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Komponist Ligeti erhielt Frankfurter Adorno-Preis +++ Leo-Baeck-Preis für Ralph Giordano
Komponist Ligeti erhiellt Frankfurter Adorno-Preis
Frankfurt/Main (ddp). Der ungarisch-österreichische Komponist György Ligeti erhielt am Samstag den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main.
Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem 80-Jährigen in der Alten Oper überreicht. Mit dem Adorno-Preis, der alle drei Jahre vergeben wird, werden seit 1977 hervorragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film gewürdigt.
Ligeti ist nach Ansicht der Jury einer der herausragenden Vertreter der musikalischen Avantgarde. Er stehe Adornos Musikästhetik nahe, zeichne sich aber auch durch unverkennbare Originalität und Eigenständigkeit aus, hieß es. Charakteristisch für Ligetis Schaffen ist die so genannte Klangflächenkomposition, ein Ergebnis seiner kritischen Auseinandersetzung mit der seriellen Musik. Zu seinen berühmten Kompositionen zählen «Atmospheres», «Nouvelles Aventures» und «Nonsense Madrigals».
Leo-Baeck-Preis für Ralph Giordano
Ralph Giordano erhält am Mittwoch in Berlin die höchste Auszeichnung des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Leo-Baeck-Preis. Die Organisation ehrt damit die Verdienste des mittlerweile 80-jährigen Autors "als Mahner gegen Rechtsradikalismus und gegen das Verdrängen und das Vergessen des Holocaust und den damit verbundenen Geschichtsrevisionismus sowie als mutiger Streiter für Zivilcourage und Mitmenschlichkeit und als engagierter Werber für den Frieden in der Welt".
Giordano nennt sich selbst einen "Davongekommenen". Als Sohn einer Jüdin - sein Vater war sizilianischer Abstammung - erlebte er im Kindesalter in seiner Geburtsstadt Hamburg Ausgrenzung als "Nicht-Arier". 1940 musste er als 17-Jähriger die Schule verlassen. Bis dahin war er nach eigenen Angaben drei Mal von der Gestapo schwer misshandelt worden.
Als seiner Mutter die Deportation drohte, versteckte eine Hamburgerin die Familie in einem Ruinenkeller, bis am 4. Mai 1945 britische Soldaten als Befreier kamen. "Eine Woche später wären wir verhungert", sagt Giordano.
1947 lernte er Leo Baeck in Hamburg kennen. Der Geisteswissenschaftler und Rabbiner habe großen Eindruck auf ihn gemacht. "Er war eine fast jenseitige Erscheinung", sagte Giordano der APA. Er selbst war damals 24 Jahre alt und hatte einen Artikel in der "Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung" veröffentlicht. "Die Frage, warum ich in Deutschland geblieben bin, ist ganz entscheidend mit Leo Baeck verbunden", erklärte er.
Nach dem Krieg trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands bei, weil er dachte: "Die Feinde (Kommunisten) meiner Feinde (Nazis) müssen meine Freunde sein." Empört über die "Schrecken des Stalinismus" trat er 1957 aus.
Als Dokumentarist beim NDR, ab 1964 beim WDR, drehte er Filme in aller Welt. Sein Interesse galt dabei immer "Minderheiten, Schwachen und Verfolgten". Als Fernsehautor verabschiedete er sich mit der Dokumentation "Der perfekte Mord - Wie die Nazirichter freigesprochen wurden". Gleichzeitig brachte er das Buch "Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein" heraus.
Der streitbare Geist erfand weitere einprägsame Formeln wie die "Internationale der Einäugigen", deren "eine Fraktion auf dem rechten, die andere auf dem linken Auge blind ist". Zuletzt legte er sich vor dem Irak-Krieg mit der Friedensbewegung an, warf ihr "Blauäugigkeit" und "Anti-Amerikanismus" vor. Er verurteilte die "neubraune Pest" und zeigte sich unerschrocken über die 1.300 Morddrohungen, die er nach eigenen Angaben seit 1991 erhalten hat.
Giordano zählt sich zu den Juden, die unfähig seien, an Gott zu glauben. Im Alter verspüre er allerdings ein größeres Bedürfnis, die Gläubigkeit Anderer anzuerkennen. "Mein Jüdisch-Sein wird definiert durch das, was ich vor und nach \'45 erlebt habe", erklärt Giordano. Außerdem gehe er gerne in die Synagoge, wo es im Gegensatz zu christlichen Kirchen gar nicht still zugehe.
Quelle: orf