Manchmal frage ich mich, ob die Jeunesses Musicales weiß, was sie da eigentlich angerichtet hat. Weil niemand einem vorher sagt, dass ein Ort wie Weikersheim nicht einfach nur Musik macht – sondern Menschen verändert. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern so unaufdringlich und tief, dass man Monate und Jahre später merkt, wie etwas in einem weiterklingt.
Felia Conrad, JM-Botschafter*in, Streich- und Sinfonieorchester Heimschule Lender. © Foto: privat
Störung der Normalität
Vielleicht ist genau das das Verrückte an der JMD: Sie tut so, als wäre sie nur ein „Verein“. Dabei ist sie eher eine Art musikalische Störung der Normalität. Eine, die dich zwingt, mutiger zu sein als du geplant hattest. Die JMD ist kein Wohlfühlprogramm. Sie ist eher ein Spiegel, der einem die Frage stellt: „Und? Was willst du wirklich sagen? Was willst du sein und wo willst du hin?“
Die Jeunesses Musicales bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie begegnet wären – und lässt sie etwas erschaffen, was keiner allein gekonnt hätte. Beim Deutschen Jugendorchesterpreis und in meiner Rolle als JM-Botschafterin habe ich nicht Grenzen kennengelernt, sondern Möglichkeiten. Verantwortung fühlt sich dort nicht schwer an, sondern sinnvoll. Man organisiert, probt, entscheidet, zweifelt – und merkt irgendwann: Musik hält das alles zusammen. Nicht, weil alles perfekt läuft, sondern weil man gemeinsam wächst.
75 Jahre JMD sind für mich kein Rückblick, sondern ein Beweis dafür, dass Musik dort entsteht, wo Menschen einander ernst nehmen. Es ist wie ein langer Applaus, der nie nur der Vergangenheit gilt, sondern immer auch dem, was noch möglich ist.
Mahatma Gandhi schreibt: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Die Jeunesses hat mir gezeigt, wie das klingt.
Ein Ganz-nah-dran-Konzert gab es am 20. Januar mit den Hanke Brothers. © Foto: Chris Berghäuser
David, Lukas, Jonathan und Fabian Hanke, die in der Besetzung Blockflöte, Viola, Klavier und Tuba musizieren, begeisterten die Direktoren:innen, Geschäftsführer:innen und Referenten:innen der Bundes- und Landesmusikakademien mit einem fulminanten Querschnitt ihres außergewöhnlichen und außergewöhnlich vielseitigen Repertoires. Die JMD hatte im Jubiläumsjahr „75 Jahre“ die Kollegen:innen der Musikakademien zu deren jährlicher Arbeitstagung nach Weikersheim eingeladen – ein stimmungsvoller Abend in der TauberPhilharmonie, an dem auch auf die guten und freundschaftlich-gepflegten Verbindungen und auf die JMD angestoßen wurde, die Weikersheim zu einem dieser besonderen Orte für Musik in Deutschland gemacht hat und zu einem inspirierenden Treffpunkt für Jugendorchester und den musikalischen Nachwuchs.
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