Mehr Raum für die musikalische Bildung

Millioneninvestitionen in die Musikakademien bundesweit


(nmz) -
Die Bundes- und Landesmusikakademien in Deutschland bieten abgeschieden von der Hektik des Alltags Raum, Zeit und Initiativen für den musikalischen Prozess. Sie eröffnen so seit Jahrzehnten ideale Möglichkeiten für Einkehr und Konzentration, für Kreativität und Experiment. In ganz Deutschland erfreut sich intensive musikalische Bildung einer stetig steigenden Nachfrage, die von Nord bis Süd, von West bis Ost einen wahren Investitionsschub auslöst.
Ein Artikel von nmz-red

Die nördlichste Musikakademie Deutschlands im schleswig-holsteinischen Rendsburg erlebt gerade die deutlichste Erweiterung ihrer bald 100-jährigen Geschichte. „Zwar ist auf dem Campus des Nordkollegs erst vor wenigen Jahren ein unterirdisch gelegener Neubau von Musikprobenräumen entstanden, doch bestand aufgrund der stetig wachsenden Nutzerzahlen der Akademie für kulturelle Bildung ein weiterer Vergrößerungsbedarf“, erläutert Akademieleiter Guido Froese die Gründe für die erneute Investition mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro. Mit Mitteln des Landkreises und der Sitzstadt wurde eine unmittelbar benachbarte Akademie übernommen, die mit Landesmitteln saniert und barrierefrei werden soll. Durch den Ankauf wurde die Übernachtungskapazität von 150 auf 215 Betten erhöht. Auf einem zusätzlichen Areal von 13.000 m² finden sich ein großer Probensaal, viele weitere Proben- und Gruppenräume sowie Freizeit- und Büroflächen, in denen neben den Akademiemitarbeitern auch die Kulturverbände des Landes Platz finden.

In der Bundeshauptstadt Berlin entstehen auf dem Akademiegelände in der Wuhlheide erstmals Gästezimmer. Hierfür werden zwei Gebäude aus konvertiertem Altbestand nachhaltig saniert. Die Maßnahme, die zukünftig 100 Gästen auf dem Campus Übernachtungsmöglichkeiten bietet, hat ein Gesamtvolumen von 4,3 Millionen Euro und startet ab Mitte 2020.

Auch die Landesmusikakademie NRW in Heek investiert in die Aufenthaltsqualität für ihre Nutzerinnen und Nutzer. Die nordrhein-westfälische Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen, überbrachte anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 30. Geburtstag der Akademie Anfang September die frohe Botschaft, dass das Land 1,38 Millionen Euro für die Sanierung der malerisch im Ortsteil Nienborg gelegenen Bettenhäuser 2 und 3 zur Verfügung stellt. „Dieses Geburtstagsgeschenk des Landes freut uns sehr“, kommentiert Akademiedirektorin Antje Valentin die Vollfinanzierung und ergänzt: „Glücklicherweise haben wir Zeit für die Planung, da die Baumaßnahmen erst 2021 beginnen werden.“

Im Jahr 2020 soll auch im nord­rhein-westfälischen Remscheid bei der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW ein Erweiterungsbau entstehen, der die Übernachtungskapazitäten von 76 auf 100 Zimmer erhöht.

Eine gute Stunde südlicher und am Rhein gelegen, erfreut sich die Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz in Neuwied-Engers seit Jahren wachsender Besucherzahlen, die den infrastrukturellen Bedarf nach einem Orchesterprobensaal immer deutlicher werden lassen. Derzeit werden dort verschiedene Realisierungsmöglichkeiten diskutiert.

Im Nachbarland Baden-Württemberg ist man einen entscheidenden Schritt weiter. An der Tauber eröffnete nach rund zweijähriger Bauzeit in Weikersheim im Juli ein Kultur- und Veranstaltungshaus, an dem hochkarätige Konzerte stattfinden und welches auch Heimat für Bürger und Vereine werden soll. „Mit der TauberPhilharmonie bekommt die Musikakademie Schloss Weikersheim als deren Nutzungspartner eine Kapazitätserweiterung durch drei Stimmzimmer, einen kleinen Saal und den großen Konzertsaal, was insbesondere für Jugend­orchester hoch attraktiv ist, deren Verband die Jeunesses Musicales Deutschland ist“, so Dr. Ulrich Wüs­ter, Generalsekretär der Jeunesses Musicales Deutschland.

Im gut 200 km südlicher gelegenen Trossingen wurde der Lehrbetrieb der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung im Jahr 2015 generalsaniert. In diesem Zuge erhielt die Akademie einen neuen Konzertsaal, der 250 Zuhörern und Ensembles aller Genres Platz bietet und sich hervorragend für Aufnahmen eignet. Derzeit werden die Gästezimmer der Akademie saniert und mit neuen modernen Bädern ausgestattet. Die vom Bund finanzierte Maßnahme soll 2020 fertiggestellt sein.

Die Musikakademie Kloster Michaelstein der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt erfreut sich erst seit wenigen Jahren einer Musikscheune mit einem 300 Sitzplätze fassenden Saal für Bigband, Jugendsinfonieorchester, kleinere szenische Programme, Rhythmik oder Tanz. Die Investitionskosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro trugen die EU und das Land. In konkreter Vorbereitung ist nun die Gestaltung der Außenanlagen des am Rande Blankenburgs gelegenen Klosters. Hierfür werden weitere 4 Millionen Euro investiert.

Rund 70 Kilometer nördlich, im thüringischen Sondershausen, gibt es Pläne für eine Erweiterung. Eine Machbarkeitsstudie sieht vor, die dortige Landesmusikakademie im Schlosspark um weitere Seminarräume und Aufstockung der Übernachtungsmöglichkeiten zu ergänzen. Verbunden werden soll dies mit einer Erweiterung der inhaltlichen Ausrichtung durch ein Zentrum für kulturelle Integration. Hierfür werden derzeit rund 2,3 Millionen Euro eingeworben.

Auch im hessischen Schlitz ist seit längerem für die Landesmusikakademie Hessen ein Erweiterungsbau in Planung. Auf dem Gelände des Schlosses Hallenburg soll ein neues Gäste­haus mit insgesamt 41 zusätzlichen Betten entstehen. Die Beschlüsse dazu sollen noch im laufenden Jahr gefällt werden, so dass 2020 mit dem Bau begonnen werden kann. Geplant ist eine Inbetriebnahme im Jahr 2021.

Nachdem der Franziskanerorden das Kloster Altstadt 2014 aufgelöst hat, steht nun der Bayerischen Musikakademie Hammelburg nach zweijährigem Umbau des Konventgebäudes ein neuer größerer Küchenbereich mit neuem Speisesaal auch als multifunktionaler Raum zur Verfügung. Weitere Übungsräume sind entstanden und die Mönchszellen wurden zu Einzelzimmern mit Bad und WC umgebaut. Durch die Erhöhung des Übernachtungsangebotes von 112 Betten auf jetzt 135 können große Belegungsgruppen wie Schulchöre und Schulensembles jetzt optimal untergebracht werden. „Auch ein neues Tonstudio wird entstehen, damit Aufnahmen unserer Gäste aus allen Übungsräumen und bei Konzerten in Zukunft unkompliziert möglich sind, sowie Aufnahmen für Tonträger und Rundfunk eingespielt werden können!“, freut sich der künstlerische Leiter Kuno Holzheimer. Die Kos­ten in Höhe von rund 10 Millionen Euro trug der Freistaat Bayern.

Auch in den weiteren Musikakademien Deutschlands wird saniert, werden Sicherheit und Aufenthaltsqualität für die Gäste verbessert. Der Verband der Bundes- und Landesmusikakademien in Deutschland begrüßt diese dynamische Entwicklung der Akademien in ganz Deutschland, die deren Bedeutung für die musikalische Bildung unterstreiche. 

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