Der verhinderte Schwan macht Furore

Impressionistisches und Romantisches für Violoncello und Klavier bei Henle


(nmz) -
Claude Debussy: Intermezzo und Scherzo, für Klavier und Violoncello +++ Gabriel Fauré: Sicilienne op. 78 für Violoncello und Klavier +++ Camille Saint-Saëns: Der Schwan, Fassung für Violoncello und Klavier +++ Camille Saint-Saëns: Sonate Nr. 1 c-Moll opus 32 für Violoncello und Klavier +++ Robert Schumann: Adagio und Allegro op. 70 für Klavier und Violoncello (urspr. Horn) +++ Robert Schumann: Fünf Stücke im Volkston Opus 102 für Klavier und Violoncello
Ein Artikel von Fritz Zumkley

Claude Debussy: Intermezzo und Scherzo, für Klavier und Violoncello, hrsg. von Ernst-Günter Heinemann. G. Henle Verlag, HN 945, ISMN 979-02018-0945-8

Die Stilepoche des musikalischen Impressionismus wird gemeinhin dem Zeitraum von ungefähr 1890 bis 1920 zugeordnet. Sowohl das Intermezzo (in c-Moll) wie auch das Scherzo (in D-Dur) stammen hingegen aus einer frühen Schaffensphase Debussys vor 1890, sind formal noch konventionell gehalten, weisen aber bereits die für Debussy typischen harmonischen Wendungen auf. Während die Entstehungszeit des Intermezzos, das Debussy nicht zur Veröffentlichung vorgesehen hatte, auf cirka 1880 geschätzt wird, lässt sich das Scherzo dem Vorwort zufolge auf 1882 datieren. Interessant ist vor allem die Editionsgeschichte des Intermezzos. Das Autograph gelangte um 1930 in den Besitz des Cellisten Gregor Piatigorsky, der es im Jahre 1944 beim Verlag Elkan-Vogel in Philadelphia erstmals veröffentlichte, versehen mit seinen Fingersätzen und Strichbezeichnungen. Nach Einspruch der Nachlassverwalterin Debussys musste diese Ausgabe zwar wieder aus dem Handel genommen werden, Piatigorsky widmete ein Exemplar aber seinem Schüler Jeffry Solow, das als Grundlage für die nun vorliegende Ausgabe diente. Die Ausgabe enthält neben einer unbezeichneten Stimme eine weitere mit den Fingersatz- und Strichbezeichnungen von Jeffrey Solow und wird abgerundet durch zahlreiche Anmerkungen zur Edition im Anhang.

Gabriel Fauré: Sicilienne op. 78 für Violoncello und Klavier, hrsg. von Cornelia Nöckel. G. Henle Verlag, HN 1019, ISMN 979-0-2018-1019-5

Im Jahre 1893 komponierte Fauré seine unter Cellisten auch heute noch sehr beliebte Sicilienne als Teil einer Bühnenmusik zu Molieres „Der Bürger als Edelmann“, die aber nicht zur Aufführung gelangte und daher zunächst unvollendet blieb. Fünf Jahre später nahm er das Stück wieder auf ließ es bei den Verlagen Metzler & Co in London und Hamelle in Paris als op. 78 veröffentlichen. Widmungsträger ist der britische Cellist und Komponist William Henry Squire. Die vorliegende Ausgabe enthält neben einer unbezeichneten eine zusätzliche, von David Geringas bezeichnete Cellostimme. Der Fingersatz der Klavierstimme stammt von Pascal Rogé.

Camille Saint-Saëns: Der Schwan, Fassung für Violoncello und Klavier, hrsg. von Frank Buchstein. G. Henle Verlag, HN 943, ISMN 979-02018-0943-4

Saint-Saëns’ „Le Cygne“, den meisten besser bekannt als „Der Schwan“ aus „Der Karneval der Tiere“ gehört sicherlich zu den populärsten Werken, die jemals für das Violoncello geschrieben wurden. Der vorliegenden Ausgabe hat der Herausgeber Frank Buchstein ein Vorwort vorangestellt, das einige recht erstaunliche Informationen zur Geschichte dieses Werkes enthält. Demzufolge war der gesamte Zyklus gedacht für das alljährliche Karnevalskonzert des Pariser Cellisten Charles-Joseph Lebouc (1822–1899). Die Premiere erfolgte am 9. März 1886 und wurde ein großer Erfolg. Die Resonanz auf den „Carneval“, ein Werk, das Saint-Saëns selbst quasi als humoristisch gemeinte kompositorische Fingerübung abtat, war indessen so überwältigend, dass der Komponist sich offenbar genötigt sah, ein striktes Veröffentlichungsverbot zu verhängen, fürchtete er doch, dass seine von ihm als weitaus bedeutender eingeschätzten Werke in den Schatten gedrängt würden. Im Jahre 1911 wurde dieser Wille sogar testamentarisch festgeschrieben, der „Carneval“ durfte erst postum veröffentlicht werden, was dann im Februar 1922 durch seinen Verleger Durand auch prompt geschah – keine drei Monate nach dem Tode Saint-Saëns’. Die originale Fassung sah ursprünglich eine Begleitung durch zwei Klaviere vor. Die zweite Klavierstimme ist in dieser Ausgabe enthalten und als Kleinstich unterhalb der ersten abgedruckt, weitere Abweichungen sind in Fußnoten kommentiert. 

Camille Saint-Saëns: Sonate Nr. 1 c-Moll opus 32 für Violoncello und Klavier, hrsg. von Peter Jost. G. Henle Verlag, GH 1057, ISMN 979-0-2018-1057-7

Camille Saint-Saëns komponierte um die Jahreswende 1872/73 mehrere Werke für Violoncello, die sich heute noch großer Beliebtheit erfreuen, darunter sein 1. Cello-Konzert op. 33 in a-Moll sowie das „Allegro appassionato“ in h-Moll op. 43. Angeregt wurde er zu diesen Werken durch befreundete Musiker, allesamt bekannte französische Cellisten seiner Zeit, mit denen er wiederholt auch öffentlich auftrat. Das dreisätzige Werk mit der Satzfolge Allegro – Andante Tranquillo sostenuto – Allegro moderato bewegt sich durchweg in den tiefen und mittleren Tonlagen des Cellos und weist einen für den Komponisten eher untypisch düsteren Charakter auf. Durch ihre packende Dramatik, die Art der Themenbildung und -verknüpfung und nicht zuletzt durch die „Schicksals“-Tonart c-Moll erinnert diese Sonate, dem Vorwort des Herausgebers Peter Jost zufolge, bisweilen an Werke Beethovens. Neben einer unbezeichneten Stimme enthält diese wertvolle Ausgabe eine zusätzliche, mit Strichen und Fingersätzen von David Geringas bezeichnete Stimme.

Robert Schumann: Adagio und Allegro op. 70 für Klavier und Violoncello (urspr. Horn), hrsg. von Ernst Herttrich. G. Henle Verlag, HN 1024, ISMN 979-0-2018-1024-9

Robert Schumanns 1849 erschienenes Werk in As-Dur für Klavier und Horn stellt bis heute eine hohe Herausforderung für Hornisten dar und gehört zu den wichtigsten Solostücken für dieses speziell auch von Schumann zu seiner Zeit so sehr favorisierte Instrument. Das Manuskript, das der Komponist im März 1849 dem Verlag Kistner in Leipzig zukommen ließ, enthielt bereits alternative Stimmen für Violoncello und Violine. Eine Ausgabe für diese Streichinstrumente war demnach von Schumann selbst vorgesehen und ging nicht etwa auf eine Idee des Verlegers zur möglichen Steigerung des Absatzes zurück. Die beiden Sätze 1. „Langsam, mit innigem Ausdruck“ und 2. „Rasch und feurig“ – „attaca“ aufeinanderfolgend – fordern auch dem Cellisten links wie rechts ein sehr hohes Maß an spieltechnisch fundierten Fertigkeiten ab. Die vorliegende Ausgabe enthält neben einer unbezeichneten Stimme eine von Sebastian Hess mit sehr nützlichen Bogenstrichen und Fingersätzen versehene zweite Stimme.  Der Klavierpart wurde von Klaus Schilde durchgesehen und mit Fingersätzen ausgestattet. Robert Schumanns „Adagio und Allegro“ wurde im Herbst 2005 auch vom Verlag Breitkopf & Härtel als Urtext-Ausgabe neu verlegt, der Herausgeber ist Joachim Draheim.

Robert Schumann: Fünf Stücke im Volkston Opus 102 für Klavier und Violoncello, hrsg. von Ernst Herttrich. G. Henle Verlag, HN 910, ISMN 979-02018-0910-6

Robert Schumann komponierte seine „Fünf Stücke im Volkston“ im April 1849, die Erstausgabe erschien im September 1851 beim Kasseler Verlag Carl Luckhardt als Opus 102. Bislang wurde immer ein Konzert mit Clara Schumann und dem Cellisten Friedrich Grützmacher am 6. Dezember 1859 im Leipziger Gewandhaus als erste öffentliche Aufführung angesehen. Die vorliegende Ausgabe enthält neben einer unbezeichneten Stimme für das Cello eine zweite, die von David Geringas mit Fingersätzen und Bogenstrichen versehen wurde. Der Klavierpart wurde von Klaus Schilde durchgesehen. Dem Herausgeber Ernst Herttrich sei gedankt für diese in jeder Hinsicht sehr sorgfältig erstellte Ausgabe.

  

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