La dolce musica nuova

Uraufführungen 2010/07


(nmz) -
Die schönste Jahreszeit lockt mit Urlaub, süßem Nichtstun, Sonnenbaden, Fußballgucken, Lesen, Segeln, Wandern, Eisessen, Biergartenhocken … Wer dächte da an Neue Musik? Ist diese nicht etwas für trüben Winter? Was sollte sie uns an lauen Sommerabenden?
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Tatsächlich spielt Neue Musik jedoch längst eine präsente Rolle im vielstimmigen Konzert der leichten Sommerverlockungen. Sie ist längst Bestandteil gehobener Lebensart für all diejenigen, die sich nicht mit dem Gängigen, Gewöhnlichen allzu nahe liegender Vergnügungen zufrieden geben, sondern während der Wochen der Ruhe und freien Zeit das Andere, Ungewohnte, Neue suchen. Und Gelegenheit, dies zu finden, gibt es reichlich. Denn Sommerzeit ist Festival-Zeit.

Land auf, Land ab laden große und kleine, renommierte und neue Musikfeste zu Konzerten, auch mit Uraufführungen. So ist am 4. Juli im Kreuzganggarten des Klosters Maulbronn Michael Denhoffs Musik mit Guillaume Appolinaire „Le Jardin de ma Mémoire“ op. 108 für Vokalquintett und Saxophonquartett erstmals zu hören. Am 10. Juli gelangen in Bad Kissingen Alexander Munos „Eichendorff-Lieder“ und am 23. Juli im Rahmen des Literatursommers Baden-Württemberg Cornelius Schwehrs musikalische Gedanken zum 250. Geburtstag des alemannischen Dichters Johann Peter Hebel zur Uraufführung. Die Salzburger Festspiele bringen am 27. Juli die Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper „Dionysos“ in der Inszenierung von Pierre Audi und Bühnenbildern des Malers Jonathan Meese, gefolgt am 10. August von Jörg Widmanns „Intermezzi“ für Klavier, die im Großen Saal der Stiftung Mozarteum Starpianist András Schiff spielen wird. Weniger zum Feiern denn zum Lernen und Diskutieren dienen die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, die unter neuer Leitung von Thomas Schäfer vom 17. bis zum 31. Juli zum 45. Mal stattfinden und in circa zwanzig Konzerten auch Uraufführungen von Kursteilnehmern bieten. Neu im festlichen Reigen ist das Arcana Festival im steiermärkischen St. Gallen, dessen erste Ausgabe vom 28. Juli bis zum 8. August Uraufführungen von Eun-Hwa Cho, Johannes Maria Staud, Bernhard Gander und Hanspeter Kyburz bereichern. Die Bregenzer Festspiele bringen am 5. August auf ihrer Werkstattbühne die Weltpremiere der Kammeroper „Jacob’s Room“ von Morton Subotnick. Und das Rheingau Musik Festival bietet am 16. August im Fürst-von-Metternich-Saal des Schlosses Johannisberg bei Geisenheim die Uraufführung von Toshio Hosokawas „Für Walter“ für Saxophon und Klavier.

Zur Eröffnung der RuhrTriennale geht am 20. August erstmals Samir Odeh-Tamimis Oper „Leila und Madschnun“ auf ein Libretto von Albert Ostermaier nach einer Erzählung des altpersischen Dichters Nizami in der Inszenierung von Willy Decker über die Bühne. Das „AlpenKLASSIK Festival“ in Bad Reichenhall schließlich lädt vom 19. bis 29. August zu einem Stelldichein hochkarätiger Pianisten, Pierre-Laurent Aimard, Tamara Stefanovich, Florent Boffard und Dénes Várjon, sowie gleich vier verschiedener Quartettformationen: Emerson-, Kuss-, Pacifica- und Zemlinsky-Quartett. Im Theater im Kurgastzentrum ist am 23. August die Uraufführung eines Orchesterstücks der Wolfgang Rihm-Schülerin Birke Bertelsmeier mit der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Thomas J. Mandl zu erleben.

Weitere Uraufführungen:

  • 9.7.: Richard Barrett, if, Liza Lim, Pearl, Ochre, Hair String, und Minas Borboudakis, Neues Orchesterwerk, musica viva im Herkulessaal der Residenz München
  • 22.8.: Johannes Maria Staud, Tondo – Preludio für Orchester, Semperoper Dresden

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