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Alle Artikel kategorisiert unter »Gordon Kampe«

Abklingbecken

20.10.17 (Gordon Kampe) -
Fünf Uraufführungen pro Konzert. Im Publikum links und rechts neben mir: Freunde und Kollegen. Sobald der Applaus anhebt, haben alle um mich herum ihr Urteil in der Regel gefällt: Daumen hoch, Daumen runter. Was habe ich in diesen Momenten selbst schon Kommentare abgelassen – irgendwo zwischen Häme, Neid und Klugscheißerei. Es waren nicht meine besten Momente. Da schreibt jemand ein Jahr an etwas – ganz sicher mit Herzblut! – und man nörgelt es innerhalb einer Sekunde zu Klump. Total mutig!

Knochenbrecher

10.09.17 (Gordon Kampe) -
Es gibt dieses wundervolle YouTube-Video des leider jüngst verstorbenen Georges Prêtre: Er probt mit dem RSO Stuttgart Debussys „Prélude“ und singt, tanzt, malt in die Luft. Er ist humorvoll, charmant – und vollkommen klar. Oder diese Claudio Abbado-Videos mit Mahler oder Debussy: Er streichelt den Klang und fordert immer wieder: „Hört!“ Ach, dachte ich bei mir: Gut, dass die Zeit der Pult-Autokraten vorbei ist … Viel lieber kaufe ich Platten, bei denen ich weiß, dass Klänge bei der Aufnahme respektvoll gestreichelt wurden. Und dann das: Kennen Sie noch Ernst Stavro Blofeld?

Klassik Echo

03.08.17 (Gordon Kampe) -
Wie man so abgehen könne, fragte mich mein Trainer. Er hatte mich er­wischt: Ich hörte Tschaikowskys Fünfte, Norrington dirigierte – und ich auch, allerdings im Auto auf dem Aldi-Parkplatz um die Ecke. Ich kann nicht anders, meine Ohren sind direkt mit meinem Bizeps verbunden, ohne Umwege über das Gehirn. Muss das bescheuert aussehen, wenn ich im Opel Einsätze für die Trompeten in Richtung Scheibenwischer winke und mich erschöpft vor der Zapfsäule an der Tankstelle verbeuge, die mir immerhin „super!“ zuruft.

Weitersagen

08.06.17 (Gordon Kampe) -
Bestimmt kennen Sie diese seltenen Momente, an denen irgendetwas geschieht, das Sie nicht recht verstehen oder deuten wollen. Da sitzt man da, runzelt die Stirn, macht große Augen, wird plötzlich angefasst, vielleicht sogar getroffen. Das kann eine Erkenntnis sein oder Musik – oder aber der alte Herr, den ich neulich im ICE-Bistro traf: Wie an 82 Prozent aller Tage trug ich ein Sakko und ein weißes Hemd. Neben mir lag lediglich eine Zeitung, ich tippte auf meinem Handy herum und hatte keine weiteren berufsmäßigen Attribute bei mir – kein Klavier, kein Mahler-Handbuch, keine Partitur, nicht einmal mein Schickimicki-Notizbuch.

Bremer Zwerge

12.04.17 (Gordon Kampe) -
„Autsch. Hier tut’s weh.“ – „Da können wir nicht helfen, unsere Ärzte sind in Rente.“ – „Das ist doch ein Krankenhaus?“ – „Ja, wir verkaufen jetzt Turnschuhe. Man muss sich weiterentwickeln.“ Was hier nach Mumpitz tönt, das geht als Argument im Kulturbereich offensichtlich ganz gut durch: Mit dem Fortgang verdienter Personen, werden Inhalte gleich mitpensioniert.

Abgehängt

09.03.17 (Gordon Kampe) -
Dies hier wird nicht lustig. Ich knüpfe an einen Text aus dem letzten Jahr an, in dem ich von einem Mädchen aus Afghanistan berichte, mit dem ich in einer Schule Musik gemacht hatte. Damit Rückschlüsse auf konkrete Menschen unmöglich sind, wartete ich mit der Fortsetzung und vermische zudem Schulen miteinander: Nie hatte ich einen Klassenraum nach getaner Arbeit so ernüchtert verlassen. Wie das alles die frohgemute Lehrerin jahrelang aushielt?

Blabla-Schwäche

17.02.17 (Gordon Kampe) -
Praktikant zu Kurator so: „Der Pianist will Ives spielen.“ – „Passt nicht.“ – „Er könnte auch die Grenzen der Gattung ausloten!“ – „Top. Sag ihm, er soll Ives spielen!“ Funktioniert eigentlich so das „Komponieren“ von Konzerten? Was habe ich gelacht, als ich neulich eine Pressemitteilung der „MaerzMusik“ las. Die haben Mumm!

Hingehen

22.12.16 (Gordon Kampe) -
Sorry, ich war nicht da. Anstrengende Woche: 24/7 – Du kennst das. Und dann kam ich nicht vom Sofa runter. War aber schön, ja? Erzähl mal. Lieber Gruß. – Wie oft ich derlei schon geschrieben habe. Ich mag aber manchmal wirklich nicht und ich war gestern erst in der Philharmonie. Und Familie hab’ ich auch und es gibt nun einmal zu viel.

Die Juhu-Brille

11.11.16 (Gordon Kampe) -
Gegen plötzliche Deadlines hilft nur „Courage“, die neue Antifaltencreme von Ratiopharm. Ist allerdings kein Kassenschlager, da ja eher die langen Planungsphasen überwiegen, die sich offensichtlich proportional zur durchschnittlichen Lebenserwartung ent­wickeln. Jetzt werden Stücke geschrieben, die in fünf Jahren schon peinliches Frühwerk sind. Ist alles irgendwie eine krude Mischung aus Antragsödnis, Institutionsdampfern, Fantasie-Deadlines und mehr – und es muss natürlich alles perfekt sein. Man kann sich ausrechnen, wie viele Opern noch zu schreiben sind, käme noch heute Abend ein gigantischer Auftrag und ginge es dann immer so weiter.

Boah-Ey!

09.10.16 (Gordon Kampe) -
Watt schön! Da klopfte das Herz des Lokalpatrioten: Siebzig Jahre NRW – was ein Fest! Die Kanzlerin war da, sogar der Queen ihr Enkel! Und was wurde er besungen, der Strukturwandel. Alles hat sich geändert in diesem wunderbaren Land, das den Gefahren der Zukunft trotzen wird wie nix. Und wie traditionsverbunden und dabei dennoch avant man ist, das zeigte sich selbstredend auch an der Musikauswahl, die die ganze Vielfalt des Landes im besten Licht präsentierte – Musik von B.A. Zimmermann wurde ges­pielt! Und Henze! Und Stockhausen! Und zwei Uraufführungen!
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