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Der fliegende Holländer. Nicholas Brownlee (Holländer), Nadine Weissmann (Mary), Mika Kares (Daland), Elisabeth Teige (Senta). © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der fliegende Holländer. Nicholas Brownlee (Holländer), Nadine Weissmann (Mary), Mika Kares (Daland), Elisabeth Teige (Senta). © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

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Wiedersehen macht Freude – „Der fliegende Holländer“ in Bayreuth

Vorspann / Teaser
Die Wiederaufnahme von Dmitri Tcherniakovs und Oksana Lynivs Fliegendem Holländer wurde einhellig bejubelt.
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Dmitri Tcherniakovs Holländer-Inszenierung aus dem coronageplagten Jahr 2021 ist im Jubiläumsjahr aus gleich mehreren Gründen als Wiederaufnahme zwischen „Walküre“ und „Siegfried“ genau passend. Nicht nur wegen der überschaubaren Spieldauer bei eskalierender Hitze draußen. Auch drinnen, wegen der Umsetzung der Geschichte in klare Bilder auf der Bühne, bei der die Personenführung mit präzisen Rollenporträts verbunden ist und damit glänzt. Hier haben auch die kleinsten wahrnehmbaren Gesten eine Bedeutung.

Bei Nadine Weissmann merkt man schon an der Körpersprache, was diese Frau Mary (die hier wohl den Platz einer Frau Daland einnimmt) von Sentas Schwärmerei für den imaginären Fremden hält. Als der schließlich zum Abendessen selbst mit am Tisch sitzt, spürt er ihre Vorbehalte und verkneift sich gerade noch eine Zuwendung zu ihr. Wie recht er damit hatte, zeigt sich ganz am Ende. Nachdem er ohne Skrupel und Zögern einfach drei Einheimische auf dem Dorfplatz erschossen hat, ist es Frau Mary, die zur Flinte greift und den zum Mörder mutierten Rächer erschießt.

Tscherniakov hatte in der ausinszenierten Ouvertüre den fliegenden Holländer zum rächenden Heimkehrer gemacht. Hier kommt kein Schiff mit acht Segeln und 50 Kanonen wie in Brechts Ballade der Seeräuber-Jenny, hier landet ein erwachsen gewordener, wahrscheinlich tief traumatisierter Heimkehrer zunächst mal in der Dorfkneipe, mitten unter denen, die in dieser Geschichte ja tatsächlich zumindest für sein Schicksal mitverantwortlich sind. Erlösung heißt für ihn hier: sich dafür zu rächen, dass man seine Mutter einst erst in die Prostitution getrieben, dann gemobbt und schließlich in den Selbstmord getrieben hat. Als Kind musste er das alles mit ansehen.

Dieser Ansatz bleibt zwischen den bescheiden nüchternen, wie von Geisterhand bewegten Fassaden nachvollziehbar. Trotz offner Fragen. Wollte er Senta verführen, um sich exemplarisch an Daland zu rächen? Kommen ihm seine eigenen Gefühle in die Quere, erschießt er deshalb stattdessen einfach irgendwen und lässt das Dorf abfackeln? Schließlich springt Senta nach dem Tod des Holländers ziemlich abrupt, wenn man so will, ins Leben zurück, umarmt Frau Mary und bleibt dann allein und verlassen zurück. Wenn man sich beim Wiedersehen mit der Produktion all das immer noch fragen kann, spricht das nicht gegen, sondern durchaus für deren Haltbarkeit.

Entscheidend für die Wiedersehensfreude ist aber nicht nur der Kontrast zu den Bilderfluten im laufenden Ring, sondern das Wiederhören. Oksana Lyniv ist längst nicht mehr die einzige Frau am Pult im verdeckten Graben. Nathalie Stutzmann hat nicht nur mit „Tannhäuser“, sondern gerade auch mit „Rienzi“ triumphiert, Simone Young hochsouverän den Valentin-Schwarz-Ring glänzen lassen. Aber sie bleibt die erste. Und hat ihren „Holländer“ gleichsam verinnerlicht, lässt ihn musikalisch bei hoher See brodeln, trägt die Protagonisten auf Händen, widmet sich jedem Detail. Bei den von Thomas Eitler-de Lint einstudierten Chormassen mag, was die Feinabstimmung betrifft, noch Luft nach oben sein. Es ist aber auch nicht so einfach, turbulent herumzuziehen und gleichzeitig die Macht der Stimmen zu demonstrieren. Elisabeth Teige ist wieder (im Wechsel mit Asmik Grigorian) die fulminant rebellierende Senta und Benjamin Bruns ein fabelhaft höhensicherer Erik. Bei Nicholas Brownlee dürfte dieser markant auftrumpfende, kernige Holländer (nach seinem Münchner Wotan) ein weiterer Schritt in die allererste Reihe seiner Zunft sein. Es gehört zur Festspielrendite, dass man einige Künstler in mehreren Rollen erleben kann. Wie beim finnischen Bass Mika Kares. Sein zwielichtiger, aber nicht gänzlich unsympathischer Daland fügt sich in seine gewichtigen aktuellen „Ring“-Beiträge als Fasolt, Hunding und Hagen ein. Der lyrische Kieran Carrel ist ein passender Steuermann. Die Wiedersehensfreude mit dieser gut eingespielten und erstklassig besetzten Produktion führte am Ende zu viel Beifall. Besonders herzlich für die Dirigentin.

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