Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Rainer Nonnenmann«

Fixstern Beethoven

31.08.18 (Rainer Nonnenmann) -
Bund, Land NRW, Rhein-Sieg-Kreis und Stadt Bonn gründeten 2016 die „Beet­hoven Jubiläums Gesellschaft“, um unter der etwas verkrüppelt klingenden Dachmarke „BTHVN2020“ das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 „als nationales Ereignis mit internationaler Strahlkraft in regionaler Verankerung zu gestalten, zu fördern, zu koordinieren und zu verantworten“. Während man bislang jedoch überwiegend Ankündigungslyrik, Ausschreibungen, Finanzierungsmöglichkeiten, Kooperationen, Posten und Pöstchen schuf, stemmt schon seit 2013 die Bonner Pianistin Susanne Kessel nahezu im Alleingang das internationale Kompositionsprojekt „250 piano pieces for Beethoven“.

Stets sollst du dich befragen!

03.07.18 (Rainer Nonnenmann) -
Die Spielzeit war lange und reich, mal aufregend, mal lau. Nun neigt sie sich dem Ende zu. Und in sanftem Übergang zu Sommerpause und quirligen Musikfestivals sind hier wie dort Novitäten zu erleben. Die Staatsoper Stuttgart präsentiert nach Mark Andres 2014 uraufgeführtem Musiktheaterwerk „wunderzaichen“ nun am 1. Juli wieder einmal eine Weltpremiere. Diese letzte Neuproduktion unter der Intendanz von Jossi Wieler ist Toshio Hosokawas „Erdbeben. Träume“ nach einem Libretto von Marcel Beyer, verfasst nach Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben von Chili“. Die Inszenierung übernimmt einmal mehr das alteingespielte Regieteam von Wieler und Sergio Morabito mit Bühnenbildnerin Anna Viebrock.

Helmut Lachenmanns „Melodies“

01.06.18 (Rainer Nonnenmann) -
Selten war ein neues Werk mit derartigem Erwartungsdruck konfrontiert. Wie immer die neue Komposition ausfallen wird, schon jetzt gleicht es einer Sensation, dass sie überhaupt zur Uraufführung gelangt. Denn in der Vergangenheit wurde das Stück bereits dreimal angekündigt und ebenso oft wieder abgesagt. Im Rahmen der Reihe musica viva im Herkulessaal der Münchner Residenz ist es nun aber endlich soweit: Am 7. Juni spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinen acht Hornisten unter Leitung von Peter Eötvös erstmalig Helmut Lachenmanns „My Melodies – Musik für acht Hörner und Orchester“.

„An die Jugend“

02.05.18 (Rainer Nonnenmann) -
„Es gibt zu allen Zeiten Jugend und sie ist stets die nämliche: – zuerst gläubig, begeistert, großmütig und folgend; dann überlegen, selbstsüchtig, spöttisch und trennend – bis eine neue Jugend ihren Platz einnimmt. Der Jugend gehört meine Liebe und soll fortan gehören. Ihre unmöglichen Pläne, ihre unbefangenen Fragen, ihre entwaffnenden Einwürfe, ihr trotziger Widerspruch, ihre raschschlagenden Herzen – sie wühlen die Erde auf und streuen in sie neuen Samen. Die der Jugend vorausgehen, sollen sich fühlen als der Erdboden, der den neuen Samen willenlos aufnimmt und in reifer Kraft überraschende Pflanzengebilde hervorbringt. Meine Ehrfurcht gehört der Jugend und ihr mein Dank. Sehr schön – aber leider optimistisch. Die Jugend ist meistens konservativ und ihre Versprechen sind trügerisch. Das Alter ist entweder beschränkt – wohlwollend oder bissig. Die ,Gutenʻ stehen in jedem Alter allein. So empfunden, 3. August 1909, Ferruccio Busoni.“

Kommunizierende Röhren

30.03.18 (Rainer Nonnenmann) -
Das Verstehen von Geschichte hängt von der geschichtlichen Situation des Verstehenden ab. Die Vergangenheit vermag die Gegenwart nur zu erhellen, wenn umgekehrt auch die Gegenwart die Vergangenheit beleuchtet. In seinen geschichtsphilosophischen Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ (1940) konstatierte Walter Benjamin, dass Historie nur dann aktuell bleibt, wenn sie für die Gegenwart „mit Jetztzeit geladen“ ist, also bereits etwas von jener Zukunft in sich barg, die nun Gegenwart geworden ist.

Bernd Alois Zimmermann 100

28.02.18 (Rainer Nonnenmann) -
Er wurde am 20. März 1918 in Bliesheim bei Köln geboren und nahm sich 1970 unweit davon in Großkönigsdorf das Leben. Die nackten Lebensdaten von Bernd Alois Zimmermann umreißen einen denkbar kleinen Kreis: lokal, bäuerlich, kölnisch, rheinisch, katholisch. Seine Musik dagegen öffnet ganz andere Horizonte.

Hybridisierung

31.01.18 (Rainer Nonnenmann) -
Schubladen sind etwas für Aufräumer, Sammler, Systematiker. Kunst und Leben entziehen sich dagegen meist klaren Zuschreibungen und Festlegungen auf bestimmte Begriffe und Klassifikationen. Oft herrschen eher Umhertasten, Schwanken, Vagieren, Fluktuieren, Wildwuchs oder gezieltes Überschreiten von Grenzen. Schon die Romantiker experimentierten mit Verschlingungen der klassizistisch kodifizierten Formen und Gattungen: Romane enthielten Gedichte, Gedichte wurden episch, Dramen waren zum Lesen, Dichtung wurde philosophisch, Philosophie aphoristisch.

Freiheit der Kunst

29.11.17 (Rainer Nonnenmann) -
Neue Musik ist keine abgeschlossene Sondersphäre. Als Teil des „Systems Kunst“ – so Niklas Luhmann – ist sie stets ein Element unserer komplex ausdifferenzierten Gesellschaft. Frau Musica nova ist keine fensterlose Monade, lümmelt nicht in abgehobenen Wolkenkuckucksheimen, verkriecht sich vor der rauen Wirklichkeit nicht in elfenbeinerne Türme.

Kino, Killer, Klang

31.10.17 (Rainer Nonnenmann) -
Die Klassifikation von Künsten, Disziplinen, Gattungen, Arten und Formen entspringt derselben spätaufklärerischen Kategorisierungsbesessenheit, mit der man auch Flora, Fauna, Gesteine, Erdzeitalter und die Elemente in Spezies und Unterspezies einteilte. Angesichts der Vielstimmigkeit und Komplexität dessen, was Kunst und Welt bedeuten, blieben solche Versuche immer hilfloses Schulmeisterwissen.

Beziehungskisten

04.10.17 (Rainer Nonnenmann) -
Keine Musik ist voraussetzungs- und kontextlos. Jede ist geprägt durch einen historischen, kulturellen und sozialen Ort. Alle Musik steht in Erfahrungs-, Beziehungs- und Sinnzusammenhängen. Gemeinsam mit den materialen, strukturellen und formalen Eigenschaften eines Stücks tragen diese Zusammenhänge zu dessen Wirkung und Gehalt bei. Das klingt abstrakt, ist im Einzelfall aber oft recht konkret, selbst wenn sich die Kontexte zuweilen erst durch eingehende Analysen der Faktur, Quellen, Skizzen und Entstehungsbedingungen eines Werks erschließen. Manchmal liegen konkrete Bezugnahmen jedoch auch offen zu Tage und sind sogar Auslöser und Zentrum eines Stücks.
Inhalt abgleichen