Noten-Tipp 2015/06

Corelli, Triosonaten im Urtext


(nmz) -
Arcangelo Corelli (1653–1713): Triosonaten. Band 1: Sonata da chiesa, hrsg. von Bernhard Moosbauer. Wiener Urtext Edition, Schott/Universal Edition (2013), UT 50277/50287, ISMN 979-0-50057-332-6, -349-4
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Arcangelo Corellis neu entwickelter musikalischer Stil wirkte sich nachhaltig auf die Kammermusik folgender Generationen im europäischen Kulturraum aus. In seiner Kammermusik gilt das vor allem für jene 48 Triosonaten, die Corelli in vier Sammlungen publiziert hatte. Diese haben nun den Alte-Musik-Forscher Moosbauer angeregt, eine repräsentative Auswahl neu herauszubringen. Wesentlicher Bestandteil ist der ausführliche wissenschaftliche Begleittext. Er versucht, Einsicht und Aufschluss darüber zu geben, welche Intentionen und Konzepte der Komponist mit diesen originellen und einzigartigen Sonatensammlungen verfolgt haben könnte. Die typische Besetzung der konzertant ausgerichteten Kirchensonaten mit Violine I/II, Violone (Violoncello, alternativ Arcilieuto, eine theorbierte Erzlaute) und Orgel, und ihr strenger und kontrapunktisch orientierter, imitierender Tonsatz sind auffälliges Merkmal.

Ihnen gegenüber stehen die vergnüglichen, jedoch ziemlich kurz geratenen Kammersonaten für Violine I/II mit Violone (Violoncello) und (ausdrücklich) Cembalo mit ihren jeweils vier aneinandergereihten originellen Tanzsätzen. Der Herausgeber beleuchtet das musikalische, soziale und politische Umfeld der Zeit, versucht nicht nur musikhistorische Zusammenhänge aufzuhellen. Er gibt darüber hinaus anregende Interpretationshinweise zu Tongestaltungen, Bogenführung, gibt Spielraum für Artikulation und Verzierung bis hin zu stilistischen Überlegungen. Überaus großzügig präsentiert sich das gelieferte Notenbild, die ausgeführte B.c.-Bezifferung unaufdringlich. Corellis Sonatenwerk auf diese Weise genauer betrachtet, öffnet sich als lohnende Kammermusik von ansprechender Musikalität und Dichte, zudem von nur mittlerer Schwierigkeit.

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