Gründerväter von Jeunesses Musicales: Die Macher der ersten Stunde

Eckart Rohlfs


(nmz) -
„Es war kurz vor Silvester des Jahres 1950. Der Autor dieser Zeilen – damals 20 Jahre alt – war dabei, als in Bayreuth in einem Hotel-Nebenzimmer einige Dutzend junge und nicht mehr ganz junge Leute aus verschiedenen Teilen Deutschlands zusammengekommen waren. Anlass des Treffens war die offizielle Gründung einer Jeunesses Musicales (JM) auch in Deutschland, jener jungen Vereinigung, wie sie in Belgien und Frankreich bereits während der deutschen Besatzung – quasi als eine geistig-kulturelle Widerstandsbewegung – initiativ wurde, sich für Musik engagierte und Konzerte und Konzertbesuche für Schüler organisierte.(...) Was in anderen Ländern wie Holland, Luxemburg, der Schweiz und Öster­reich möglich war, nämlich eine junge aufgeschlossene Hörerschaft zu gewinnen, sollte auch in Deutschland verwirklicht werden.“ Eckart Rohlfs, aus: J.A. Riedl und die Jeunesses Musicales, Klang in Aktion – Josef Anton Riedl“, CB Verlag 2012 Das junge Netzwerk brauchte auch ein Kommunikationsmedium und so entstand fast gleichzeitig mit dem jugendbewegten Musikverband die Zeitschrift im Zeitungsformat „Musikalische Jugend“ als Vorläufer der neuen musikzeitung. Dieses Jahr blickt die Jeunesses Musicales auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück und die nmz hat ihren 70. Jahrgang erreicht. So lag die Idee nahe, eine von Redaktion und Verband gemeinsam konzipierte Ausgabe der nmz zu gestalten. Unterschiedliche Artikel in fast allen unseren Rubriken zeigen, dass dabei keine Festschrift entstanden ist, sondern dass die Impulse der Gründerjahre heute noch wirksam sind. Auf den beiden folgenden Seiten stellen wir exemplarisch für die damalige Gründergeneration einige der Macher der ersten Stunde vor, vereint entweder durch ihr Engagement für die JMD, die nmz oder für beide: Eckart Rohlfs, Bernhard Bosse, Fritz Büchtger, Klaus Hashagen, Klaus Bernbacher und Josef Anton Riedl.
Ein Artikel von Andreas Kolb

Betritt man ein Büro von Eckhart Rohlfs – egal ob heute in seinem Haus in Gräfelfing oder in früheren Münchener Tagen in der Hirschgartenallee, der Obermenzinger oder der Trimburgstraße –, dann prägte sich das Bild vom Redakteur und Manager, der – scheinbar verschwindend zwischen Türmen von Manuskripten, weltweiten Wettbewerbsankündigungen, Büchern und natürlich nmzetten – über Jahrzehnte Herz und Gründerkopf einiger bemerkenswerter Musik-Institutionen war. Es gelang ihm stets, aus diesen Stapeln zielgenau das richtige, gerade benötigte Blatt Papier zu ziehen und es einem in die Hand zu drücken. Doch Rohlfs war weit davon entfernt, ein aus der Zeit gefallener Archivarius zu sein – stets war seine EDV auf dem neuesten Stand und war Garant für sein effektives Wirken in der Szene. Für uns jüngere nmz-Redakteure war Rohlfs das personifizierte kulturpolitische Gedächtnis der nmz: Wenn auf Redaktionskonferenzen engagiert diskutiert, neue Ideen gesponnen, Themen kreiert und Standpunkte vertreten wurden, dann geschah es oft, dass Rohlfs, nachdem sich die Wogen etwas geglättet hatten, leise aber bestimmt sagte: „Ach übrigens, im Jahr 1978 gab es doch damals bereits diese Initiative des Städtetags …“ und es beschlich den Jüngeren das Gefühl, dass alles schon mal da gewesen war und man sich die Geschichte nicht progressiv, sondern als  Kreislauf vorstellen muss. Praktisch hieß das für uns, aus der Geschichte zu lernen. Nicht zufällig ist Rohlfs der Erfinder der Kolumne „Vor 100 Jahren – vor fünfzig Jahren“. Jetzt ist das Stichwort „Erfinder“ gefallen. Was hat er nicht alles erfunden beziehungsweise mitgegründet: die deutsche Sektion der JMD, die nmz, Jugend musiziert, den Musikalmanach.

Einen informativen und dabei sehr persönlichen Rückblick auf das Leben und Wirken von Eckart Rohlfs verschafft ein Auszug aus einer Rede von Barbara Haack anlässlich des 90. Geburtstags unseres Gründers im Kammermusiksaal des Münchener Gasteig im Januar 2020: „‚Und unser 90 waren wir in Genf‘: Der Satz klingt etwas verstaubt. Aber er genießt in der Redaktion der nmz so etwas wie Kult-Status. Es ist die Überschrift zum Leitartikel in der ersten Ausgabe der Zeitung im Jahr 1952, und er berichtet über den siebten Weltkongress der Jeunesses Musicales in Genf. Der Artikel zeigt sehr schön, wie eng diese beiden Institutionen, für die ich heute hier stehe und Dir, lieber Eckart, zu Deinem runden Geburtstag gratulieren darf – schon in ihren Anfängen miteinander verbunden waren – und es bis heute sind: Die Jeunesses Musicales und die neue musikzeitung. (…)

Beide, Jeunesses und nmz, haben eine wichtige Rolle in Deinem Leben gespielt. Umgekehrt stimmt der Satz genauso: Du warst – über Jahrzehnte – eine zentrale Figur in beiden Institutionen. Als Generalsekretär der Jeunesses bis 1971: In diese Zeit fielen unter anderem die Gründung eines der Herzstücke des Verbands, die Arbeitsgemeinschaft Jugendorchester und die Verwandlung einer Stätte für Sommerkurse in eine ganzjährige Akademie. Später warst du dann interessierter Begleiter und nicht zuletzt historisches Gedächtnis der Jeunesses.Und noch bis vor etwa einem Jahr warst Du Teil der nmz-Redaktion – mit immer neuen Ideen – oft jugendlicher als wir – und ein „kritischer Freund“, der gerne auch seinen Finger in Wunden legte. Aber bevor Du dies alles warst, mussten diese Institutionen erst einmal gegründet werden. Und dabei ist Deine Rolle nicht hoch genug zu schätzen. (…)

Solche hartnäckigen Visionäre wie Dich brauchen wir heute genauso dringend wie vor 70 Jahren. Dein Engagement, Deine Überzeugung, Deine „Nimmermüdigkeit“ können als Vorbild dienen. Du hast dazu beigetragen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Für all das sagen wir: Danke!“ 

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