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Buchmesse Frankfurt

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Ein Lagebericht: Die Literaturbranche hofft - 55. Frankfurter Buchmesse soll neuen Schwung geben - Weiss: «Bücher unersetzlich für Verständigung»

Frankfurt/Main (ddp). Mit großen Hoffnungen blickt die Literaturbranche auf die 55. Frankfurter Buchmesse. Im Beisein von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) wurde die weltweit größte Literaturschau am Dienstag eröffnet. Buchmesse-Direktor Volker Neumann äußerte die Erwartung auf ein deutliches Plus bei den Besucherzahlen. Auch der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, zeigte sich angesichts eines «goldenen Septembers» bei den Verkaufszahlen der Branche zuversichtlich.

Weiss würdigte die Bedeutung des Buches und betonte am Beispiel des Gastlandes Russland vor allem die Rolle von Übersetzern beim kulturellen Brückenschlag. Die Übersetzer hätten «unermüdlich Löcher in den eisernen Vorhang gebohrt», sagte sie. «Zeitung, Fernsehen, Internet sind in der Informationsgesellschaft unverzichtbar. Doch nur das Buch, dieses langsame, nachhaltige Medium schließt uns die Welt auf», fügte die Ministerin hinzu. Mit Blick auf das Gastland sagte sie: «Wo, wenn nicht hier, sollten wir uns die Unersetzlichkeit des Buches im Prozess wechselseitiger, grenzüberschreitender Verständigung vergegenwärtigen.»

Laut Neumann wächst die Zahl der Einzelaussteller um vier Prozent auf mehr als 6600. Er zeigte sich außerdem optimistisch, den rückläufigen Trend bei den Besucherzahlen der vergangenen Jahre umkehren und stattdessen ein Plus von 15 Prozent erreichen zu können. Das wären mehr als 300 000 Besucher statt der 265 000 des vergangenen Jahres.

Schormann sprach zwar von einem wirtschaftlich insgesamt schlechten Jahr der Branche, das voraussichtlich mit einem leichten Minus von zwei Prozent abschließen werde. Ein «goldener September» mit einem Umsatzplus von 7,7 Prozent und ein guter Verkaufsstart des fünften «Harry Potter»-Bandes auf Englisch im Sommer gebe aber Anlass zur Hoffnung.

Schormann und Neumann zeigten sich erfreut über die im April gefallene Entscheidung zugunsten des Standortes Frankfurt nach monatelangen Diskussionen um einen möglichen Umzug der Literaturschau. Schormann sprach von einem «guten Abschluss». Neumann ergänzte, die Messe habe nunmehr «noch effizienter» für die Fachbesucher und Aussteller sowie «noch attraktiver» für alle Bücherfreunde werden wollen. Als «noch nicht ganz befriedigend» stellte er allerdings die Situation bei den Hotels dar, an deren Preisen und Konditionen es scharfe Kritik gegeben hatte.

Die Buchmesse hat in diesem Jahr eine Reihe von Neuerungen zu bieten. Zeitlich begrenzt können erstmals Bücher in den Hallen verkauft werden, allerdings nur zum gesetzlich gebundenen Preis. «Für Schnäppchenjäger sind wir der falsche Platz», sagte Neumann. Ebenfalls neu sind verschiedene Themen-Foren, die sich unter anderem Film und Fernsehen widmen.

Rund 1000 Autoren werden auf der sechstägigen Messe zu Gast sein, darunter die Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass und Imre Kertesz. Aus dem diesjährigen Gastland Russland sind rund 100 Schriftsteller angereist. Außerdem stellen 200 Verlage ihre Bücher aus. Inhaltlicher Schwerpunkt der Gastland-Präsentation, die am Abend von Vize-Premierministerin Galina Karelova eröffnet wurde, ist das 300-jährige Stadtjubiläum von St. Petersburg. Als Motto für seinen Buchmessen-Auftritt hat sich Russland gesetzt, die modernen, «neuen Seiten» des Landes bekannter zu machen.

Susanne Rochholz und Guido Heisner