Kolumne

Sondieren oder sortieren?


(nmz) -
Wenn Sie diese Kolumne lesen, haben wir vielleicht schon eine neue Bundesregierung, vielleicht auch nicht. Immerhin hat es letztes Mal nach der Bundestagswahl ein halbes Jahr gedauert, bis die neue Bundesregierung stand.
Ein Artikel von Andrea Fink

Also warum so eilig. Dann haben wir noch ein bisschen mehr Zeit, die teilweise unglaublichen Wortspielereien und Phrasenbildungen aufzunehmen, die wir derzeit zu hören bekommen.

Es fängt mit der Frage an: Sondiert ihr schon – oder sortiert ihr euch noch? Die Feinheiten zwischen den verschiedenen Stufen taktischer Annäherung muss man erst einmal verstehen. „Sondieren“ heißt, dass man überhaupt erst einmal schaut, was passen könnte. Und „Sortieren“ heißt, dass man im Grunde nach dem richtigen Partner Ausschau hält. Wenn wir nun über das Sortieren hinausgehen und im Sondierungsprozess angelangt sind, kommen so typische Sätze wie: „Wir haben bei konstruktiven Gesprächen festgestellt“, „wir haben gemeinsame Schnittmengen“, „wir müssen uns großen Herausforderungen stellen“, „am Anfang geht es darum, Brücken zu bauen“ – die Lis­te ist lang und wird nicht besser. Für mich haben diese Sätze eine Aussage wie: „Orkel, dorkel, dackel, du, mene mu“. Dieses Wortspiel spiele ich mit großem Spaß mit meinen Enkeln und wir verstehen uns dabei sicher besser als sämtliche Sondierungs-Gesprächspartner. Besonders schön ist auch: „Jetzt befinden wir uns in der Zeit der Kompromisse“. Das Wort Kompromiss kommt vom lateinischen „compromittere“ und bedeutet übereinkommen. Warum dann Christian Lindner sagt: „Ziel ist es jetzt, nach gemeinsamem Grund zu suchen“? Keine Ahnung. Ich schlage vor, wir setzen uns bilateral zusammen und suchen mit Christian Lindner multilateral den „Grund“, den er sucht.

Einfacher wäre es dann aber unseren Workshop Medienkompetenz mit Dorothee Binding im kommenden Jahr zu besuchen, dann verstehen wir vielleicht endlich die Sprache unserer Politiker*innen beziehungsweise können diese sogar entsprechend anwenden. Apropos Sprache: Ute Ziemer greift in einem Workshop 2022 das wichtige Thema „Meine Stimme – mein Kapital“ auf und schon bin ich mitten in unserem Fortbildungsprogramm 2022. Wir haben intensiv und diskret multilateral beraten und kamen überein, dass es für uns keine Zeit der Kompromisse geben wird, sondern dass wir die Herausforderung von Präsenz- und Online-Veranstaltungen annehmen und Ihnen ein möglichst vielfältiges, buntes Programm mit vielen gemeinsamen Schnittmengen anbieten. Die Sortierung und die Sondierung sind abgeschlossen und das Programm wird sukzessive auf der Website eingestellt – schauen Sie einfach mal, ob etwas für Sie dabei ist.

 

 

 

 

 

 

 

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