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6.10.: literatur aktuell +++ literatur

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Südafrika: Politische Kontroverse um Coetzee +++ Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung +++ Rheingau Literatur Preis 2003 geht an Berliner Reinhard Jirgl


Südafrika: Politische Kontroverse um Coetzee
Die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an den Südafrikaner John M. Coetzee hat in seiner Heimat eine politische Kontroverse ausgelöst. Die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) forderte den regierenden Afrikanischen National-Kongress (ANC) am Freitag in einer Erklärung zu einer Entschuldigung für frühere Angriffe gegen den Autor auf. Der ANC hatte sich im April 2000 äußerst kritisch über die berühmteste Novelle des Autors - "Schande" - geäußert, die im Nach-Apartheid-Staat Südafrika angesiedelt ist.
In einer Reaktion meinte der ANC, er stünde weiter zu seiner Kritik an dem Werk, doch verdiene Coetzee dessen ungeachtet auch Lob. Die Partei hatte bei einer Anhörung der Menschenrechts-Kommission zum Thema Rassismus in den Medien beklagt, "Schande" fordere weiße Südafrikaner zur Emigration auf. "Wir stehen weiter zu dem, was wir gesagt haben, schätzen aber zugleich seine Verdienste sehr", sagte ANC-Sprecher Smuts Ngonyama. Er setzte nach: "Wer hat sich eigentlich für all das Töten des Apartheid-Regimes entschuldigt?"
Die Kommunistische Partei Südafrikas (SACP) reagierte mit einer ebenso positiven wie heiteren Reaktion auf die Preisverleihung und meinte: "Die SACP schätzt Coetzee für seine anhaltende und durchdringende Analyse und Kritik der sozialen Ungerechtigkeit". Ihre Stellungnahme schloss mit den Worten: "Alle Macht der Schreibfeder!"
Südafrikas Ex-Präsident und Friedens- Nobelpreisträger Nelson Mandela hat seinem Landsmann am Freitag zum Literatur-Nobelpreis gratuliert.
Mandela betonte nach Angaben seines Büros: "Für ein kleines Land hier am südlichen Ende Afrikas ist es in der Tat eine bemerkenswerte Leistung, zwei Literatur-Nobelpreisträger hervorgebracht zu haben. Er mag ausgewandert sein, doch wir werden ihn weiter für uns beanspruchen. Sein anhaltendes Porträtieren von Gewalt und Verwerfungen durch Kolonialismus und Apartheid haben ihn in der Geschichte unseres Landes zu einem intellektuellen Helden gemacht."
Quelle: orf

Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung
Duisburg (ddp-nrw). Unter dem Motto «Tierisch gut» findet in Duisburg demnächst eine internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung (IKiBu) statt. Veranstaltet werden in der City Autorenlesungen, Theater und Kreativwerkstätten für die jungen Leser, wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte.
Zur Eröffnung spielt am 17. November um 16 Uhr ein Kammermusikensemble der Duisburger Philharmoniker Camille Saint-Saens «Karneval der Tiere» in der Zentralbibliothek. Außerdem werden die Arbeiten des Berliner Grafikers und Kinderbuchillustrators Manfred Bofinger ausgestellt, der auch das diesjährige IKiBu-Plakat entwarf.
Den Mittelpunkt der internationalen Kinder- und Jugendbuchausstellung bilden die Autorenlesungen. Manfred Bofinger, Herbert Günther, Christa Ludwig, Sabine Ludwig und Reinhard Michl lesen aus ihren Kinderbüchern mit Tierbezug vor. Darüber hinaus wird der Meeresbiologe und Sachbuchautor Boris Michael Culik über seine neuesten Forschungsergebnisse der Schweinswale berichten.
13 Ensembles und Einzelkünstler, darunter «Clown Tiftof» und das «Puppentheater Kuklamu», sollen die Kinder unterhalten. Kinderfilme, eine Spiel- und Erzählwerkstatt sowie ein Englisch-Kreativ-Workshop für Vorschulkinder runden das Programm ab. Im Duisburger Zoo wird der Zoologe und Pädagoge Udo Gansloßer über das Thema «Bärenstark» sprechen.
Die Veranstaltungen sind größtenteils kostenlos, für einige Theatervorstellungen können Karten für einen Euro ab dem 4. November erworben werden. Die IKiBu endet am 22. November.

Rheingau Literatur Preis 2003 geht an Berliner Reinhard Jirgl
Oestrich-Winkel (ddp-swe). Der Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl erhält den diesjährigen Rheingau Literatur Preis. Die Jury habe sich aufgrund seines neuen Romans «Die Unvollendeten» einstimmig für Jirgl entschieden, teilten die Veranstalter des Rheingau Musik Festivals am Donnerstag in Oestrich-Winkel mit. In seinem neuen Roman schildert Jirgl das Leben von vier Frauen, die im Herbst 1945 aus dem Sudetenland vertrieben werden. Als Preisgeld erhält der Berliner Autor neben 7700 Euro auch noch 111 Flaschen Rheingauer Riesling.