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28.9.: film und medien aktuell +++ film und medien

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Regierung will deutschen Film besser fördern +++ Menschenrechts-Filmpreis für «The Khmer Rouge Killing Machine» +++ Beck unterzeichnet 7. Rundfunkänderungsstaatsvertrag +++ LMU beginnt mit Forschungsprojekt «InterMedia» +++ Kritik der Schlagerbranche an neuen Grand-Prix-Regeln

Regierung will deutschen Film besser fördern
Berlin (ddp). Die Bundesregierung will die Rahmenbedingungen für Kinofilmproduktionen und die Absatzförderung für deutsche Filme verbessern. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Änderung des Filmförderungsgesetzes (FFG) hat der Bundestag am Donnerstag in Berlin in erster Lesung behandelt. Vorgesehen ist eine Anhebung des Beitrages der Fernsehveranstalter sowie der Filmabgabe der Kino- und Videowirtschaft. Zudem soll ein deutscher Filmrat gegründet werden.
Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) sieht in der vorliegenden Novelle den richtigen Weg, um die strukturellen und wirtschaftlichen Bedingungen für die deutsche Filmwirtschaft nachhaltig zu verbessern. «Auch in der Filmbranche haben wir einen enormen Reformstau aufzulösen. Unser Gesetz ist hierfür der Katalysator», sagte die Ministerin.
Film sei ein Kulturgut ersten Ranges. Der Gesetzentwurf trage diesem Ansatz Rechnung, soweit ein Wirtschaftsgesetz dies zulasse, betonte Weiss. Die Förderung würde künftig differenzierter, finanziell um ein Vielfaches stärker und den komplexen Bedingungen der Filmproduktion mehr gerecht. Seit der letzten Novelle 1998 hätten sich die Bedingungen für den deutschen Film verschlechtert. «Das risikoreiche Filmgeschäft ist zu einer Kletterpartie mit erhöhter Absturzgefahr geworden, was uns nicht gleichgültig sein darf», sagte die Ministerin.
Im Mittelpunkt der Novelle stehen die Reformen des Fördersystems, die Neugewichtung der Förderbereiche und die Erhöhung der Einnahmen der Filmförderungsanstalt (FFA). So soll die Filmabgabe der Kinobetreiber von derzeit rund 2,2 Prozent des Bruttoeintrittskartenerlöses (derzeit rund 20 Millionen Euro) auf durchschnittlich rund 2,7 Prozent steigen. Dies würde sich dem Gesetzesentwurf zufolge voraussichtlich mit rund drei Cent pro Karte auf die Kinoeintrittspreise auswirken.
Hintergrund der neuen Förderbestrebungen sind die unabhängig von den Produktionskosten gestiegenen Herausbringungskosten für einen Kinofilm von 150 000 Euro im Jahr 1985 auf derzeit gut eine Million Euro. Jedoch ist das Gesetzesvorhaben bei Kinoverbänden auf breite Ablehnung gestoßen. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) hatte «erhebliche Zweifel» an der Verfassungsmäßigkeit des neuen FFG geäußert. Hauptkritik ist eine «Ungleichbehandlung» der Fernsehsender und der Filmtheaterbetreiber im Gesetzentwurf. Die Kinobetreiber seien zu einer gesetzlichen Filmabgabe gezwungen und unterlägen somit «quasi einer Zwangssteuer».

Menschenrechts-Filmpreis für «The Khmer Rouge Killing Machine»
Nürnberg (ddp-bay). Rithy Panh ist für seine Dokumentation über das Terrorregime der Roten Khmer im Kambodscha der 70er Jahre mit dem Internationalen Menschenrechts-Filmpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet worden. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) übergab den mit 5000 Euro dotierten Preis am Freitag in Nürnberg an den in Paris lebenden kambodschanischen Filmemacher. Der «Special Jury Award» ging an den Film «Otzenrather Sprung» des in München lebenden und an der Hochschule für Fernsehen und Film studierenden Jens Schanze, der die Umsiedlung mehrerer Dörfer im Ruhrgebiet dokumentiert.
Die Entscheidung der Jury für «The Khmer Rouge Killing Machine» sei «einstimmig» gefallen. In dem Film treffen Täter und überlebende Opfer des Völkermordes im ehemaligen Folterzentrum «S 21» aufeinander. Die Jury würdigte den Film als «extrem kraftvoll, beunruhigend, couragiert und meisterhaft inszeniert». Besonders beeindruckend seien «Engagement, Ausdauer und Disziplin, mit der die Filmemacher und die Teilnehmer sich selbst zwangen, durch den schmerzlichen Prozess der Rekonstruktion des Horrors zu gehen».
Mit dem Film werde nicht nur ein Einblick in das Schreckenssystem Pol Pots gegeben, dem mehr als drei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Das Werk sei zugleich ein wichtiger Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung in Kambodscha. Denn bis heute sei keiner der Täter zur Verantwortung gezogen worden, hieß es in der Begründung.
Im «Otzenrather Sprung» wird der Prozess der Umsiedlung mehrerer Dörfer im Ruhrgebiet begleitet, die dem Braunkohletagebau zum Opfer fielen. «Menschen, Landschaften und Positionen» würden «mit derart erstaunlichem Einfühlungsvermögen und mit solcher Imaginationskraft vorgeführt, dass möglicherweise auch die Betroffenen selbst erst durch einen Film wie diesen das ganze Ausmaß des Verlustes erkennen können».
Das siebentägige Festival dauert noch bis Sonntag. Am letzten Tag will Schirmherrin Katja Riemann an der Vorstellung des Filmes «The day I will never forget» teilnehmen. Riemann setzt sich in ihrer Rolle als Unicef-Botschafterin aktiv gegen die Geschlechtsverstümmelung von Mädchen und Frauen in Afrika ein, das Thema des vorgestellten Films. Insgesamt wurden in diesem Jahr 450 Filme eingereicht.


Beck unterzeichnet 7. Rundfunkänderungsstaatsvertrag
Mainz (ddp-swe). Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat am Freitag in Berlin den 7. Rundfunkänderungsstaatsvertrag unterschrieben. Damit könne die Reform der Medienordnung weiter vorangetrieben werden, betonte Beck, der auch Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist. In dieser Funktion war der SPD-Politiker maßgeblich am Zustandekommen des Vertrages beteiligt.
Zentral im neuen Vertrag ist Beck zufolge, dass der Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks konkretisiert wird. Dies geschehe einerseits durch Rahmenvorgaben für Programme und Angebote, andererseits über Selbstverpflichtungserklärungen, mit denen die Rundfunkanstalten stärker in die Verantwortung genommen werden sollen. So dürften Online-Angebote dieser Sender nur programmbegleitend und mit programmbezogenem Inhalt gemacht werden.
Der neue Entwurf stärke darüber hinaus die Bedeutung der regionalen Fenster in den Programmen privater Fernsehsender. Ihre Ausstrahlung sei nunmehr für die reichweitenstärksten bundesweiten TV-Programme verpflichtend.
Beck wies weiter darauf hin, dass im Änderungsvertrag auch die Verlängerung des Moratoriums für Internet-Computer bei der Zahlung von Rundfunkgebühren enthalten sei. Somit müssten bis 2006 für solche Geräte weiterhin keine Abgaben bezahlt werden. Der Staatsvertrag soll in den kommenden Wochen in den Länderparlamenten zur Ratifizierung eingebracht werden und im April 2004 in Kraft treten.

LMU beginnt mit Forschungsprojekt «InterMedia»
München (ddp-bay). An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) beginnt am Mittwoch der interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt «InterMedia». Das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt beschäftigt sich mit den strukturellen Veränderungen durch das Internet in Verlagen, Sendern und anderen Medienhäusern, wie die LMU am Freitag mitteilte. An den Forschungen beteiligen sich Fachvertreter des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, des Instituts für Information, Organisation und Management sowie des Instituts für Informatik. Auch das Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung ist vertreten.
Der Forschungsschwerpunkt ist auf knapp vier Jahre angelegt und wird mit rund 2,6 Millionen Euro durch das Bundesbildungsministerium gefördert. Um die sieben nationalen Forschungsgruppen zum Thema Internetökonomie hatten sich laut LMU mehr als 100 Forschergruppen beworben. Das Projekt beschäftigt sich in zehn Teilprojekten mit Chancen und Risiken, die sich aus mobilen Netzen, interaktiven Zugangsmöglichkeiten sowie der Konvergenz von Netzen und Endgeräten für die Medienbranche ergeben.

Kritik der Schlagerbranche an neuen Grand-Prix-Regeln
Hamburg (ddp). Die deutsche Schlagerbranche übt Kritik an den neuen Regeln für den nationalen Grand-Prix-Vorentscheid. Die von der ARD aufgestellten Kriterien seien «das Todesurteil für den deutschen Schlager», sagte Schlagersänger Bernhard Brink der «Bild»-Zeitung (Freitagausgabe). Das sei «Betrug am Gebührenzahler und am deutschen Liedgut.» Auch Musikproduzent und Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel («Ein bisschen Frieden») zeigte sich empört. Er wisse nicht, ob er überhaupt noch mal antreten wolle. Der Grand Prix sei ihm im Moment «überhaupt nicht wichtig».
Die ARD hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die Teilnehmer am nationalen Contest für den europäischen Gesangswettbewerb künftig höhere professionelle Anforderungen erfüllen müssen. Die Musiktitel werden zwar weiterhin von deutschen Plattenfirmen eingebracht, zusätzlich müssen nun jedoch Videos für den Musiksender Viva produziert werden.
Der Grand-Prix-Vorentscheid findet am 19. März 2004 unter dem Namen «Germany 12 Points!» in Berlin statt und wird von ARD-Moderator Jörg Pilawa und seiner Viva-Kollegin Sarah Kuttner moderiert. Wer Deutschland am 15. Mai 2004 in Istanbul vertreten wird, darüber entscheidet wie bisher das Fernsehpublikum.
s. auch: http://nmz.de/kiz/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=5445