Das Herz der ganzen Straße

Cluster 2018/12 - Gordon Kampe


(nmz) -
Wanderer/-innen, die ihr nie nach Essen – die Einkaufsstadt! – kommt, ihr verpasst etwas, gerade jetzt in der Adventszeit: den supertruper Klampfenmann. Er war immer schon da, und es ist nicht nachzuvollziehen, dass er nicht längst Teil des Stadtwappens ist. Er gehört zu Essen wie Rot-Weiß, Xaver (der Holsterhauser Hähnchenmann) oder die Folkwang Uni.
Ein Artikel von Gordon Kampe

Er sitzt jeden Tag in der Nähe des größten Schuhladens und singt mit gnadenloser Kampfklampfe zwei bis fünf Songs, in einer sehr eigenen Interpretation der englischen Sprache. Vielleicht ist es konkrete Poe-sie, vielleicht auch nicht. Man erkennt Bob Marley Titel wie „h-nn-h-noo-oo wumää h-no crai“ oder den Phil Collins-Knödelkracher „Uo uo, tinka twaiz, itsa itsa nassa däi inna Prrrdaiss“. Neulich machten sich Leute über ihn lustig. Ich hätte sie zur Strafe am liebsten bei RTL2 abgegeben oder im IKEA-Småland, mögen sie im Bällebad schmoren bis weit nach Ladenschluss! Er lässt sich aber nicht irritieren, zieht seine Lippen in die Höhe und singt voller Überzeugung: „Uo, tinka twaiz!“. (Diese Größe wünschte ich mir bei schlechter Kritik…)

Er ist, mein voller Ernst, das Herz der ganzen Straße. Warum erzähle ich Ihnen, verehrte Leser/-innen, davon? Weil ich sie brauche! Steigen Sie aus, denken sie nicht zweimal, Düsseldorf kann warten! Gehen Sie zum Klam-pfenmann. Euro in den Kasten, dann freuen Sie sich auf „Uh uh uo uooo“ und es wird Ihnen weihnachtlich ums Herz sein. Ich wohne nicht mehr da, ich werde ihn vermissen. Aber ich komme wieder, kommen Sie auch. Bis dann.