Mit Freude – trotz Abstand

14. Internationale Musik-Ferienwoche der Allgäuer Tonkünstler


(nmz) -
Hammelburg. Vorfreude sei die schönste Freude, sagt man bekanntermaßen. Und an dieser mangelt es vor der 14. Internationalen Musik-Ferienwoche der Allgäuer Tonkünstler in Hammelburg, einem beschaulichen, fränkischen Städtchen voller Kultur, sicherlich nicht.
Ein Artikel von Pauline Christianus

Das ganze Jahr über wird von Dozent*innen, Teilnehmenden und Organisator*innen eifrig geplant, Kammermusikstücke zur Zufriedenheit aller werden herausgesucht und eingerichtet, sodass sich jeder mit genügend Zeit und vor allem Spaß auf die Probenwoche vorbereiten kann. Beim Eintreffen in der Musikakademie am ersten Tag, nach längerer oder kürzerer Anreise aus den verschiedensten Ecken und Enden Deutschlands, fallen sich alle wild um den Hals. Aufgeregt und glücklich, sich nach einem langen Jahr wiederzusehen sind alle Teilnehmenden, ob jung oder alt, voller Neugierde auf die kommenden Tage. So läuft das normalerweise ab …

Vielleicht haben Sie schon von diesem gewissen Virus gehört, welches größeren Menschenansammlungen seit Beginn des Jahres eher im Wege steht?! Auch für unsere ersehnte Woche ist es lange spannend geblieben und erst einen Monat vorher stand fest, dass die gemeinsamen Tage stattfinden durften. Sie können sich die Begeisterung vorstellen, mit der sich jeder ins Üben gestürzt hat. Hammelburg konnte losgehen!

Vor Ort lief die Begrüßung natürlich coronabedingt ohne die oben beschriebenen Umarmungen ab, außerdem musste ein Hygienekonzept eingehalten werden. Uns störte das Maskentragen und das Abstandhalten jedoch überhaupt nicht und auch unsere Einzelzimmer nahmen wir gerne in Kauf, unglaublich dankbar für den organisatorischen Einsatz von Frau Helm, die uns diese Woche überhaupt ermöglichte.

Ein Tag der Musikwoche beginnt nach dem Frühstück immer mit einer Chorprobe. Jeden Morgen schafft es Frau Heudorfer, viele zuerst verschlafene Gesichter durch Singen und Bewegung aufzuwecken und schwungvoll in den Tag starten zu lassen.

Es folgen sechs Unterrichtsstunden, in denen die zuhause vorbereiteten Stücke endlich in Ensembles mit den Dozent*innen einstudiert werden. Hierbei wird in einer Unterrichtsstunde immer dasselbe Stück mit derselben Lehrperson geprobt.

Da die Probenzeit sehr begrenzt ist, wird sie ehrgeizig und konzentriert genutzt. Mit 100 Prozent Spaß an der Sache werden die Stücke täglich klarer, und es ist immer wieder erstaunlich, welche Fortschritte in nur solch kurzer Zeit erzielt werden. Die Lehrenden opfern sogar oft für Extraproben ihre wohlverdiente Mittagspause, meistens auf Wunsch der Teilnehmenden, so groß ist die Motivation.

Der lange Tag endet ähnlich, wie er begonnen hat, nämlich mit allen Teilnehmenden gemeinsam; diesmal jedoch in einer Orchesterprobe. Auch wenn oftmals zu dieser späteren Stunde die Konzentration etwas nachlässt, helfen Witz und Humor bei der Erarbeitung der Stücke, sodass zu Beginn des Abschlusskonzertes unter der Leitung von Herrn Besthorn die ersten schönen Töne erklingen können.

Die größte Besonderheit der Musikwoche in Hammelburg, meiner Meinung nach, besteht in der Bedingungslosigkeit aller Teilnehmenden, allesamt, ob jung oder alt, verrückt oder erstmal schüchtern, neu dazugekommen oder „alter Hase“, einander an- und in der Gemeinschaft aufzunehmen. Niemand muss sich ausgeschlossen fühlen und wirklich jedem begegnet man mit Respekt und Liebe in einem Maße, wie es sich kaum beschreiben lässt.

Diese besondere Gemeinschaft entsteht jedoch nicht nur beim vielen gemeinsamen Proben. Für fast jeden Tag und Abend erstellen die beiden Betreuenden, Maggy und Jan, welche als eingespieltes Team die Bande wirklich erstaunlich gut in Schach halten, ein vielseitiges Freizeitprogramm. Wir Musiker lockern unsere steifen Knochen nach dem langen Sitzen bei Aktivitäten, die von Salsa-Tanz bis zu gemeinsamen Spielen und Spaziergängen reichen.

Ein tagesfüllendes Programm, sollte man meinen. Aber da habe ich noch gar nicht die spannenden Workshops erwähnt, welche die Woche über von verschiedenen Dozierenden angeboten werden. Dieses Jahr weckte der Workshop „Filmmusik“ von Herrn Dr. Besthorn große Neugierde.Außerdem wurden wir an einigen Abenden von Martin Klee ins Schwitzen gebracht, der uns mit seiner verrückten Art Bodypercussion-„Grooves“ beibrachte, wobei wirklich alle unglaublich viel Spaß hatten.

Als ein weiteres Wochenhighlight ist das Dozentenkonzert zu erwähnen, welches uns Zuhörer gefangen nimmt, sodass wir den Konzertsaal mit einem extra Motivationsschub verlassen. In diesem Jahr durften wir von Frau Christianus (Vl), Herrn Baumann (Va), Prof. Di Secondi (Vc) und Prof. Hauber (Kl) traumhafte Kammermusik hören, abgerundet vom verzaubernden Gesang Frau Heudorfers, einer interessanten Horndarbietung Herrn Dr. Besthorns und einer sehr beeindruckenden Bodypercussion-Performance von Martin Klee. Ein ganzer Abend wird von nur so wenigen Menschen gefüllt und sollte der ein oder andere bereits Probenmüdigkeit aufzeigen, so wird er an diesem Abend erneut wachgerüttelt und für den kommenden Endspurt beschwingt.Natürlich fiebern alle, ob Teilnehmende oder Dozierende und die beiden Organisatorinnen Gisela Helm und Cornelia Glassl auf unsere beiden Konzerte hin, welche gewöhnlich am Samstagabend und Sonntagvormittag den Abschluss der Woche bilden. Dieses Jahr jedoch wurden wir lange auf die Folter gespannt, ob es aufgrund der einzuhaltenden Hygienemaßnahmen überhaupt möglich sein würde, diese Konzerte spielen zu dürfen. Erst gegen Ende der Probenwoche stand fest: Die Konzerte können stattfinden; der Saal etwas weniger mit Zuhörern gefüllt als sonst, die vielen Türen weit nach außen geöffnet, aber wir durften die Vorführung unserer erarbeiteten Werke mit Familie, Bekannten (und natürlich Abstand!) teilen.

Jedoch bedeutet das Sonntagskonzert auch Abschied nehmen von allen lieb gewonnenen Menschen dieser Woche. Es ist immer wieder so schön zu spüren, wie man in solch kurzer Zeit durch die Musik und besondere Hingabe jedes Teilnehmenden als Gemeinschaft zusammenwächst und vor allem, wie sehr dieser besondere Zusammenhalt sogar für Außenstehende sichtbar wird. Der Abschied ist wirklich herzzerreißend, aber wir alle trösten uns damit, uns nächstes Jahr bestimmt wiederzusehen!

Sie merken also: gemeinsames Musizieren mit Freude – trotz Abstand… das geht wunderbar!

 

 

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