück auf, um das man in Köln ansonsten gebracht wird. Andres Orozco-Estrada brauchte eine Weile, um die Balance zwischen Graben und Bühne zu finden, navigierte das Gürzenich-Orchester aber mehr mit dem Blick aufs Filmset als auf den Wiener Glanz durch den Abend. Vom durchweg solide agierenden übrigen Personal verschafft sich vor allem Young Woo Kim als Tenor eindrucksvoll Gehör.

Der Beifall des Kölner Publikums galt sicher zu einem Gutteil auch seinem endlich wieder nutzbaren Opernhaus. Die Buhs, die es auch gab, waren dem Regieteam vorbehalten.

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