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30.9.: theater und literatur aktuell +++ theater und literatur

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Ost-Berliner Kabarett Distel feiert 50. Geburtstag +++ Von Joop bis Janosch - Zwölf Autoren für Bücherpreis nominiert


Ost-Berliner Kabarett Distel feiert 50. Geburtstag
Berlin (ddp). Der Name war prophetisch. Nicht nur, dass die Distel sticht, sie ist auch extrem widerstandfähig. Ohne diese Eigenschaften könnte das Kabarett-Theater in der Berliner Friedrichstraße nicht am Donnerstag mit der Premiere des 106. Programms den 50. Geburtstag feiern. Sie überlebte nicht nur politische Krisen sondern auch den Staat, der sie hervorbrachte. Selbst die real existierende Marktwirtschaft konnte ihr bisher nichts anhaben.
«Hurra, Humor ist eingeplant» hieß es bei der Premiere des ersten Programm der Distel am 2. Oktober 1953. Nach einem heißen politischen Sommer - die DDR-Führung konnte sich nur durch Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni an der Macht halten - wollte der Ost-Berliner Magistrat ein politisches Gegengewicht zu den «Insulanern» und den «Stachelschweinen» im Westteil der Stadt schaffen. Da Gründer und Direktor Erich Brehm aber aufs Ganze zielte, wurde die Distel zu einer beliebten Gesamtberliner Adresse.
Mit dem Mauerbau 1961 veränderte sich die Situation. Die DDR stabilisierte sich und die SED-Regierung legte politisch die Daumenschrauben an. Auf dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965, das eine Restalinisierung der Kulturpolitik einleitete, knöpfte sich Walter Ulbricht auch die Distel vor. «In Moskau gibt\'s ja auch kein Kabarett» war seine unverhohlene Drohung an die Kabaretttruppe. Die Distel überlebte, der große Bruder im Osten war einmal nicht Vorbild. Nur die Staatsratsvorsitzenden kamen und gingen.
Trotz der vielen Kompromisse, die die Distel aufgrund der programmatischen Vorgaben der staatlichen Abnahmekommission eingehen musste, blieb der Erfolg der Politsatiriker groß. So groß, dass die Wartezeit für eine Karte drei bis fünf Jahre betrug. Um die Not etwas zu lindern, eröffnete man in Hohenschönhausen 1976 sogar eine zweite Spielstätte.
Szenen, die in den Fängen der staatlichen Zensur hängen blieben, füllen ganze Aktenordner, doch 1988 durfte mit «Keine Mündigkeit vorschützen» ein ganze Programm nicht aufgeführt werden. Die Generalprobe vor Zuschauern fand aber doch statt - Hunderte Karten waren bereits verkauft und dem Zorn des Publikums wollten sich die Funktionäre nicht aussetzen.
Mit der Wende folgte die nächste existenzielle Krise der Distel: Magistrat und Senat von Berlin beschlossen die Abwicklung zum 15. Dezember 1990. Eine Abschaffung wollte man nicht, nur die Privatisierung, die mit Senatshilfe auch gelang. Nur 20 der ehemals 60 Mitarbeiter konnten bleiben. Doch dem Ensemblekonzept blieb man treu. So konnten auch die 1999 aufgedeckten Stasi-Verstrickungen der ehemaligen Intendantin Gisela Oechelhaeuser und ihre Entlassung der Distel nichts anhaben.
Heinz Lyschik, Sprecher der Distel, macht sich auch um die Zukunft keine großen Sorgen: «Auslastung und Publikumsmischung stimmen und im Haus können wir wohl auch bleiben.» Nur die von ihm beobachtete Entpolitisierung der Jugend stimmt Lyschik etwas nachdenklich. Aber die Distel hat ja schon viel mehr überstanden. Und jetzt wird erstmal gefeiert.

Von Joop bis Janosch - Zwölf Autoren für Bücherpreis nominiert
Frankfurt/Main (ddp). Für den Deutschen Bücherpreis 2004 sind zwölf Autoren nominiert. Die Palette reicht von Siegfried Lenz und Yann Martel über Michael Moore bis Janosch und Wolfgang Joop, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt am Main miteilte. Vorgeschlagen wurden Schriftsteller in den Kategorien Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch sowie Debüt.
Neben Siegfried Lenz («Fundbüro») konkurrieren in der Kategorie Belletristik Charlotte Link («Am Ende des Schweigens») und Yann Martel («Schiffbruch mit Tiger»). Bei den Sachbuch-Autoren stehen Michael Moore mit «Stupid White Men», Wolfgang Büscher mit «Berlin - Moskau. Eine Reise zu Fuß» sowie Jamie Oliver mit «Jamie\'s Kitchen» zur Auswahl.
In der Kategorie Kinder- und Jugendbuch wurden Janosch («Ach, so schön ist Panama), Ulrich Janßen und Ulla Steuernagel (»Die Kinder-Uni«) sowie Eoin Colfer (»Artemis Fowl - Der Geheimcode«) nominiert. Für ihr »Debüt« stehen Wolfgang Joop mit »Im Wolfspelz«, Yade Kara mit »Selam Berlin« und Claudia Rusch mit »Meine freie deutsche Jugend« auf der Liste.
Die Ehrungen werden am 25. März 2004 bei einer Fernsehgala auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Preisträger in den vier Kategorien ermittelt erstmals eine Jury aus prominenten Lesern und Vertretern der Buchbranche. Zusätzlich zu diesen Auszeichnungen vergeben der Börsenverein und die Leipziger Messe noch den Preis für das Lebenswerk eines zeitgenössischen deutschsprachigen Autors sowie den Publikumspreis.
Die Auszeichnung besteht aus einer von Literaturnobelpreisträger Günter Grass geschaffenen Bronzestatue, die in Anlehnung an dessen Roman «Der Butt» eine Hand mit einem darin liegenden Fisch, dem Butt, darstellt.
Der Börsenverein und die Leipziger Messe zeichnen mit dem Deutschen Bücherpreis »aktuelle Bücher aus, die Qualität haben - und Erfolg beim Lesepublikum". Alle im Börsenverein organisierten Buchhandlungen konnten ihre seit Herbst 2002 erschienenen Favoriten vorschlagen. Die Titel mit den meisten Stimmen schafften den Sprung auf die Nominierungsliste.