Der Klang der Steine

Wolfgang Lackerschmids neue CD mit Musik für Lithophone


(nmz) -
Klangsteine wurden bereits in prähistorischen Zeiten auf Sumatra, in Indien und China als Musikinstrumente benutzt. Heute fasziniert ihr Klang eine Reihe von Komponisten, unter anderem den Schweizer Ulrich Gasser und den Würzburger Klaus Hinrich Stahmer.
Ein Artikel von Franzpeter Messmer

Der Jazzmusiker und Komponist Wolfgang Lackerschmid stellt die Instrumente Gramorimba, Steinharfe und Steingong in den Mittelpunkt seiner neuen CD „compositions for melodic percussion“. Was den besonderen Klang von Steininstrumenten ausmacht, wird deutlich beim ersten und letzten Stück dieser CD. Dieselbe Komposition („Neue Reisen des Herkules“, 1. Satz) erklingt zuerst in der Fassung für das Trio aus Steininstrumenten und dann in der für Pauken und große Trommel. Gespielt von Pauken und Trommel wirkt die Musik romantisch dunkel; der Hörer hat die Assoziation von Militärmusik. Dagegen hat selbige Komposition von den Steininstrumenten vorgetragen eine zeitlose Objektivität, Klarheit, Helligkeit, allerdings verbunden mit einer gewissen Härte. Der Klang der Steine eröffnet eine Gefühlswelt, die über die menschliche Vergänglichkeit hinausweist.

Eine Wurzel von Lackerschmids Komponieren sind Fantasie und Improvisation. Bei der Auswahl seiner Stücke lässt er den Hörer teilhaben, wie er aus Improvisationen konzise Kompositionen entstehen lässt. So sind „Klanghalle“ für Gramorimba und „Schliessfolgerungen“ für Marimbaphon Liveaufnahmen von Improvisationen, in die auch Spontanes hineinfließt, insbesondere im letzteren Stück der Ausbruch von musikalischer Kreativität nach dem langen, coronabedingten Stillstand des Konzertlebens. Es ist dann aber sehr beeindruckend, wie Lackerschmid diese beiden Improvisationen in „What Bells Can Tell“ für Vibraphon zu einer streng strukturierten Komposition umformt.

Das längste Stück dieser CD ist „Steinklang – Geschichte einer Stadt“ für das Trio aus Gramorimba, Steinharfe und Steingong, das Lackerschmid 2009 dem römischen Museum Augs­burg widmete. Die Uraufführung dieses Werks wurde zum Ausgangspunkt für eine allsommerliche Konzertreihe, die es ermöglicht, nicht nur visuell in Augsburgs Geschichte einzudringen, sondern auch dem Klang der Steine zu lauschen. Doch Lakerschmid setzt den Steinklang nicht nur als Ausdrucksmittel für Zeitlosigkeit ein. Vielmehr gelingt es ihm auch, damit sehr lebendige und farbenreiche Musik zu komponieren, mit der er z. B. seinen Musikerkollegen Peri dos Santos augenzwinkernd charakterisiert. Sogar das zu den Steinen gegensätzliche Element, das Wasser, fängt er in „Hydronovia“ gleichsam in einer mikroskopischen Vergrößerung ein: man sieht die einzelnen Tropfen vor sich.

Diese CD lässt den Hörer über den faszinierenden und facettenreichen Klang der Steine erstaunen. Doch zugleich lädt sie zu einer inspirierenden Begegnung mit Neuer Musik und zum Genuss von lebendiger Jazzimprovisation ein.

CD-Tipp
Wolfgang Lackerschmid: compositions for melodic percussion for solo and trio; Schlag3, Wolfgang Lackerschmid; Bhakti Records 2022

Das könnte Sie auch interessieren: