Nachrichten 2011/11


(nmz) -
Baseler Leistungsausweis – Konzerte und ein Symposium erinnern an Allan Pettersson – „Experiment Stimme“ vom 18. bis 20. November 2011 – Zur Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats im Berliner Abgeordnetenhaus – Das Netzwerk Neue Musik klingt aus – Symposion „Musik wozu?” in Dresden
Ein Artikel von (nmz-redaktion)

Baseler Leistungsausweis

Für das Theater Basel, getragen von einer mitgliederstarken Theatergenossenschaft, hat der Kanton Basel Stadt jetzt der Bewilligung von ordentlichen Staatsbeiträgen sowie eines zusätzlichen Strukturbeitrags von jährlich 1 Million Schweizer Franken für die Spielzeiten 2012/2013 zugestimmt. Darin sieht Theaterdirektor Georges Delnon seitens der baselständischen Politik, der Regierung und des Parlaments ein klares Bekenntnis zum Dreispartenhaus Schauspiel, Oper und Tanz und zum bisherigen Leistungsausweis. Es sei gut, wenn die Diskussion um Geld eine Ende habe, das Theater wieder Planungssicherheit bekomme. In der laufenden Spielzeit stehen auf dem Programm der Musikbühne unter anderem Händels „Ariodante“, Dvoráks „Russalka“, Bergs „Wozzek“, von De Falla „OpernAvenir“, und als Uraufführung am 25. November „Lo stimolatore Cardiaco“, ein tiefgründige Musikszenerie um Herzschrittmacher, seine Dramatik, Stimulanz und Symbolik von Christoph Marthalter (zu seinem 60. Geburtstag) mit Malte Ubenauf als Dramaturg unter der musikalischen Leitung von Bendix Dethleffsen und in der Regie von Giuliano Betta. 

Musik, die Grenzen sprengt: Konzerte und ein Symposium erinnern an Allan Pettersson

Der 100. Geburtstag des schwedischen Komponisten Allan Pettersson (1911–1980) steht in den nächsten Wochen im Fokus mehrerer Aufführungen in Deutschland. Einen Schwerpunkt bildet Sachsen, wo die Mittelsächsische Philharmonie nicht nur das späte 2. Violinkonzert in ihr 1. Sinfoniekonzert programmiert hat, sondern mit einem Symposium und Kammermusikaufführungen fast ein kleines Pettersson-Festival initiiert. Solistin des einsätzigen, mit knapp über 50 Minuten Spieldauer Grenzen sprengenden Violinkonzertes ist die Münchner Interpretin Rebekka Hartmann (3.11., 19.30 Uhr, Freiberg, Nikolaikirche).

Am 4. November beginnt um 9.00 Uhr in der Musikschule Freiberg ein wissenschaftliches Symposium, das von der Internationalen Allan-Pettersson-Gesellschaft veranstaltet wird; als Referenten sind unter anderem Dr. Michael Kube, Antonia Krödel, Per-Henning Olsson und Stefan Drees vorgesehen. Das zweitägige Symposium wird von zwei Kammerkonzerten umrahmt: am Freitag spielt das schwedische Duo Gelland die „7 Sonaten für zwei Violinen“, die Pettersson 1951 in konzentrierter Form während seines Studienjahres bei René Leibowitz schrieb. Am Sonnabend, 5. November, findet zum Abschluss um 16 Uhr eine Aufführung von Allan Petterssons „Barfußliedern“ in Gegenüberstellung mit Franz Schuberts „Winterreise“ in der Bühne Borngasse in Freiberg statt.

Am 24. November, 19.00 Uhr wird in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München ein musikalisches Pettersson-Porträt durch Vorträge von Jens-Malte Fischer und Peter Ruzicka ergänzt, auf dem Programm stehen hier ebenfalls die Barfußlieder und das 1. Violinkonzert. [Alexander Keuk]

 

Für den Menschen von heute: Symposion „Musik wozu?” in Dresden

„Musik wozu?” lautet, anspielend auf einen Text von Heinz-Klaus Metzger, der Titel eines Symposions in der Dresdner Hochschule für Musik am 23. November 2011, das sich Gedanken über das Dasein der heutigen Musik macht. Ausgehend von der Einsicht, dass es im heutigen Kulturbetrieb oft um die Wiederholung des Immergleichen und weniger um die Entdeckung des Ungewohnten geht, wird die Frage gestellt, in welcher Musik etwas Berührendes oder Faszinierendes sein kann. Die Leitung des Symposions, das gemeinsam mit der Sächsischen Akademie der Künste im Rahmen von KlangNetz Dresden stattfindet, hat Jörn Peter Hiekel. Zu den Referenten gehören Peter Gülke, Johannes Kreidler, Mario Viera de Cavalho, Albrecht Wellmer, Bettina Muntendorf, Anette Schlünz, Paul-Heinz Dittrich, Marek Kopelent, Manos Tsangaris und Sergej Newski.  Nähere Informationen unter www.hfmdd.de oder www.klangnetz-dresden.de 

StadtKlangNetz-Konferenz 2011: „Experiment Stimme“ vom 18. bis 20. November 2011

An drei Tagen widmet sich die StadtKlangNetz-Konferenz im Rahmen des Netzwerks Neue Musik der Kulturstiftung des Bundes und in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln dem „Experiment Stimme“ in Schule und Musikschule, Chorarbeit und Stimmbildung, Musikvermittlung und kultureller Bildung.

Landauf, landab sprießen vokale Klassenkonzepte und Kooperationen zwischen Schule und Musikschule, Singförderprogramme und großangelegte Laienchorprojekte wie etwa beim Day of Song des Kulturhauptstadtjahrs Ruhr 2010. Nachdem das Singen in der Musikpädagogik seit der Nachkriegszeit immer wieder mit Skepsis betrachtet und behandelt wurde, bietet dieser Stimmungsumschwung gerade für die Musikvermittlung in Schule, Musikschule und kultureller Bildung viele Möglichkeiten. StadtKlangNetz 2011 sucht hier in Workshops und Vorträgen, in Diskussionen und im informellen Austausch nach der wechselseitigen Befruchtung von künstlerischer und pädagogischer Praxis. www.stadtklangnetz.de

Ohne Moos nix los oder Projektitis contra Strukturförderung – Zur Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats im Berliner Abgeordnetenhaus

„Kulturelle Vielfalt: Ohne Moos nix los“ nannte sich eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates Ende Oktober in Berlin. Teilnehmer waren Brigitte Zypries (Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag), Robert von Zahn (Generalsekretär des Landesmusikrats NRW), Jens Cording (Projektleiter der Siemens Stiftung) und Max Fuchs (Präsident des Deutschen Kulturrates). Während das Gespräch zwischen verschiedenen Themen und teils eher privaten Ansichten mäanderte, kam man bei der anschließenden, regen Plenumsdiskussion eher auf den Punkt: „Projektitis contra Strukturförderung“ wäre sicher ein zutreffenderer Titel für die Debatte gewesen, denn die Kultur- und Musikprojekte schießen aus dem Boden, während die kulturelle Grundversorgung angesichts leerer kommunaler Kassen immer stärker in Frage gestellt wird. Viel beklatschter Tagesordnungspunkt war die Preisverleihung zum Tag der Musik 2011. Die Preisträger waren die 6. Ginsheimer Tage voller Musik, veranstaltet von der Musikschule Maier, die  cOHRwürmer des Bayerischen Rundfunks – ein Konzert zum Mitsingen –, das BABEL-Projekt des Schul-Musik-Netzwerks CLARA des MDR und das Trend-Analyse-Projekt-Ensemble, kurz TAPE der Deutschen Bläserjugend.

Auch wenn das Engagement der Ginsheimer Musikschule zweifellos vorbildlich ist, stellte sich die Frage, warum unter tausenden Musikschulen in Deutschland auch im dritten Jahr des Wettbewerbs nur die Musikschule Maier punkten konnte. Bewirbt sich sonst niemand? Keine Preise vergab dieses Jahr die Jury unter der Leitung von Christian Höppner (DMR-Generalsekretär), Gerhard A. Meinl (Bundesverband der Deutschen Musikinstrumentenhersteller) und Morena Piro (Universität Hildesheim)in den Kategorien „Helfen durch Musik – Jugendensembles im Einsatz“ und „Musik.Macht.Politik – Gestalten durch Musikpolitik“. ak

Das Netzwerk Neue Musik klingt aus

Von 2008 bis Ende 2011 engagierten sich bundesweit 15 regionale und städtische Netzwerkprojekte mit insgesamt über 255 Partnern im Rahmen des Netzwerk Neue Musik: freie Ensembles wie Institutionen, Musikschulen wie Hoch- und allgemeinbildende Schulen; Theater und Konzerthäuser ebenso wie Jugendzentren; Initiativen und einzelne Akteure ebenso wie Städte und Bundesländer.

Alle diese Protagonisten haben dieses Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes mitgestaltet und ein in Deutschland einmaliges Vorhaben in der zeitgenössische Musik realisiert. In vier Jahren veranstalteten sie mehr als 2.700 Konzerte, Installationen, Musiktheater-Projekte, Performances, Symposien und Festivals um mit dem Vorurteil aufzuräumen, Neue Musik sei schwer vermittelbar und fände im Abseits des Musiklebens statt. 

Im Dezember wollen die Netzwerkprojekte noch einmal für Nachhall in der Öffentlichkeit, aber auch in die eigenen Strukturen hinein, sorgen:  Gemeinsam mit dem Netzwerk Neue Musik und dem Medienpartner Deutschlandradio gestalten sie noch in diesem Jahr den Abschluss des Förderprojekts am letzten Adventswochenende in Köln auf Einladung des Deutschlandfunk und des Netzwerkprojektes ON sowie in Kooperation mit der Kölner Gesellschaft für Neue Musik und der Stadt Köln. Netzwerkausklang heißt diese Abschluss-Veranstaltung, die am 16. und 17. Dezember beim Deutschlandfunk, in der Kunst Station St. Peter, vor dem historischen Rathaus und im Stadtgarten stattfinden wird. Eine Podiumsveranstaltung zum Thema „An der Grenze des Musiklandes – Zu Stelle und Wert der Neuen Musik in Deutschland“ mit Helga de la Motte, Enno Poppe, Georg Quander, Christian Scheib, Walter Schumacher, Hortensia Völckers unter der Moderation von Holger Noltze soll noch einmal Resümmee ziehen. 

 

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