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Staatsanwalt greift ein - Junge Kunst in Zwickau unter 18 tabu +++ «Echtzeit 6889» - Ottersbach-Ausstellung ab Mittwoch in Essen +++ In Russland aufgetauchtes Rubens-Gemälde stark beschädigt +++ Chemitzer Ausstellung zeigt Marianne Brandt als Fotografin


Staatsanwalt greift ein - Junge Kunst in Zwickau unter 18 tabu
Zwickau (ddp). Die Kunstausstellung zum Max-Pechstein-Förderpreis 2003 im sächsischen Zwickau ist für Besucher unter 18 Jahre ab sofort tabu. Wie der Zwickauer Staatsanwalt Jörg Rzehak auf ddp-Anfrage sagte, veranlasste er am Dienstag eine entsprechende Verwaltungsentscheidung, um eine Gefährdung junger Menschen durch pornografische Inhalte zu vermeiden. In der gezeigten Arbeit von Jonathan Meese würden Zeitschriftenausschnitte eindeutig pornografischen Inhalts verwendet. Nach Paragraf 184 Strafgesetzbuch müsse Kindern und Jugendlichen der Zugang zu solchen Schriften verwehrt werden.
Wie Rzehak weiter sagte, wird auf Grundlage einer bei der Zwickauer Polizei am Sonntag eingegangenen Anzeige eines Museumsbesuchers gegen die Verantwortlichen der Ausstellung und den Schöpfer des Werkes ermittelt. Dabei gehe es um eine Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Jugendschutz, die vermutlich zu keiner schnellen Entscheidung führe.
Nach Angaben einer Museumssprecherin wird die staatsanwaltschaftliche Entscheidung akzeptiert. Ein entsprechendes Zugangsverbotsschild sei bei der Ausstellungsöffnung am Dienstag ab 13.00 Uhr angebracht gewesen. Die Museumsleitung war wegen Urlaubs nicht erreichbar.
Im Rahmen des bundesweit angesehenen Max-Pechstein-Nachwuchspreises hatte der in Ahrensburg lebende Meese einen «infernalischen Kosmos und ein dazugehöriges Figurenensemble» unter anderem mit Dr. No, Stalin und dem Marquis de Sade inszeniert. Dabei wurden Fotoausschnitte aus Sexzeitschriften verwendet.
Nominiert wurde Meese von dem Wuppertaler Ästhetikprofessor Bazon Brock. Insgesamt werden bis 16. November fünf Arbeiten von sechs Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Florian Hecker (Kissing/Wien) für eine Klanginstallation.

«Echtzeit 6889» - Ottersbach-Ausstellung ab Mittwoch in Essen
Berlin (ddp). Kunst aus Down Under ist ab Donnerstag in Berlin zu sehen. Die Schau «Face Up» präsentiert nach Angaben der Veranstalter «erstmals in Deutschland in konzentrierter Form einen repräsentativen Überblick über aktuelle Positionen australischer Gegenwartskunst». Bis zum 4. Januar 2004 sind im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart 14 Künstler mit Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Video/DVD, Fotografie und Skulptur vertreten. «Face Up -Zeitgenössische Kunst aus Australien» sei der Höhepunkt des zweijährigen Kulturprogramms artsaustralia berlin.
Die Schau soll nach den Worten von Kuratorin Britta Schmitz die australische Kunst in ihrer Vielfalt darstellen, die geprägt sei durch die Geschichte und multikulturelle Situation des Landes. Im Zentrum stehen Themen wie nationale Identität und Zugehörigkeit, Klimakatastrophen und die koloniale Vergangenheit.
Schon beim Betreten des Hamburger Bahnhofs passieren Besucher das erste Kunstwerk: Der Weg in die Ausstellungsräume führt durch den Schlund der 6,5 Meter hohen Hai-Skulpturen «Down the Hatch» von Callum Morton. Mit politischen Themen wie Einwanderung und Auswanderung befasst sich Guan Wei in seiner monumentalen Wandmalerei «A Passage to Australia», die als Auftragsarbeit angefertigt wurde. Susan Norrie thematisiert mit ihrer DVD-Installation «Undertow» die Bedrohung der Welt durch Umweltkatastrophen.

In Russland aufgetauchtes Rubens-Gemälde stark beschädigt
Potsdam (ddp-lbg). Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hofft auf eine baldige Rückgabe des vor kurzem in Russland sichergestellten Gemäldes von Peter Paul Rubens (1577-1640). Das Bild «Tarquinius und Lukretia» sei eines der bedeutendsten Kunstwerke der Stiftung, sagte Generaldirektor Hartmut Dorgerloh am Dienstag in Potsdam. Er werde die Bundesregierung bitten, für eine schnellstmögliche Rückführung nach Potsdam zu sorgen. Die Stiftung sei nicht bereit, für das Gemälde zu zahlen. Das sei prinzipiell ausgeschlossen, betonte Dorgerloh. Denn bei dem Kunstwerk handele es sich vermutlich um eine «private Beutenahme».
Das Gemälde aus dem Eigentum der Stiftung ist eines der Hauptwerke von Rubens. Das großformatige Ölgemälde entstand um 1610/1611. Es war der Öffentlichkeit letztmalig in der Bildergalerie von Schloss Sanssouci zugänglich, bevor es 1942 zum Schutz vor Kriegsbeschädigungen nach Rheinsberg ausgelagert worden war.
Nachdem es dort entwendet wurde, galt es seit Kriegsende als verschollen. Es war über Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Dorgerloh sagte, das Gemälde sei der Stiftung in diesem Jahr zum Kauf angeboten worden. Der Stiftungsrat habe daraufhin Kontakt zur Landes- und Bundesregierung aufgenommen. Aufgrund der sehr effizienten Zusammenarbeit deutscher und russischer Ermittler sei das Bild in Moskau gefunden worden.
Nach den Worten von Stiftungsdirektor Burkhardt Göres befindet sich das Gemälde in einem «demolierten Zustand». Dennoch sei er glücklich, dass es gefunden wurde. Das Werk sei in Moskau von Experten der Stiftung begutachtet und als echt identifiziert worden. In dem jetzigen Zustand sei das Bild allerdings sicher nicht 80 Millionen Euro wert, sagte der Direktor. Diese Summe war zuvor als Schätzwert bekannt geworden. Der Mann, in dessen Händen sich das Bild befand, soll von der Stiftung 20 Millionen Euro gefordert haben.
Dorgerloh unterstrich, die Stiftung sei gar nicht in der Lage, solche Summen zu bezahlen. Außerdem verwies er auf die Haager Landkriegsordnung von 1907, nach der die «Beutenahme» von Kulturgut im Krieg völkerrechtlich verboten sei. Das betreffe auch Plünderungen durch Privatpersonen. Göres wies darauf hin, dass die Stiftung insgesamt rund 3000 Gemälde vermisst. Allein aus der Gemäldegalerie fehlten 99 von ursprünglich 159 bedeutenden Werken. Einige Kunstwerke seien in den vergangenen Jahren zurückgegeben worden.
Das Rubens-Gemälde zeigt nach Angaben der Stiftung die Entehrung der Bürgerstochter Lukretia durch den Königssohn Tarquinius. Der daraufhin von Lukretia gewählte Freitod führte einen Volksaufstand herbei, mit dem im alten Rom die Königsherrschaft endete und die Zeit der Republik begann.
Susann Fischer

Chemitzer Ausstellung zeigt Marianne Brandt als Fotografin
Chemnitz (ddp-lsc). Zum 110. Geburtstag der Bauhaus-Gestalterin Marianne Brandt (1893-1983) wird ab Mittwoch eine weniger bekannte Seite der Künstlerin offenbar. In ihrer Heimatstadt Chemnitz wird die Ausstellung «Marianne Brandt - Fotografien am Bauhaus» eröffnet, teilte die Chemnitzer Galerie Rosenkranz mit. Diese erste Überblicksausstellung über Brandts fotografisches Werk war mit Unterstützung des Bauhaus-Archivs Berlin von einem Team der Bergischen Universität Wuppertal aufbereitet worden.
Ergänzt wird die Schau in der Rathaus-Passage mit Serienprodukten der Firmen Alessi und Tecnolumen, die nach Entwürfen von Marianne Brandt gefertigt werden. Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober zu sehen.
Das Geburtstagsjubiläum ist außerdem Auftakt zu dem vom Chemnitzer Kunstverein Villa Arte und dem Sächsischen Industriemuseum getragenen 2. Internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerb für junge Gestalter. Bis zum Juni 2004 können Entwürfe aus den Bereichen Fotografie, Produktgestaltung und Kleidung eingereicht werden. Die Preisträgerarbeiten werden im Herbst nächsten Jahres im Industriemuseum Chemnitz präsentiert.
http://www.marianne-brandt-wettbewerb.de