Lisa Schön: Musikhören mit Demenz. Fallstudien – Wirkungen – Anwendungen, transcript Verlag, Bielefeld 2025, 372 S., € 55,00, ISBN 978-3-8376-5946-7
Lisa Schön: Musikhören mit Demenz. Fallstudien – Wirkungen – Anwendungen, transcript Verlag, Bielefeld.
Aktivierung, Anregung, Ablenkung
Der Band greift eine Thematik auf, die mit Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland zunehmend bedeutsam wird. Bei der Demenz und ihren unterschiedlichen Formen handelt es sich um eine fortschreitende, (bisher) nicht heilbare neurogenerative Hirnschädigung, von der in Zukunft weltweit immer mehr Menschen ab dem 65. Lebensjahr betroffen sein werden. Insofern ist es dringend erforderlich, sich dieser Thematik verstärkt zuzuwenden. Der Bereich Musik und Demenz als Teilbereich der Musikpädagogik mit Senioren entwickelt sich seit Jahren und hat auch schon konkrete Formen angenommen.
Bei der Erforschung der Demenz und ihren Behandlungsmöglichkeiten ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen nahezu allen humanwissenschaftlichen Fachbereichen von besonderer Bedeutung, zu denen selbstverständlich sowohl die Musikwissenschaft, die Musikpsychologie, die Musikpädagogik als auch die Musiktherapie gehören. Hier nun geht es um das Musikhören.
Lisa Schön: Musikhören mit Demenz. Fallstudien – Wirkungen – Anwendungen, transcript Verlag, Bielefeld.
Die in der vorliegenden Dissertation gewonnenen Erkenntnisse zum Thema Hören resultieren aus den Beobachtungen der Reaktionen von zehn ausgewählten Menschen mit Demenz. Des Weiteren dienen die Ergebnisse aus den zehn Fallstudien als Ansatzpunkte für individualisierte praxisorientierte Handlungsempfehlungen. Das Ziel der Handlungsempfehlungen ist „eine Sensibilisierung gegenüber musikbezogenen Einflussfaktoren“, die dazu beitragen können, „das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz beim individualisierten Musikhören zu steigern“ (S. 232). Zudem geht es um Aktivierung, Anregungen, Ablenkungen, Entspannung durch Musik und die Ermöglichung eines erholsamen Schlafes. Die Handlungsempfehlungen betreffen eben die „individuelle Anpassung von Musikauswahl und Hörsituation“ (ebd.), die Dauer des Musikhörens und die mögliche Aktivität der dementen Person, die (noch) möglichen Kommunikationswege und -fähigkeit wie etwa Sprechen, Singen, Klatschen oder Tanzen. Berücksichtigt werden ebenfalls episodische Erinnerungen und Gefühle, die sich sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Gegenwart beziehen können. Und es geht natürlich auch um die Musik: Welche Musik wurde wie, wann, wo und zu welcher Gelegenheit gehört. Welche Bedeutung hatte Musik im bisherigen Leben der betreffenden Person.
Die Forschung zu dieser Thematik ist (immer) noch auf dem Weg und so werden sich auch in Zukunft noch weitere Stränge auftun. Die Zusammenarbeit der Fachdisziplinen muss noch weiter verstärkt und differenziert werden. Nicht alles, was bereits entwickelt, erprobt und auf dem Markt zugänglich ist, hat den Weg in diese Studie gefunden. Mir fehlen die zentralen Arbeiten von Hartogh und Wickel sowie der Hinweis auf die ebenfalls seit Jahren existierende Deutsche Gesellschaft für Musikgeragogik, die mit regelmäßigen Tagungen an die Öffentlichkeit tritt. Dennoch stellt die Arbeit einen weiteren wichtigen Baustein im Themenspektrum Musik bei Demenz dar.
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