Lost in the Stars

Zum Tod Hal Willners


(nmz) -
Er war seit Anfang der 80er der „Kurator“ des musikalischen Unterbewusstseins des 20. Jahrhunderts – zwischen Film, Bühne und Jazzclub: Hal Willner.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Begonnen hatte der in Philadelphia geborene Künstler damals als „Musical Supervisor“ für die berühmte „Saturday Night Live“-Show. In dieser Zeit konzipierte er auch sein erstes „Tribute“-Album, das 1981 erschien, eine Erinnerung an den Hausmusikus von Fellini: „Amarcord Nino Rota“. Ein Jazzalbum für die einsame Insel, für Cineasten und „Pop“-Fans. Es war der Beginn einer musikalischen Freundschaft zwischen Nino Rota und dem Jazz, viele seiner Stücke für Fellini wurden plötzlich zu kleinen „Standards“.

Danach folgten Hommagen an Monk („That’s The Way I Feel Now“) und Mingus („Weird Nightmare“),  und dazwischen lagen zwei großartige „Tribute“-Platten an Kurt Weill und Walt Disney. Carla Bley spielte den Titelsong der Weill-Kollektion, „Lost in the Stars“, das Armadillo String Quartet interpretierte den sehnsüchtigen „Youkali Tango“ und Sting gab den „Mackie Messer“. Das Highlight war allerdings Charlie Hadens „Speak Low“, die vielleicht schönste Version dieses Standards überhaupt. Für Willner war es nur ein Katzensprung von Weill zu Disney. Zu Recht gehörten für ihn beide zum Pop-Universum des 20. Jahrhunderts. Genial war seine Idee, Sun Ra „Pink Elephants on Parade“ aus „Dumbo“ „rekonstruieren“ zu lassen. Auch Tom Waits als „siebter Zwerg“ passte perfekt in sein bizarres Disney-Song-Universum. Willner hat all seine Produktionen als Hörfilme konzipiert, all seine Alben waren durchorchestriert, cinematisch angelegt. So überraschte es nicht, dass ihn in den 90ern auch Robert Altman für zwei wichtige Filmprojekte verpflichtet hat: „Short Cuts“ und „Kansas City“. Willner starb im Alter von 64 Jahren am 6. April in New York an COVID-19.

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