Alles, was Recht ist

Ferchows Fenstersturz 2021/02


(nmz) -
So, liebe Omis und Opis. Jetzt nicht emotional werden. 2021 bleibt noch weniger für die Enkel im Geldbeutel. Denn jedes Mal, wenn Sie Ihren Enkeln das Lindgren’sche „Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune“ vorsingen, reiben sich in Schweden ein paar Raffzähne (formerly known as Astrid Lindgrens Erben) die Hände.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Warum? Lindgrens Erben hatten zuletzt nicht genug „Smörrebröd, Smörrebröd röm töm töm töm“. Die deutsche Version des Pippi-LangstrumpfTitelsongs wollten sie gar verbieten. Was aus deutscher Sicht vor allem bildungspolitisch (Stichpunkt PISA) Sinn macht, denn „2 x 3 sind einfach 6“. Freilich gab es für den schwedischen Sonderweg, äh das Verbotsvorhaben, ein Hintertürchen.

Sie ahnen es. Würden die Erben am Gewinn der deutschen Liederschreiber beteiligt, könne man die deutsche Version durchaus weiterbenutzen. Tja, liebe Großeltern. Dann richten Sie mal lieber einen PayPal-Account ein und überweisen besser direkt nach Schweden. Denn das Urheberrecht, urteilte das Hamburger Landgericht im Dezember 2020, liegt bei den Schweden. Singen ist eben Silber und Rechte sind Gold, äh Geld.

Dachten sich auch Bob Dylan (79), Neil Young (75), Mick Fleetwood (73) und Shakira (43). Nebenbei. Kleiner Test aus dem Pop-Assessment-Center: „Welcher der vier Name passt nicht in die Reihe“? Na gut. In pandemisch schlechten Zeiten vergisst man eben selbst als Literaturnobelpreisträger schnell seine hehren Überzeugungen gegen Establishment und Kapitalismus. Die man sonst nur im Weihwasser-Trog sitzend erwähnte. Dylan, Young, Fleetwood und Shakira haben also das Tafelsilber verhökert. Sprich: die Rechte an ihren Songs verkauft. Dylan an Universal, Fleetwood an BMG, Young und Shakira machten ihren „cut“ mit der vertrauenswürdigen britischen Firma „Hipgnosis Songs Fund“.

Was bestenfalls an einen Heuschrecken-Fond erinnert. Deren Boss, Merck Mercuriadis, wird in einer Art „ad hoc Mitteilung“ wie folgt zitiert: „Shakira ist eine der ernsthaftesten und erfolgreichsten Songwriterinnen der letzten 25 Jahre“. Der Mann kennt sich eben aus. Was der Rechte-Ramsch für die Songs bedeutet? Keine Ahnung. Wahrscheinlich hören wir Dylan & Young bald auf der „Ronald Mc Donald‘s“-Playlist, auf dem „Best of OBI“-Soundtrack oder als Hintergrundmusik bei „Frauentausch“.

Wer weiß das schon. Börse kann ja jeder. Die Portfolios mit Immobilien, Bitcoins und verfaulenden Schweinehälften sind jedenfalls ausgelutscht. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten: Auch dieser Invest wird crashen. Aber ein von Angela Merkel („Popmusik ist für uns alle Neuland“) in letzter Amtshandlung aufgelegter Rettungsschirm für Popmusikrechte und ein von Bundeskanzler Markus Söder verordneter „Keine Popmusik im Umkreis von 15 km zwischen 21 und 5 Uhr“-Bann werden uns schon durch die nächste Krise schaukeln. Und irgendwo in Irland steht ein Sänger namens Bono vor der Börse in Dublin und rüttelt am Zaun …

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