Body
Medienforscher dringt auf jugendgerechtere Formate im TV +++ 361 Filme beim Leipziger Dokfilmfestival +++ Wim Wenders erhält Helmut-Käutner-Preis 2004 +++ «No. 12 Cul-De-Sac» - Theater-Premiere im Saalbau Neukölln +++ Neues Konzept für Grand-Prix-Vorentscheid steht
Medienforscher dringt auf jugendgerechtere Formate im TV
Berlin (ddp). Obwohl sich die Medien immer stärker auf jugendliche Zuschauer als Zielgruppe einstellen, fehlen nach Ansicht von Experten dennoch jugendgerechte Formate im TV. Sowohl bei den privaten als auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern bestehe ein Bedarf an Sendungen, die stärker auf die Bedürfnisse von Zuschauern im Alter von 12 bis 25 Jahren zugeschnitten seien, sagte der Medienforscher Jo Groebel im Vorfeld des am Donnerstag in Berlin beginnenden Medienkongresses «Jugend und Fernsehen» der Nachrichtenagentur ddp.
Gerade bei Informationsprogrammen würden Jugendliche von den Sendern oft nicht erreicht, die Sprache sei meist «zu wenig jugendkonform». Besonders die öffentlich-rechtlichen Sender müssten ihrem Bildungsauftrag in diesem Bereich noch stärker nachkommen.
Groebel forderte in diesem Zusammenhang eine weniger «reaktive Formatentwicklung». Die Programmverantwortlichen sollten beim Entwickeln neuer Formate nicht nur erfolgreiche Kopien von Konkurrenten neu auflegen, so wie es bei den Castingshows geschehen sei. Auf längere Sicht könne er sich auch einen Jugendkanal nach dem Vorbild des Kinderkanals oder der erfolgreichen Jugendwellen im Radio vorstellen. Bei Musiksendern wie Viva oder MTV begrüße er, dass diese «neue Formen des Fernsehen» möglich gemacht haben, auch wenn einzelne Sendungen an die« Grenzen des guten Geschmacks» gingen.
Besonderes Augenmerk werde der Kongress auf die «Neuen Medien» richten, sagte Groebel. Laut einer aktuellen Untersuchung haben 70 Prozent der Eltern keine Information über die Internetnutzung ihrer Kinder, betonte der Wissenschaftler. Das 15. Europäische Film- und Fernsehforum «Jugendliche und Fernsehen - Herausforderungen, Risiken und Möglichkeiten» findet von Donnerstag bis Samstag in Berlin statt. Veranstalter ist das Europäische Medieninstitut, dem Groebel als Generaldirektor vorsteht.
http://www.eim.org
361 Filme beim Leipziger Dokfilmfestival
Leipzig (ddp-lsc). 361 Filme aus 47 Ländern sind ab dem 14. Oktober im Rahmen des 46. Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm in Leipzig zu sehen. Davon treten nach Angaben des Festivaldirektors Fred Gehler vom Donnerstag 62 Filme zum Wettbewerb um die Goldenen und Silbernen Tauben an, 16 im Bereich Dokumentation, 46 im Bereich Animation. Vor allem das Dokumentarfilmprogramm werde in diesem Jahr knapper und übersichtlicher ausfallen als in den Vorjahren, sagte Gehler. Ein weiterer filmischer Höhepunkt des sechstägigen Festivals sei die Retrospektive Blick/Gegenblick, die sich der Geschichte des sowjetisch-russischen Dokumentarfilms widme.
Insgesamt werde die aus internationalen Filmexperten bestehende Jury auch in diesem Jahr Preise im Wert von 30 000 Euro vergeben, sagte Gehler. Unter den aus mehr als 2000 Einsendungen ausgewählten Beiträgen sollen sich zahlreiche Deutschlandpremieren befinden. Erwartet werden nach Angaben der Veranstalter rund 20 000 Besucher, dazu Filmemacher und Medienvertreter aus aller Welt. Neben dem offiziellen Festivalprogramm werde es Schwerpunktveranstaltungen für Filme von Nachwuchsregisseuren, lokale Kurzfilme und Kinderfilme geben.
http://www.dokfestival-leipzig.de
Wim Wenders erhält Helmut-Käutner-Preis 2004
Düsseldorf (ddp). Der Filmemacher Wim Wenders wird mit dem renommierten Helmut-Käutner-Preis 2004 der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet. Wenders werde den Preis im kommenden Frühjahr in seiner Heimatstadt entgegennehmen, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Der Regisseur war im August 1945 in Düsseldorf geboren worden.
Wenders habe sich seit seinen Anfängen als Filmschaffender durch «hohe Experimentierfreudigkeit und Innovationskraft» ausgezeichnet, die bis heute anderen Künstlern Impulse gegeben habe, hieß es zur Begründung. Er habe über Jahrzehnte die deutschen Filmkultur geprägt und sie international bekannt gemacht. Es sei ihm gelungen, mit seinen in Deutschland und den USA entstandenen Filmen «eine eigenen Handschrift zu entwickeln und zu bewahren».
Die Auszeichnung würdigt hervorragende filmkulturelle Leistungen. Sie wird zum zehnten Mal verliehen. Zu Wenders Vorgängern zählen unter anderem die Filmjournalistin Lotte Eisner, die Schauspielerin Hildegard Knef und der Regisseur Bernhard Wicki. Der Preis ist nach dem 1980 gestorbenen Düsseldorfer Regisseur und Schauspieler Helmut Käutner benannt.
«No. 12 Cul-De-Sac» - Theater-Premiere im Saalbau Neukölln
Berlin (ddp-bln). Die Inszenierung «No. 12 Cul-De-Sac» feiert am 1. Oktober (20.00 Uhr) im Saalbau Neukölln Premiere. Der Film von Roman Polanski wird unter der Regie von Rüdiger-Walter Kunze zu einem Theaterstück über die Unfähigkeit des Menschen, mit sich und der Welt fertig zu werden, sagte ein Sprecher des Theaters. Im Gegensatz zur Originalvorlage inszeniere Kunze das Stück nicht als düsteres Drama, sondern als skurriles Spiel voll makabrer Späße und Symbole, das das Resümee noch bitterer erscheinen lasse.
Polanski zeige Menschen, die in einer Art Hassliebe aufeinander angewiesen sind, fügte der Sprecher hinzu. Im Film wie im Stück macht sich ein Paar das Leben auf einer einsamen Insel zur Hölle. Das Auftauchen zweier Gangster verändere nichts, sondern vergrößere nur das Personal für ein neuerliches Katz-und-Maus-Spiel.
Das Stück ist bis Ende Oktober im Saalbau Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.
Neues Konzept für Grand-Prix-Vorentscheid steht
Hamburg (ddp). Nach dem desaströsen Abschneiden der deutschen Grand-Prix-Kandidatin in Riga steht nun das neue Konzept für den nationalen Vorentscheid. Künftig müssen die Teilnehmer «höhere professionelle Anforderungen» erfüllen, kündigte NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer, verantwortlich für die Veranstaltung, am Donnerstag in Hamburg an. Die Musiktitel würden zwar weiterhin von deutschen Plattenfirmen eingebracht, zusätzlich müssten nun jedoch Videos für den Musiksender Viva produziert werden. Nur wer in die deutschen Charts komme, habe eine Chance, beim Vorentscheid dabei zu sein. Der Vorentscheid sei «nicht mehr offen für Anfänger, die ihr Forum inzwischen in diversen Castingshows finden», betonte Meier-Beer.
Der Grand-Prix-Vorentscheid findet am 19. März 2004 unter neuem, viel versprechenden Namen statt: «Germany 12 Points!» wird von ARD-Moderator Jörg Pilawa und seiner Viva-Kollegin Sarah Kuttner moderiert und von der ARD live aus der Arena in Berlin-Treptow übertragen. Insgesamt werden dort bis zu zwölf Titel um die Teilnahme am «Eurovision Song Contest» in der Türkei wetteifern. Wer Deutschland am 15. Mai 2004 in Istanbul vertreten wird, darüber entscheidet wie bisher das Fernsehpublikum.