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Döring: BW ist das Buchland Nummer eins +++ Friedman übernimmt Sachbücher bei Berliner Aufbau-Verlag +++ Hörbücher immer beliebter - Verlage melden steigende Absatzzahlen +++ MDR startet neunten Literaturwettbewerb +++ Bertelsmann will Preise für Taschenbücher senken
Döring: Baden-Württemberg ist das Buchland Nummer einsStuttgart (ddp-bwb). Baden-Württemberg ist nach Aussage von Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) weiter das «Buchland Nummer eins». Die heimischen Buch- und Zeitungsverlage machen ein Drittel des gesamten steuerbaren Umsatzes der Branche in der Bundesrepublik, wie Döring anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Vor allem wissenschaftliche Bücher kämen aus dem Südwesten. Sozialwissenschaftliche Werke machten 24,8 Prozent der Buchproduktion des Landes aus, Bücher aus den Angewandten Wissenschaften, Medizin und Technik 18,5 Prozent.
Die Titelproduktion der baden-württembergischen Verlage sei allerdings im vergangenen Jahr um 13 Prozent abgespeckt worden, fügte Döring hinzu. Immer noch komme jeder sechste in Deutschland produzierte Titel aus Baden-Württemberg. Hierbei liege das Land nach Nordrhein-Westfalen und Bayern an dritter Stelle.
Friedman übernimmt Sachbücher beim Berliner Aufbau-Verlag
Frankfurt/Main (ddp). Auf den Tag genau drei Monate nach seinem Rücktritt von allen Ämtern wegen einer Kokainaffäre trat Michel Friedman am Mittwoch wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sichtlich gut gelaunt verkündete er auf der Frankfurter Buchmesse, er sehe jetzt seine «zweite Chance» gekommen. Um die hatte der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland bei seinem Rücktritt am 8. Juli gebeten. Wie sich jetzt zeigt, besteht sie für Friedman in einem publizistischen Engagement beim Berliner Aufbau-Verlag, dessen politisches Sachbuchprogramm er künftig verantworten wird.
Ohne zu Murren ertrug Friedman bei seinem ersten offiziellen Auftritt seit seiner Demission das minutenlange Blitzlichtgewitter der Fotografen - es schien fast, als genoss er es. Der eigentliche Anlass seines Auftritts, die Programmpressekonferenz des kleinen Aufbau-Verlagshauses geriet dabei in den Hintergrund. Er freue sich, dass so viele Journalisten Interesse für sein Unternehmen zeigen, scherzte Verlagschef Bernd F. Lunkewitz gleich zu Beginn, wohl wissend, dass ohne den prominenten Gast sicher nicht einmal die Hälfte der Gäste gekommen wäre.
Friedmans Rückkehr kommt nicht urplötzlich. Vergangene Woche bereits war sie eingeleitet worden, als die Film- und Fernsehproduzentin Regina Ziegler die Berliner Gesellschaft zu einer Welcome-Back-Party für Friedman einlud. Nun hat auch die übrige Öffentlichkeit Friedman wieder. Und wie schon früher wird Friedman wieder Interviews führen - vorerst aber nicht im Fernsehen.
Teil der Vereinbarung mit dem Aufbau-Verlag ist, dass Friedman jährlich zwei Interview-Bücher schreibt. Befragen will er nach eigenen Worten Persönlichkeiten, die sich politisch engagieren. Friedman sagte, er wolle einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die politische Kultur in Deutschland aus dem derzeitigen «Stillstand, der Langeweile und Verflachung» ausbricht. In den Interviews werde es «um Tiefe, um Biografien, um Brüche und um Sein und Schein» gehen.
Das erste der Interview-Bücher soll in genau einem Jahr auf dem Markt erscheinen. Eine Rückkehr auf den Bildschirm wollte der ehemalige TV-Moderator nicht ausschließen. Obwohl seine Leidenschaft auch das Fernsehen sei, stelle sich die Frage momentan aber nicht. In den nächsten Monaten werde er sich auf die neue Aufgabe beim Aufbau-Verlag konzentrieren. Als «außerordentlich unwahrscheinlich» bezeichnete Friedman die Möglichkeit, dass er seine eigenen Erlebnisse niederschreibt.
«Es war die schwerste Zeit meines Lebens, aber es geht mir wieder gut», vertraute der 47-Jährige nach der Pressekonferenz der «vipshow» des Hessischen Rundfunks (hr) an. Wirklich verkraftet habe er die Entwicklungen noch nicht, allerdings könne er nun wenigstens wieder arbeiten. Geholfen hätten ihm die Liebe, Freunde und sein Privatleben, das in Ordnung sei, sagte Friedman.
Friedmans Haussender, der hr, teilte unterdessen mit, noch nicht über eine mögliche neue Friedman-Sendung in seinem Fernsehprogramm entschieden zu haben. Intendant Helmut Reitze verwies auf einen Mitte November beginnenden Prozess gegen eine Menschenhändlerbande vor dem Berliner Landgericht. Bei den Ermittlungen in diesem Verfahren war auch Friedman ins Visier der Fahnder geraten. «Solange dieser Prozess läuft und in der Öffentlichkeit breit darüber berichtet wird, ist weder der Start einer neuen Talkshow mit Friedman noch eine Entscheidung darüber möglich», sagte Reitze. Ursprünglich war eine Entscheidung über eine weitere Zusammenarbeit des hessen fernsehens mit Friedman für den Herbst geplant.
Außer mit Friedman will der Aufbau-Verlag in der kommenden Zeit mit einer 30-bändigen, kommentierten Gesamtausgabe von Bertolt Brechts Werken, die der Aufbau-Verlag zusammen mit Suhrkamp herausgibt und die 499 Euro kosten soll. Außerdem erscheinen das Buch zum dem Spielfilm über Martin Luther, der am 30. Oktober in den Kinos anlaufen soll, und eine Biografie über Johannes Heesters.
Hörbücher immer beliebter - Verlage melden steigende Absatzzahlen
Frankfurt/Main (ddp). Hörbücher lassen die Kassen der Verlage zusehends lauter klingeln. In einer am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten Umfrage unter 150 Hörbuchverlagen in Deutschland gab jedes zweite Unternehmen an, der eigene Umsatz sei im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen. Weitere neun Prozent verbuchten ein Umsatzplus von bis zu neun Prozent. 18 Prozent meldeten einen gleichbleibenden Umsatz. Auch die Verkaufszahlen wiesen auf eine Stärkung des Segmentes hin, hieß es. So hättten fast 17 Prozent der Verlage angegeben, von ihrem erfolgreichsten Titel mehr als 20 000 Exemplare verkauft zu haben.
MDR startet neunten Literaturwettbewerb
Halle (ddp-lsa). Bereits zum neunten Mal vergibt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) im kommenden Jahr den MDR-Literaturpreis. Zur Teilnahme aufgerufen sind nach Senderangaben vom Mittwoch Autorinnen und Autoren, die bereits literarische Texte veröffentlicht haben. Eingereicht werden sollen Kurzgeschichten, die in maximal 15 Minuten vorgelesen werden können. Einsendeschluss ist der 31. Januar 2004.
Den Preisträger des nach eigenen Angaben bundesweit einzigen Literaturwettbewerbes einer Rundfunkanstalt will der MDR auch bei der neunten Auflage während eines öffentlichen Wettlesens im Mai 2004 ermitteln. Die drei besten Autoren können sich dann über Geldpreise und eine Lesereise durch drei Städte des MDR-Sendegebietes freuen. Außerdem sollen die besten Geschichten in einer Anthologie veröffentlicht werden. Die detaillierten Ausschreibungsbedingungen sind im Internet abrufbar.
http://www.mdr.de
Bertelsmann will Preise für Taschenbücher senken
Hamburg (ddp). Bertelsmann, der Marktführer im deutschen Buchgeschäft, plant Preissenkungen, um den Absatz wieder anzukurbeln. «Wir wollen vor allem die Taschenbücher wieder billiger machen, um mehr zu verkaufen», sagte die Marketing- und Vertriebschefin der Bertelsmann-Buchtochter Random House, Claudia Reiter, der «Financial Times Deutschland» (Donnerstagsausgabe). Sie fügte hinzu: «Wir haben registriert, dass die Verlage es in den letzten Jahren mit den Buchpreisen überzogen haben - das betrifft besonders das Taschenbuch.»
Früher habe der Durchschnitts-Taschenbuchkäufer zwei bis drei Bücher mitgenommen. Jetzt kaufe er nur noch eines. Es werde nun eine neue Preisstruktur entwickelt, sagte Reiter. «Wir wollen voranpreschen und Preise definieren.»