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17.9.: theater und literatur aktuell +++ theater und literatur

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Leander Haußmann: Nie wieder Intendant +++ neues theater Halle will sich einmischen +++ Theaterfestival im Hotel Halle-Neustadt +++ Saisonauftakt am Zittauer Theater +++ Akademie für Sprache und Dichtung widmet sich «Arabischer Poesie»+++ Lyrikdebütpreis an Jan Volker Röhnert


Leander Haußmann: Nie wieder Intendant
Berlin (ddp). Regisseur Leander Haußmann will nie wieder Theaterintendant werden. Das sei «ja so gruselig» gewesen, sagte Haußmann, der von 1995 bis 2000 Intendant des Bochumer Schauspielhauses war, der «Berliner Morgenpost» (Dienstagausgabe). «Jeden Tag mit Politikern zu tun zu haben! Und dann rumzuschleimen!», sagte der 44-Jährige. Als Intendant müsse man «ganz unvorstellbar furchtbare Dinge» tun.
Er sei zurzeit in einem sehr glücklichen Zustand, fügte Haußmann hinzu. «Immer, wenn ich mich über Theater ärgere, und das ist fast jeden Tag, dann will ich nicht mehr dazugehören», betonte er. Er mache Film und nicht mehr vier Theaterstücke im Jahr, sondern eins.
Haußmanns («Sonnenallee») neuer Film «Herr Lehmann» nach dem Buch von Sven Regener über einen Kreuzberger Lebenskünstler kommt Anfang Oktober in die Kinos. Die schon seit längerem geplante Militärkomödie «NVA» wird nach seinen Angaben im kommenden Frühjahr gedreht. Zudem inszeniert er am Berliner Ensemble Shakespeares «Der Sturm».

neues theater Halle will sich einmischen
Halle (ddp-lsa). Das neue theater (nt) Halle will mit seinem aktuellen Angebot bilden und sich einmischen. Das kündigte Intendant Peter Sodann am Dienstag bei der Vorstellung des Spielplanes 2003/2004 an. Er enthält elf Neuinszenierungen, unter anderem von Dürrenmatt, Brecht, Shakespeare, Turini und Moliere. Aber auch nicht so bekannte Autoren wie Hristo Boytchev und Bengt Ahlfors stehen auf dem Programm.
Mit den Übernahmen aus vergangenen Jahren umfasst der nt-Spielplan mehr als 40 Stücke. Gespielt wird im großen Saal, in der Kommode auf der Hinterbühne und im Hof. Eröffnet wird die Spielzeit am 26. September mit «Der totale Kick» von Kristof Magnusson. Regie führt Anne-Katrin Gummich.
Wenn vom nt die Rede ist, könne man jedoch nicht nur die Bühne sehen, sondern müsse die gesamte Kulturinsel mit Theaterakademie, Lesesaal, Bibliothek und Galerie im Blick haben, sagte Sodann. Dessen Vertrag läuft Ende Juni 2005 aus. Bisher sei die Kulturinsel von der Stadt bei der Ausschreibung für einen neuen Intendanten kaum beachtet worden. Seines Wissens lägen bislang sieben Bewerbungen vor. Ob die nötige Integrationsfigur darunter sei, bezweifele er. Auf Grund seiner Kritik habe er einen Platz in der Findungskommission erhalten, einen zweiten nehme ein weiterer Mitarbeiter des nt ein. Er sei trotzdem in Sorge, ob die richtige Wahl getroffen wird, sagte Sodann. Um einen reibungslosen Übergang zu sichern, sollte der Nachfolger seine Tätigkeit in Halle bereits im nächsten Jahr beginnen.
Nach Angaben der Theaterleitung war die vergangene Spielzeit die bislang erfolgreichste für das nt. Es wurden mehr als 76 000 Besucher gezählt und knapp 900 000 Euro Einnahmen erzielt im Vergleich zu 71 000 Besuchern und 771 000 Euro Einnahmen in der Spielzeit 2001/2002. Die Zuwendungen von Stadt und Land betrugen rund 5,3 Millionen Euro. Die Zukunft der Kulturinsel sieht Sodann auf Grund der Mittelkürzungen durch die öffentliche Hand in einer Stiftung. Sie mache unabhängig vom Stadtsäckel. Das Land hat dieser Idee eine Absage erteilt, mit der Stadt jedoch sei man weiter im Gespräch, sagte Sodann. Er könne sich jedoch in Zusammenarbeit mit der Puppenbühne, die auf der Kulturinsel ihr Domizil hat, auch die Gründung einer GmbH vorstellen. Beide Wege müssten geprüft werden. Die Kulturinsel sei für jede gute Idee offen.
http://www.nt-schauspiel-halle.de

Theaterfestival im Hotel Halle-Neustadt
Halle (ddp-lsa). Gemeinsam mit jungen Leuten hat das Thalia-Theater Halle das leerstehende Hochhaus Scheibe A in Halle-Neustadt in ein Hotel auf Zeit und ein Kunstprojekt verwandelt. Vom 19. September bis 2. Oktober soll dort ein internationales Theaterfestival der besonderen Art stattfinden. Rund 50 wurden eingeladen, die ihre Ideen zur Belebung von Hotel und Stadt, zur Gestaltung des Lebens und der Zukunft vorstellen und umsetzen wollen, wie Projektleiterin Cora Hegewald am Dienstag in Halle sagte.
Bis zu 70 junge Leute arbeiteten seit Juli im 18-Geschosser. Auf acht Etagen wurden insgesamt 84 Zimmer hergerichtet. Dort können die Erbauer und Gäste für einige Zeit wohnen. Darüber hinaus bietet das Hotel Unterkunft für die Teilnehmer des Theaterfestivals und Räumlichkeiten für das Festival selbst.
Allerdings weist das Hotel Neustadt laut Organisationschefin mehrere Besonderheiten auf. So ist der Fahrstuhl geschlossen. Treppen steigen ist angesagt. Es gibt fast ausschließlich Gemeinschaftsduschen und -küchen. Die von den Jugendlichen eingerichteten Zimmer sind jedoch fantasievoll gestaltet und möbliert. Da ist das plüschige Oma-Zimmer, die Hippie-Wohnung, die Honeymoon-Suite, das DDR- oder das Afrika-Zimmer. Wer in das Pyramiden-Zimmer einzieht, schläft in einem runden Zelt. Auf der vierten Etage befindet sich das Wellness-Zentrum mit Friseur und römischem Dampfbad. in der achten Etage fühlt sich der Gast in einen Dschungel versetzt, so bunt sind die Wände bemalt.
Eine Übernachtung im Hotel-Neustadt kann jeder buchen. Sie kostet für Jugendliche fünf und für Erwachsene zehn Euro. Eine Vorbuchung ist im Internet möglich. Auch für die während des Theaterfestivals geplante große Hotel-Neustadt-Show ist laut Thalia Kartenreservierung empfehlenswert.
http://www.hotel-neustadt.de

Saisonauftakt am Zittauer Theater
Zittau (ddp-lsc). Das selten gezeigte Schauspiel «Süßer Vogel Jugend» von Tennessee Williams eröffnet am Samstag die neue Spielzeit am Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater. Michael Funke setzte das 1959 entstandene Stück in Szene, teilte die Leitung des Hauses am Dienstag mit. Im Mittelpunkt steht eine vormals gefeierte Schauspielerin, die sich völlig dem Alkohol überlässt. Ihr Liebhaber hält scheinbar noch zu ihr, will jedoch eigentlich nur erreichen, dass der alternde Star ihm die Türen nach Hollywood öffnet. Funke, der seit Beginn dieser Spielzeit am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen als Oberspielleiter engagiert ist, hat im vergangenen Jahr bereits Hauptmanns «Vor Sonnenaufgang» in Zittau inszeniert.
Das Theater im Dreiländereck bringt in dieser Spielzeit zehn Neuinszenierungen heraus. Dazu gehören unter anderem die Komödie «Noch ist Polen nicht verloren» von Melchior Lengyel, der Shakespeare-Klassiker «Hamlet» sowie das Stück «Schuld und Sühne» nach einem Roman von Fjodor Dostojewski. Im Frühjahr erlebt das Publikum in «Das Ballhaus» musikalisch-tänzerische Reise durch das vergangene Jahrhundert. Im Programm ist wiederum ein Bühnenball, der in den vergangenen beiden Spielzeiten große Resonanz gefunden hat. Auf der Waldbühne in Jonsdorf spielt das Theater im Sommer «Tödlicher Irrtum». Nach «Spur des Falken» und «Weiße Wölfe» kommt damit zum dritten Mal die Bühnenversion eines Defa-Indianerfilmes zur Uraufführung.
http://www.theater-zittau

Akademie für Sprache und Dichtung widmet sich «Arabischer Poesie»
Darmstadt (ddp). «Arabische Poesie» steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Vom 23. bis 25. Oktober werde Darmstadt zum Schauplatz eines deutsch-arabischen Dichtertreffens, teilte die dort ansässige Akademie mit. So werden etwa bei einem Fest arabischer Poesie acht Dichter, darunter der palästinensische Poet Mahmoud Darwish und Qassim Haddad aus Bahrain, ihre Werke vortragen.
Am letzten Tag der Herbsttagung erhält der Publizist und Produzent Alexander Kluge den Georg-Büchner-Preis 2003. Die mit 40 000 Euro dotierte Ehrung gilt als die angesehenste Literaturauszeichnung in Deutschland.

Lyrikdebütpreis an Jan Volker Röhnert
Berlin (ddp). Der Autor Jan Volker Röhnert erhält für seinen Gedichtband «Burgruinenblues» den Lyrikdebütpreis 2003. Röhnert, Jahrgang 1976, lebt in Jena und wirkt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der dortigen Universität. Er publizierte bereits in mehreren Literaturzeitschriften. «Röhnerts Gedichte machen Front gegen das allzu Geläufige, Beliebige, bloß Dekorative - mit dem Bewusstsein, dass jede Generation aus dem ihr eigenen Lebensgefühl heraus Schönheit neu erfinden muss», urteilt der Schriftsteller Wulf Kirsten. Dieser wird anlässlich der Verleihung am Freitag in den Räumen des Literarischen Colloquium Berlin die Laudatio halten.
Der Lyrikdebütpreis ist mit 5000 Euro dotiert und wird von der Kulturstiftung der Deutschen Bank, der Kester-Haeusler-Stiftung und dem Literarischen Colloquium getragen.