Finem lauda

Juan Martin Koch über Hochschule und Politik in Baden-Württemberg


(nmz) -
„Erst wird viel Lärm von allem, was aus Conservatorien hervorgeht, gemacht und hernach was ganz Gewöhnliches daraus. Es ist ja was völlig verschiedenes, lernen und das Erlernte anwenden.“ Hermann Hirschbach, ein Mitarbeiter Robert Schumanns bei der Neuen Zeitschrift für Musik, machte sich anlässlich der von ihm prinzipiell begrüßten Gründung des Leipziger Konservatoriums 1843 so seine Gedanken „ueber musikalische Lehranstalten“ und über deren Absolventen.
Ein Artikel von Juan Martin Koch

Eigentlich erstaunlich, dass dieses saftige Zitat vor zweieinhalb Jahren nicht hervorgekramt wurde. Da hatte es die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer auf die fünf Musikhochschulen des Landes abgesehen. „Über den Bedarf hinaus“ werde da ausgebildet, mithin seien die Musikhochschulen Trossingen und Mannheim zu weiten Teilen entbehrlich, verkündete diese und reagierte auf eine „beratende Äußerung“ des Landesrechnungshofes mit einem beispiellosen Sparplan – Modell Planierraupe.

Ebenso beispiellos war daraufhin zum Glück nicht nur die Entzweiung innerhalb der Landesrektorenkonferenz (siehe nmz 09/2013), sondern auch der weit über musikinterne Kreise hinausgehende Protest, und siehe da: Nach einem Machtwort ihres Chefs ruderte die Ministerin zurück und leitete einen Diskussionsprozess ein, an dessen Ende nun eine halbwegs stabile Finanzierung und die Entscheidung über fünf „Landeszentren“ steht (Details und Reaktionen sind im beiliegenden nmz-Hochschulmagazin nachzulesen).

Ende gut, alles gut? „Finem lauda“, mag man mit Mozarts Don Alfonso einwenden. Noch ist nicht abzusehen, welche Auswirkungen die wenig überraschenden, aber manche fächerübergreifende Impulse verheißenden Landeszentren hochschulintern haben werden. Auch muss sich erst herausstellen, was die wiederentdeckte Harmonie unter den Standorten wert ist, wenn es künftig darum geht, sich bei Umwidmungen zugunsten einer langfristigen Finanzierung der Landeszentren untereinander abzusprechen.

Weitere Baustellen ergeben sich durch den angeordneten Studienplatzabbau und durch die erfreuliche Haushaltsaufstockung in Sachen Lehraufträge, deren Ausgestaltung an den einzelnen Standorten aber noch Fragen aufwirft. Wirklich bedauerlich ist aber vor allem eines: dass angesichts des unsinnigen, destruktiven Vorpreschens einer ehrgeizigen Politikerin zu Beginn ihrer Amtszeit kaum mehr als Schadensbegrenzung möglich war und dass die Chance, die Musikausbildung eines Bundeslandes unter inhaltlichen, nicht finanziellen Kriterien grundsätzlich neu zu denken, dadurch verbaut wurde.

Man wird außerdem den Verdacht nicht los, dass die Ministerin bei dem letztlich in großer Eile abgewickelten Verfahren in Sachen Landeszentren vor allem den Wahltermin im März im Blick hatte. In freier Abwandlung des lapidaren Satzes, mit dem Hermann Hirschbach in der von ihm gegründeten Deutschen Schachzeitung 1847 seine Variante im Evans-Gambit präsentiert hatte: „Mit diesem Zug wird Grün wohl im Vor­theil bleiben.“

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