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Plastik, Karbon und Kunststofftasten mit Holzkern: Beispiele für

Plastik, Karbon und Kunststofftasten mit Holzkern: Beispiele für 
 

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Kunst-Stoffe für Künstler

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Instrumentenbau im Plastikzeitalter – von der ummantelten Klaviertaste bis zum geprinteten Instrument
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„The times they are a-changing“ wie Bob Dylan in seinem berühmten Folk-Klassiker sang. Wobei permanenter Wandel fortwährender Bestandteil lebendiger, progressiver Musikkulturen ist, nicht nur in der den jeweils unbeständigen Moden und Trends unterworfenen Popkultur, sondern generell, was aber inzwischen nicht nur Stile mit und in ihren Epochen betrifft. Die Atemlosigkeit der Moderne drückt sich vor allem im Bereich des technologischen Wandels aus, denn es sind technologische Sprünge, die sich in den Stilen der populären Musik abbilden.

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Man kennt ihn inzwischen vom Stadtteilfest bis zum Bierzelt: den Laptop-Musiker, der via Computer Sounds und Songtexte abruft, bis hin zur KI ist die digitale Revolution in der Musikszene präsent – von der Live-Musik bis zur Musikproduktion, vor allem auch in Bühnenbildern, bei Light und Sound.

Doch nebenher, eher unbeachtet, vollzieht sich auf einem weiteren Feld des musikalischen Lebens ein gravierender Wandel, nämlich bei der Verwendung von Materialien im gesamten Instrumentalbereich. Der multikreative Genius Andy Warhol, der Popkultur als Reflektor einer alle Räder drehenden real existierenden Warenwirtschaft wahrnahm und von dort aus als unterhaltsame Banalität illustrierte, war weit voraus philosophierender Künstler und noch heute lassen sich von ihm immer wieder geistreiche Zitate ausgraben, die in ihrer Treffsicherheit kultischen Seltenheitswert erlangt haben: „Ich liebe Los Angeles. Ich liebe Hollywood. Sie sind toll. Jeder da ist aus Plastik, aber ich liebe Plastik. Ich will Plastik sein.“ – Unschwer zu erkennen, Plastik ist Metapher, steht nahe an verspielter „Künstlichkeit“ und ist dabei eher negativ eingefärbt, Plastik meint auch das Gegenteil von echt, authentisch oder bodenständig.

Allein schon die Eingabe des Begriffes „Kunststoffe“ bei Google führt zum Aufruf hunderter Einträge, welche sich von Mikroplastik am Meeresgrund bis zum klimafreundlichen Instrumentenbau abarbeiten. Zum Beispiel so: „Musikinstrumente aus Plastic galten anfangs als billige Alternative für Kinder und Anfänger“, schrieben unlängst noch die „nzz“-Kollegen aus der Schweiz, doch längst verschieben sich Kriterien dank neuer Angebote aus Plastik.

Profis gehen an die Carbon-Geige und das Kunststoff-Saxophon. Kein Wunder, denn Werkstoffe wie Karbon revolutionieren ganze Sektoren. Innovation und kreative Neugier stürzen sich daher aufs neue Material und seine Möglichkeiten.

Geräusch-Avantgardismus

Der amerikanische Cellist und Hobbysegler Luis Leguia war beeindruckt von den klanglichen Resonanzen des Wellenschlags gegen die Bootsplanken aus faserverstärkten Kunststoffen und so folgte er als Klassiker der Neugier diverser Pioniere der elektronischen Musik und ihrem Geräusch-Avantgardismus, wie etwa dem legendären Blue Chip Orchestra der beiden Österreicher Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader, welche maßgeblich durch Sampling-Technik die „computer­akustische“ Musik mit dem Computer Fairlight CMI auf den Weg brachten und daher bahnbrechend das 1982 erschienene Album „Erdenklang“ veröffentlichten. Der Klang eines Wassertropfens auf Wellblech konnte für orchestrale Klänge genutzt werden – so entstand nebenher auch gleich noch die „Ars Electronica“ in Linz, als seinerzeit bedeutendste Fachmesse der Welt für elektronische Musik. Aus der anderen Richtung kommt nun US-Cellist Leguia, der mit seinem Faible für Carbon synthetisches Material für die Musikwelt erschließen möchte. Leguia war noch Mitglied des Bostoner Sinfonieorchesters, wie es in seiner nachfolgenden Firmengeschichte erzählt wird, als er sich fragte, wie ein aus Carbon gefertigtes Cello wohl klingen würde. Damit war seine Geschäfts­idee in der Welt. Das daraufhin, nach ersten erfolgreich verlaufenen Experimenten von ihm gegründete Unternehmen Luis and Clark brachte schließlich das erste Carbon-Cello auf den Markt. Läuft! Und seit 2003 bietet die Firma auch Bratschen aus Carbon an, seit 2004 auch Violinen, seit 2007 den ersten Carbon-Kontrabass.

Wie verhält es sich bei Plastik & Haptik bei Tasteninstrumenten, fragten wir den Hamburger Dieter Debusmann, Musiker, Produzent und Dipl.-Ing. für analoge und digitale Signalverarbeitung, Hardware- und Softwareentwicklung von Audio- und Video-Kodier-Verfahren. Denn im nun heraufziehenden „Plastic Age“ war und ist im Bereich der Tasteninstrumente die Verwendung von Kunststoffen schon lange „state of the art“ bei Tastaturen. Debusmann weist darauf hin, dass mit dem Preis des Instrumentes auch die Qualität der verwendeten Kunststoffe und damit die Wertigkeit und Haptik der Tasten zunehme. Wobei die Tasten in der Regel vollständig aus Kunststoff sind oder der Kunststoff umhüllt, bei gewichteten Tastaturen, die der Haptik einer Klaviertastatur nahekommen, dann auch die Holztasten.

Und der Flügel?

Debusmann: „Am oberen Ende der Tas­tatur-Skala befinden sich Konzertflügel – hier ist der Holzanteil maximal und die sehr hochwertigen Kunststoffe werden allein zur Ummantelung des Holzes eingesetzt. Es handelt sich dabei um Kunststoffe, die Textur und Griffigkeit des ursprünglich hierfür verwendeten Elfenbeins oder Ebenholzes (beide bzgl. Artenschutz und Nachhaltigkeit hochproblematisch) nachahmen sollen und speziell für diesen Zweck entwickelt wurden.“ Und: „Diese teuren und hochwertigen Kunststoffe kommen den historischen Vorbildern sehr nahe, überzeugen auch Virtuosen und haben den Vorteil, sich kaum abzunutzen. Gleiches gilt für Kirchenorgeln. Ab einer bestimmten Preis-Schwelle nach unten jedoch kann man bei elektronischen Keyboards dann tatsächlich von Plastik-Tasten sprechen, deren klappernde Haptik sich billig und nicht inspirierend anfühlt. Selbst ein Laie erkennt und fühlt den Unterschied in Wertigkeit und Haptik deutlich.“

Plastik – Ein Fall für China! Inzwischen warten wir auf das erste komplette Plastik-Orchester, wenn man denn einen Blick in die Kataloge der Instrumentalanbieter schaut und dort nun Plastik ohne Ende findet. Naheliegend: Die kleinen Plättchen für den Gitarristen, auch Plektron genannt, bietet der ultragünstige Temu-Versand in großen Tüten mit schönsten Motiven in farbiger Pracht zum Bestellen an, es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier die Chinesen mit Plastikins­trumenten auf den Billigmarkt kommen. Alles Plastik? Mathias Loris, Leiter der Gitarrenabteilung des für Musiker paradiesischen „Rock Shop“-Musikalienkaufhauses in Karlsruhe, winkt ab, zumindest in einem Bereich des aktiven Musizierens scheint die Materialfrage geklärt zu sein.

Bekanntlich gibt es verschiedene Arten von Bottlenecks, die jeweils einen einzigartigen Klang und ein einzigartiges Gefühl beim legendären Slide-Sound beim Materialsurfen auf den Saiten bieten. Es gibt Glas-Bottlenecks aber auch Stahl, Messing oder aus Kupfer sowie Keramik-Bottlenecks, Kunststoffe spielen hier noch keine Rolle, denn, wie Profi Loris meint: „Das Gros der Gitarristen favorisiert den warmen weichen Glas-Sound, der deshalb weiterhin auch die Sounds der Gitarristen maßgeblich prägt.“

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