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Zeichen der Zeit - Du bist nicht allein, Limp Bizkit - Behind Blue Eyes


(nmz) -
Ein Artikel von Stefan Raulf

Es hat sich etwas getan auf dem Gutmensch-Sektor. Nicht dass das Lied, im Wesentlichen geschrieben von den Mannheimern Xavier Naidoo und Mischa Marin, nicht ein weiterer Beweis für die Untiefen des Kitschbrunnens ist, aus dem die deutschen Souler und Möchtegern-Souler schöpfen. Doch es ist immerhin sorgfältig und international kompatibel produziert. Es herrscht ein warmer, seliger Grundton, das Motiv der Gitarre und die sanft stockenden Beats finden schnell zusammen, das melodische Thema des Refrains bleibt schlicht, aber kuschelig. Um Abwechslung muss sich ja niemand kümmern, wenn zehn verschiedene Stimmen singen und zudem ein Rap den C-Teil ersetzt. Nur am Ende wird es wie üblich bei so einem Masseneinsatz etwas eng im Sound-Panorama, weil alle noch ihre letzten Koloraturen unterbringen wollen. Wäre da nicht das biedere Video im Design des modernen Digitaltrick-TV-Trailer-Stils samt großer Kinderaugen.

Limp Bizkit: Behind Blue Eyes

Videoclips sind Werbung, logisch. Und Hollywood profitiert davon, dass Leute wie Limp Bizkit-Sänger Fred Durst eher geiler Star sein wollen als guter Musiker. Wenn also die Produzenten des neuen Films mit Halle Berry schon ahnten, dass der eher misslungen ist (und „Gothika“ ist tatsächlich superdämlich), wird im Vorfeld ein halbwegs spektakulärer Clip lanciert. Spektakulär deshalb, weil Vorzeige-Rüpel Durst immerhin mit der Oscar-Preisträgerin knutschen darf in den Kulissen des Films. Das musikalische Material, ein alte Ballade von The Who, bleibt da eher nebensächlich – außer der Tatsache, dass die Nu-Metaller Limp Bizkit nun halt auch mal einen Balladenhit haben. Bei dem man, soviel doch dazu, dermaßen viel Effekt auf der Gesangsspur hört, dass zu ahnen ist, welch liebe Müh Durst bei der Aufnahme mit den langgezogenen Tönen hatte.

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