Kolumne

Neue Wertschätzung


(nmz) -
„Feiern wir die Musik“ überschreibt die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn ihr Grußwort zur Beilage der Frankfurter Musikmesse in der Märzausgabe der neuen musikzeitung. Keinen Monat später gibt es nichts mehr zu feiern.
Ein Artikel von Edmund Wächter

Die Musikmesse, nach 40 Jahren leicht renovierungsbedürftiges Drehkreuz der internationalen Musikszene: abgesagt wie alle Groß- und inzwischen auch Kleinveranstaltungen.

Musikalisch läuft nichts mehr: Opernhäuser sind ebenso geschlossen wie Jazzclubs. Festivals, Konzerte, Kirchenmusik, Wettbewerbe, Kurse fallen aus oder werden verlegt (auf wann?). Bildungseinrichtungen, darunter Musikschulen und Musikhochschulen, haben ihren Betrieb eingestellt. Dass ein kleines Virus sich binnen eines Vierteljahres in unseren Alltag frisst und damit die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft aufzeigt, dass eine Gesundheitskrise zur Bildungs- und Kulturkrise wird und gleichzeitig zur Sozialkrise, von der Wirtschaftskrise ganz zu schweigen, dass es ein „Weiter so“ plötzlich nicht mehr gibt… Wer hätte sich das noch vor kurzem vorstellen können/ wollen?

Diese Krisen betreffen uns alle in den Musikberufen. Insbesondere die freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen erleiden unmittelbare Verdienstausfälle. Muggen und Orchesteraushilfen brechen weg, Performern aller Stilrichtungen sind die Auftritte gecancelt. Komponistinnen und Komponisten werden die Absagen bei Kompositionshonoraren, Verlagstantiemen und GEMA-Abrechnungen spüren. Lehrbeauftragte, selbständige oder auf Honorarbasis beschäftigte Lehrkräfte haben kein Anrecht auf Honorarfortzahlung. Immerhin werden bereits kreative Möglichkeiten des Onlineunterrichts erprobt – allein um die Schülerinnen und Schüler bei der Stange zu halten. Gerade jetzt, wo endlich Zeit zum Üben ist!

Schnelle und unbürokratische Hilfen und Ausfallsentschädigung sind versprochen und werden teilweise bereits gewährt. Stets aktualisierte Links dazu finden Sie auf www.dtkv.net/org. Nützen Sie im Bedarfsfall diese Angebote und geben Sie uns, wenn möglich, Feedback. Bleiben Sie gesund und überstehen Sie die die Zeit so unbeschadet wie möglich! Vielleicht spürt die Gesellschaft in der Krise, was ihr an Kultur fehlt und bringt, wenn wieder Normalität eingetreten ist, einem Live-Musik-Erlebnis oder dem lebendigen Musikunterricht eine völlig neue Wertschätzung entgegen.

Edmund Wächter, Präsidiumsmitglied DTKV

 

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