Erfolgsgeschichte

20 Jahre Internationales Jazzinstitut Darmstadt


(nmz) -
Als vor zwanzig Jahren das Internationale Jazzinstitut in Darmstadt gegründet wurde, gab es europaweit keine vergleichbare Institution. Auch heute noch ist die Einrichtung, die sich nicht nur als wissenschaftliche Forschungsstelle und Archiv versteht, sondern auch als Ansprechpartner für Musiker/-innen und Interessierte, als Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis, als einmalig in ihrem Konzept. Dadurch hat sie auch eine wichtige Funktion in der bundespolitischen Lobbyarbeit bekommen und in der europaweiten Beratung von Fachinstitutionen.
Ein Artikel von Heike Lies

Die besondere Beziehung zur Praxis und die Vielfältigkeit des Angebotes –  auch für die Darmstädter Bürgerinnen und Bürger – von Wolfram Knauer, der das Jazzinstitut bereits seit seiner Gründung leitet, und seinen Kollegen Doris Schröder und Arndt Weidler spiegelte sich auch bei den Jubiläumsveranstaltungen wider: In der Galerie unterm Dach widmete sich die erste von mehreren geplanten Ausstellungen zum Thema Deutsche Jazzfotografen dem Werk Jörg Beckers, der seit Jahrzehnten in zahllosen Konzerten Momente von berückender musikalischer Intensität festhält. Im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut zeigte im ausverkauften „Jazztalk“ die generationenübergreifende Formation Rolf Kühn & Tri-O, zu welchen mitreißenden Ergebnissen die Verbindung von klassischen Jazzmelodien und wilder Improvisation führen kann.

Die Stadt Darmstadt hat den Mitarbeitern des Jazzinstitutes immer vertraut und sie selbst entscheiden lassen, wo sie die Arbeitsschwerpunkte setzen. Wenn man sich heute die umfangreichen Bestände des größten öffentlichen europäischen Jazzarchivs, die Wanderausstellungen und Publikationen, die regelmäßigen internationalen Jazzkonferenzen und Workshops und die vielfältigen Verbindungen innerhalb Deutschlands, Europas und nach Amerika anschaut sowie das Ansehen, das die Institution als vielseitige Anlaufstelle weltweit genießt, dann sieht man, dass dieses Vertrauen zu einem weitaus umfassenderen und nachhaltigeren Konzept der Institutsarbeit geführt hat, als jede bürokratische Vorgabe.

Am deutlichsten zeigt sich diese Stärke, wenn man Wolfram Knauer nach der Entwicklung befragt, die der Jazz in seinen Augen in den letzten zwanzig Jahren vollzogen hat. Zum einen haben europäische Jazzmusiker/-innen inzwischen auch europäische Vorbilder und nicht mehr nur amerikanische, da sich der europäische Jazz emanzipiert hat. Zum anderen, sagt er, „sind wir nicht die Jazzpolizei, die definiert, was Jazz ist, sondern führen den ästhetischen Diskurs“. Und ein Institut, das auf die Wandlung und Weiterentwicklung einer lebendigen Musik in seiner Arbeit reagieren und diese neugierig begleiten kann, anstatt sich nur archivarisch der Vergangenheit zu widmen, bleibt sicherlich noch mehr als weitere zwanzig Jahre lebendig.
Herzlichen Glückwunsch zur zwanzigjährigen Erfolgsgeschichte!

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