Neue kulturelle Zeichen in Europa setzen

Das Projekt „ESTHER“ der JM Mecklenburg-Vorpommern


(nmz) -
Bereits seit dem Jahr 2001 organisiert der Landesverband MV das internationale Festival „Verfemte Musik“ in Schwerin mit seinem Interpretationswettbewerb und einem vielseitigen Rahmenprogramm. Im Jahr 2009 wurde dem Landesverband gemeinsam mit weiteren Partnern dafür die von der EU-Kommission vergebene Auszeichnung „Golden Star Award“ verliehen. Letztes Jahr wurde unter der Federführung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern ein neues Kooperationsprojekt gemeinsam mit den Partnern exil.arte Wien, dem finnischen Jugend-Musikverband DUNK aus Helsinki, proquartett aus Paris und dem Royal College of Music London konzipiert, das den Namen ESTHER trägt.
Ein Artikel von Volker Ahmels

Ausgangspunkt für die zukünftige europäische Zusammenarbeit ist der gemeinsame Ansatz, Strategien zur Holocaust-Erziehung zu entwickeln für die Zeit, wenn die Mitwirkung von Zeitzeugen nicht mehr möglich ist. Dabei nimmt die musikalisch-kulturelle Jugendbildung eine herausragende Stellung ein. 

Der innovative Ansatz beinhaltet die Einstudierung und Aufführung eines europaweiten Theaterprojektes, bei dem Schüler aus Schwerin, Helsinki und Wien die Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Esther Bauer, geboren 1925 in Hamburg, heute in New York City lebend, erarbeiten. Jedes beteiligte Partnerland organisiert darüber hinaus weitere Konzerte, Ausstellungen und Meetings mit kulturellen Bildungsträgern. 

Das Projekt wurde aus über 300 Einreichungen als eines von 9 deutschen Projekten für das Kulturprogramm der EU ausgewählt für den Zeitraum 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2014. Bevor die Inszenierung 2013 nach Helsinki, Wien und Paris geht, wird das gemeinsame Theaterstück anlässlich des Internationalen Festivals „Verfemte Musik“ Ende September erstmals in Schwerin aufgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt des ESTHER-Projekts ist die Aufarbeitung von Musikerschicksalen nach Großbritannien vertriebener Komponisten und Interpreten. Im Mittelpunkt steht hierbei der österreichische Komponist und Musikwissenschaftler Hans Gál. Im Schweriner Kulturzentrum Schleswig-Holstein-Haus wird begleitend zum Festival eine Ausstellung über Hans Gál stattfinden. 

Das Zentrum für Verfemte Musik an der HMT Rostock organisiert eine durch Studenten entwickelte Ausstellung und gemeinsam mit exil.arte in Wien unter der Leitung von Prof. Gerald Gruber und Volker Ahmels ein Symposium zum Thema „Continental Britons“. Kooperationspartner ist die Akademie für Wirtschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern.

In das Festival „Verfemte Musik“ ist in diesem Jahr die Bundeszentrale für politische Bildung aktiv eingebunden. Unter der Leitung von Hanna Huhtasaari wird unter dem Motto „Welch ein Theater“ ein Bildungstag für Multiplikatoren in kulturelle Jugendbildung organisiert. 

In Vorträgen, Workshops und in Reflektionen auf das Theaterstück werden Pädagogen, Studenten und Kulturschaffende aus ganz Deutschland zur Teilnahme eingeladen. Dozenten sind Theaterpädagogen und Regisseure, die in der kulturellen Jugendarbeit erfolgreich tätig sind.

Auch der renommierte Interpretationswettbewerb „Verfemte Musik“ wurde strukturell verändert und attraktiver gestaltet. Als Ehrenvorsitzende konnte die international hoch angesehene Cellistin Anita Lasker-Wallfisch aus London gewonnen werden. 

Die Schirmherrschaft für das Schweriner Festival haben in diesem Jahr gemeinsam die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und Janusz Marzałek, Stadtpräsident a.D. von Oswiecim (Ausschwitz), übernommen. 

Der Internationale Interpretationswettbewerb wird 2012 erneut in vier Kategorien ausgeschrieben: Instrumental Solo, Klavier, Gesang Solo (und Klavier) und Kammermusik (Duo bis Quintett). Bewerben können sich Interpretinnen und Interpreten bis 30 Jahre. Sie können ihr Studium beendet haben und bereits künstlerisch tätig sein. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2012. Neu ist die Durchführung des Wettbewerbs erstmalig in zwei Runden. Für die Erreichung der zweiten Runden gibt es bereits ein Preisgeld. Die Finalrunde mit insgesamt zwölf Teilnehmern ermittelt dann die ersten drei Preisträger sowie einen neu geschaffenen Jugendpreis für Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis 18 Jahre. 

Zusätzlich zu den ersten drei Geldpreisen werden besonders herausragende Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Vergabe weiterer Sonderpreise wie den Preis der Hans-Gál Society und dem Sonderpreis des NDR geehrt. Auftritte in Nachfolgekonzerten bei den europäischen Partnern sind vorgesehen. Inhaltlich erweitert wird das Festival durch eine themenbezogene Filmreihe mit Dokumentar- und Spielfilmen unter anderem zum Lebensweg der Pianistin Edith Kraus, die zwischen 1926 und 1930 Schülerin bei Artur Schnabel in Berlin war. Der Film „Enjoy the music“ von Wilhelm Rösing wird uraufgeführt. Die Festival-Konzerte werden im Eröffnungskonzert unter anderem von einem JMD-Mitglieds-

orchester, der jungen norddeutschen philharmonie, mit dem Solisten Raphael Wallfisch und der Gitarrenlegende in Residenz Coco Schumann bestritten. 

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