BILDbürgerstreich

Cluster (2013/2 - 1)


(nmz) -
Der neue Rundfunkbeitrag, der die alten Rundfunkgebühren seit Beginn des Jahres ablöst, hat Deutschlands Aufklärungsorgan Nummer 1 auf den Plan gerufen. Was bislang egal war, ist plötzlich Thema.
Ein Artikel von Martin Hufner

Verschwendung von Bürgerkohle prangert man an und denkt dabei nicht an die ganzen Quassel- und Quatschprogramme in Funk und Fernsehen sondern an die Orchester, BigBands und Chöre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wozu die ganzen Orchester, fragt die BILD? Und eine Umfrage soll angeblich bestätigen, dass nur 55 Prozent der Bürger deren Existenz überhaupt bekannt sei. Eigenen Umfragen zufolge halten umgekehrt immerhin 72 Prozent der BILD-Leser den „Chefredakteur“ der BILD-„Zeitung“, K. Dieckmann, für einen wenig schmackhaften Schaumkuss und von den restlichen 28 Prozent 90 Prozent für die Bundeskanzlerin oder umgekehrt. 

Was die BILD-„Zeitungs-“redaktion nicht ahnen konnte: Nach Veröffentlichung ihrer Klage über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wissen nun garantiert 180 Prozent aller Bürger dieses Landes, dass es diese ganzen wunderbaren Orchester, BigBands und Chöre tatsächlich gibt. Das nennt man einen echten BILDungsauftrag, dafür danke!

Musikrat und Co. haben sich gegen den Artikel der Bild-„Zeitung“ in offenen Briefen geäußert. Man beklagt darin die Art und Weise, wie und dass gegen kulturell bedeutende Einrichtungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewettert werde. Fehler – siehe oben! Die wirklichen Feinde sitzen nicht an den orwellschen Redaktionstischen der BILD-„Zeitung“, sondern im Rundfunk selbst. Denn dort setzt man durch, wozu die BILD-„Zeitung“ gar nicht in der Lage ist, den kostenbewussten Abbau von Qualität – so vorausgehorsamte etwa SWR-Intendant Peter Boudgoust und sein hochkompetenter Rundfunkrat mit seiner Klangkörpervernichtung den Willen der Boulevard-Tunke.

Ganz anders und voll nett dagegen ist die Reaktion der Chefredaktion der BILD-„Zeitung“: „Wir sind dankbar für jede Art des offenen Austauschs von Argumenten zu diesen Themen und hoffen, dass auf diese Weise der gesellschaftliche Dialog gefördert wird, durch den das Verständnis auf beiden Seiten wächst.“ 973 Millionen BILD-„Zeitungs“-Leser melden sich pflichtbewusst zum Diskurs – notfalls zum Dismurks.
  

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