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Beweglicher Freigeist: Der Cellist und Pädagoge Alexander Suleiman. Foto: Michael Scheiner
Beweglicher Freigeist: Der Cellist und Pädagoge Alexander Suleiman. Foto: Michael Scheiner
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Auf der Suche nach dem Unvorhergesehenen

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Los Angeles, Suzhou, Neuburg: der Cellist und Pädagoge Alexander Suleiman im Porträt
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„Er ist genau der Richtige für uns.“ Kathrin Jacobs, Kulturamtsleiterin in Neuburg an der Donau und damit Chefin der renommierten Sommerakademie, klingt euphorisch, wenn sie von ihrem neuen künstlerischen Leiter spricht. Der Cellist Alexander Suleiman leitet seit diesem Jahr die Sparte Klassik in der Nachfolge Herbert Wiedemanns. Suleiman hat bereits mehrfach als Dozent für Cello und Barockcello in Neuburg Kurse geleitet. Mit ihm wolle man die Sommerakademie „stärker international ausrichten“. Die Erwartungen sind wahrscheinlich keineswegs zu hochgesteckt, jettet der Ingolstädter doch seit vielen Jahren als musikalischer Nomade um den Erdball.

Bereits bei der letztjährigen Sommerakademie im August zählte Suleiman Studenten aus Kairo, Kolumbien, von den Philippinen und sogar einen strebsamen jungen Musiker aus den palästinensischen Autonomiegebieten zu seinem Kurs. „Mit meinen internationalen Beziehungen“, meint der extrovertierte Musiker, hole er noch mehr Hochbegabte in die Barockstadt. Bereits jetzt hätten sich einige seiner Studenten vom Dulwich College in Suzhou für die Sommerakademie 2015 angemeldet. Als „Artist in Residence“ unterrichtet Suleiman seit vergangenem Jahr an der Musikhochschule der ostchinesischen Millionenmetropole. Zudem steht seine Berufung als Professor am Konservatorium im nahe gelegenen Shanghai unmittelbar bevor, der „Juilliard School des Ostens“. Mehrfach hat der exzellente Cellist zudem Meisterkurse an sieben der zehn Musikhochschulen des Riesenreiches gegeben.

Zuvor hatte der in den Vereinigten Staaten geborene Musiker mit deutsch-libanesischen Wurzeln eine Professur an der hoch angesehenen University of Southern California (USC) in Los Angeles. Weil diese zugleich eine der „teuersten Schulen der Welt ist“ und „hochbegabte junge Musiker selbst über Stipendien keine Chancen auf einen Studienplatz“ haben, ist er einem Ruf nach China gefolgt. Dort würden keine Gebühren verlangt, mittellose Studenten bekämen bei Eignung einen Platz und „freies housing“. Besonders am Herzen liegen Suleiman, dessen Vater ein angesehener Ingenieur aus der „Schweiz des Ostens“ war, Nachwuchstalente aus dem Nahen Osten – Ägypten, Jordanien, Palästina und dem arabischen Raum.

Musikalisch ist er ein beweglicher Freigeist, der sich mit Vorliebe auf zeitgenössische Literatur stürzt, Grenzgänge zu anderen Genres und Sparten unternimmt und für den „Improvisation das Wichtigste am Musizieren“ ist. Das hat in seiner pädagogischen Arbeit an der Sommerakademie in Neuburg „oberste Priorität“. Die „Spontaneität eines guten Musikers sollte sich auf alle Bereiche erstrecken“, erläutert Suleiman eifrig, „auch bei vorgegebenem Notenmaterial“. Das Unvorhergesehene sei das, was letztlich jede Art von Aufführung „erst wirklich interessant macht“. Das vermittelt er auch seinen Studenten.
Dass er seine eigenen Vorgaben ernst nimmt und künstlerisch in der Praxis umsetzt, hat er letzten Sommer bei den „8. Hofer Konzerten“ in Nittenau eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während er ausdrucksstark und mit packender Emotionalität Bachs Suite G-Dur für Solocello spielte, interpretierte es die Tänzerin Sasipan Srivilailuck in traditioneller Thai-Tanz-Form kunstvoll und auf höchst eigenwillige, nämlich unerwartete Weise. Unkonventionell und eigensinnig sind auch die beiden Alben „Out of  the Blue“ mit dem „Trio Zero“ (Franz Hummel, Klavier, Corinne Chapelle, Violine) und „Atavistic Music“ mit dem jungen Hummel-Schüler Yojo beim Label „TyxArt“.

Was die Neuburger Sommerakademie betrifft, so schwebt Suleiman neben einer „verstärkten Internationalisierung“ und einer Öffnung der Sparten, um die Workshop-Studenten zu gemeinsamen Ideen zu bewegen, auch „ein Kammermusik-Marathon“ vor. Für Kulturamtsleiterin Jacobs liegt die „Zukunft der Kultur in der Interdisziplinarität“. Die Teilnehmer der Sommerakademie sollen sich „wenn möglich gegenseitig inspirieren“ und „Wege zwischen Disziplin und Freiheit“ finden.

Bei der 37. Sommerakademie wird man sehen, ob der „Virtuose von höchsten Graden“, wie der Komponist Franz Hummel den 44-jährigen Künstler lobt, mit seinen Ideen durchgekommen ist.

Zur Sommerakademie:

Die 37. Neuburger Sommerakademie findet vom 2. bis 15. August statt. Angeboten werden unter anderem Kurse mit Angela Cholakian (Klavier), Herbert Wiedemann (Klavierimprovisation), Tomoko Nishikawa und Heiko Stralendorff (Korrepetition Klassik), Bin Huang (Violine), Marco Thomas (Klarinette) und Alexander Suleiman (Violoncello). Weitere Kurse gibt es im Bereich Jazz, Alte Musik und Gospelchor. www.sommerakademie-neuburg.de

 

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