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Berlin (ddp). Der Filmregisseur Frank Beyer ist tot. Der vor allem durch seine Arbeiten in der DDR bekannt gewordene Beyer starb am Sonntag im Alter von 74 Jahren nach längerer Krankheit in Berlin. Kulturschaffende würdigten den Defa-Regisseur am Montag als herausragenden Filmemacher.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU)betonte: «Wir werden diesen großen Erzähler vermissen.» Beyers Filme spiegelten die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert wider. Seine Helden seien «Menschen des Alltags und ihr Widerstand gegen Zwang und Unterdrückung». Sein Film «Spur der Steine» beispielsweise habe ein realistisches Bild des Lebens in der DDR gezeichnet und könne auch kommenden Generationen erzählen, welche Widersprüche das SED-Regime charakterisierten.
Der Schriftsteller Erich Loest sagte, Beyers Film «Jakob der Lügner» sei ein «ungewohntes Herangehen an einen fürchterlichen Stoff auf eine so intensive menschliche Weise» gewesen. «Dies zu Stande gebracht zu haben, ist für mich die größte filmische Leistung», betonte er. «Jakob der Lügner» schildert das Leben des Juden Jakob Heym in den letzten zwei Wochen vor der Räumung seines Ghettos.
Der Bundesverband Regie (BVR) würdigte Beyer als gradlinigen politischen Filmemacher. Er war «ein eigensinniger Künstler, der sich trotz der Drangsalierung durch die politische Führung der DDR nie angepasst hat und auch nach der Wende ein Nonkonformist blieb», hieß es. Beyer habe immer «das Spielerische des Spielfilmgenres mit dem politisch Ernsten zu einer Synthese verbinden» können.
Der 1932 im thüringischen Nobitz geborene Regisseur studierte in Prag und wurde vor allem mit seinen Defa-Filmen bekannt. «Die Spur der Steine» nach einem Roman von Erik Neutsch mit Manfred Krug in der Rolle des aufmüpfigen Zimmermanns Hannes Balla wurde 1966 nach wenigen Tagen verboten. Die Jurek-Becker-Verfilmung «Jakob der Lügner» (1975) wurde als einziger Defa-Film für den Oscar nominiert.
Zu seinen weiteren Werken zählen «Nackt unter Wölfen» und «Der Aufenthalt».
Beyer wurde 1967 mit einem Arbeitsverbot in Studios belegt und arbeitete auch für das Fernsehen und am Theater. Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 unterzeichnete er wie Manfred Krug eine Protestresolution und wurde aus der SED ausgeschlossen. Er blieb aber in der DDR und drehte später auch wieder Kinofilme. 1989 gelang ihm mit «Der Bruch» ein gesamtdeutscher Film mit Götz George, Rolf Hoppe und Otto Sander.
Nach der Wiedervereinigung wandte sich Beyer noch mehr dem Fernsehen zu. Er drehte den Mehrteiler «Nikolaikirche» nach dem Roman von Erich Loest über die Massendemonstrationen, die 1989 zum Untergang der DDR führten. 1997 folgte «Der Hauptmann von Köpenick» nach der Vorlage von Carl Zuckmayer mit Harald Juhnke in der Hauptrolle und ein Jahr später «Abgehauen» über den Weggang Manfred Krugs aus der DDR.
1991 wurde Beyer für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Filmband des Deutschen Filmpreises geehrt. Für «Abgehauen» erhielt er den Grimme-Preis. 2001 veröffentlichte er seine Autobiografie «Wenn der Wind sich dreht - Meine Filme, mein Leben».