JuMu 57.1?

Theo Geißler über das Zusammenspiel von Update und Qualität bei Jugend musiziert


(nmz) -
Es begab sich während des zweiten Preisträgerkonzertes des 56. Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ in Halle/Saale. Das Zuspielprogramm mit dem Info-Text für den Beamer, der die Bühnen-Leinwand bespielte, machte sich selbstständig. „Wir haben ein Update für Sie“ – hieß es dort plötzlich. „Sollen wir es ausführen?“ Es dauerte eine Weile, bis der Negativbescheid eingegeben war. Dennoch wirkte der Aufruf wie ein ausnahmsweise mal konstruktives Menetekel.
Ein Artikel von Theo Geißler

Zugegebenermaßen hat der Autor dieser Zeilen nur zwei der drei Preisträgerkonzerte gehört. Beide hätten von der Programmauswahl wie von der Präsentation her ein kräftiges Update verdient gehabt. Statt des inhaltlich kommentarlosen Abspulens eines etwas überkommen wirkenden Konzertrituals – samt bekannten Dankes-Floskeln – wäre eine informativ-dynamische Moderation und Präsentation durchaus nicht nur erster oder bereits bekannter Preisträger sehr erfrischend gewesen.

Aber halt – stop. Es gibt keinen wirklich gravierenden Grund, an der wahrscheinlich wichtigsten breitenwirksamen Nachwuchs-Bildungsmaßnahme des deutschen Musiklebens rumzumäkeln. Unterwürfe man sich dem Druck digitaler Innovations-Durchnummerierung, läge man bei „Jugend musiziert“ schon längst im dreistelligen Bereich. Dabei handelt es sich nur sehr selten um „Bug-Fixes“, sondern um qualitative, aus verantwortungsbewussten pädagogischen Überlegungen generierte Entwicklungsschübe. Herausgehoben seien die Aufwertung des Ensemblespiels, die konsequente Erweiterung des Instrumenten-Kataloges oder das Einbeziehen des Musical- und des Rock- und Pop-Repertoires. Gelobt seien die oft kontroversen aber stets ergebnisträchtigen Diskussionen der weitestgehend ehrenamtlich engagierten Pädagog/-innen und des Instrumental-Fachpersonals höchster Kompetenz in Beratungsgremien und Jurys.

Etwas nachdenklich stimmt, dass die Zahl der Teilnehmer an der „Basis“, also bei den Regionalwettbewerben abnimmt, hingegen die Weiterleitungen über den Landes- bis zum Bundeswettbewerb zunehmen. Letzteres bei insgesamt steigender Qualität. Dennoch täte es den Regional- und etlichen Landeswettbewerben sehr gut, wenn sie aus dem Schatten ungemütlicher Wertungsstätten und doch etwas liebloser örtlicher Abwicklung – die Öffentlichkeitsarbeit eingeschlossen – mutig und fröhlich hervorträten. Ein wenig mehr spielerischer Fest-Charakter hebt die Motivation der Teilnehmer/-innen, die Reputation der Jurys, die Besucherzahl der Wertungsstätten. Etliches kann man da von anderen Veranstaltern lernen, die damit auch eine intensivere Akzeptanz ihrer „Acts“ erreichen. Das umfasst lokale Pop-Contests bis hin zu Erfolgsmodellen wie „Leipzig liest“ oder „Jugend forscht“. Jedenfalls wäre mit solchen, auch medial förderlichen Maßnahmen und Veranstaltungen ein Desiderat ansatzweise zu erfüllen, das seit dem Start von „Jugend musiziert“, überdeckt durch gutgemeinte, oft schöngefärbte Ansprachen von Bürgermeistern bis Bundespräsidenten, besteht: Die nicht nur kulturpolitische, sondern gesamtgesellschaftlich betrachtet positiv formende Bedeutung qualitätvollen Musizierens für unser Land. Willkommen bei „Freiburg musiziert“, dem Festplatz für „Jugend musiziert“ 2020.

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