Personalia 2011/11


(nmz) -
Julia Cloot wird Präsidentin der Gesellschaft für Neue Musik – Happy New Ears-Preise: Eine Initiative der Hans und Gertrud Zender-Stiftung – Giga-Hertz-Preis 2011 an Pierre Boulez – Praemium Imperiale in Tokio feierlich verliehen – Niedersächsische Musiktage unter neue Leitung – Bundesverdienstkreuz für den Komponisten Helmut Lachenmann – Kleiber-Preis der Bayerischen Staatsoper an Constantinos Carydis –
Ein Artikel von (nmz-redaktion)

 

Julia Cloot wird Präsidentin der Gesellschaft für Neue Musik

Am Rande der diesjährigen Donaueschinger Musiktage fanden Neuwahlen zum Präsidium der Gesellschaft für Neue Musik (GNM) statt. Mit großer Mehrheit wurde die bisherige Schriftführerin Julia Cloot als neue Präsidentin gewählt. Als Vizepräsident steht ihr der Komponist Franz Martin Olbrisch zur Seite und das Amt der Schriftführerin übernimmt Sigrid Konrad (Pfau-Verlag). Als Schatzmeister amtiert weiterhin das Ensemble Modern. Der neue Vorstand hatte sich als Team zur Wahl gestellt und wurde von den Mitgliedern auch so bestätigt. Der bisherige Präsident Jens Cording, sowie Vizepräsient Stefan Fricke konnten sich satzungsgemäß nach drei Amtsperioden nicht wieder zur Wahl stellen.

Julia Cloot ist Leiterin des Instituts für Zeitgenössische Musik an der Musikhochschule Frankfurt und von daher bereits vielfältig in die Gremienarbeit und die Kommunikationsstrukturen der Neue-Musik-Landschaft eingebunden. Franz Martin Olbrisch leitet seit 2008 als Professor für Komposition das Studio für Elektronische Musik der Hochschule für Musik in Dresden. Er betonte, dass er sich über die Elektronische Musik hinaus der Förderung aller neuen Musik, insbesondere der „an den Rändern“, verpflichtet fühle. Die Musikwissenschaftlerin Sigrid Konrad ist Mitinhaberin des auf neue Musik spezialisierten Pfau-Verlages Saarbrücken und ist Projektleiterin beim Netzwerk Neue Musik Saar. Weitere Informationen unter: www.ignm-deutschland.de

Happy New Ears-Preise: Eine Initiative der Hans und Gertrud Zender-Stiftung

Die Hans und Gertrud Zender-Stiftung, die sich der Förderung der zeitgenössischen Musik widmet, vergibt am 28. November 2011 erstmalig im Zusammenwirken mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Reihe musica viva des Bayerischen Rundfunks zwei Preise. 

Der „Happy New Ears“-Preis für Komposition ging an Enno Poppe, der „Happy New Ear“-Preis für Publizistik zur Neuen Musik an den Musikwissenschaftler Philippe Albèra. 

„Happy New Ears“ ist der Name einer Initiative der Hans und Gertrud Zender-Stiftung. Sowohl der „Happy New Ears“-Komponistenpreis als auch der „Happy New Ears“-Preis für Publizistik zur Neuen Musik wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit einem Preisgeld von jeweils 10.000 Euro dotiert. Die Preise werden nicht ausgeschrieben. 

Die Hans und Gertrud Zender-Stiftung bestellt für die Bestimmung der Preisträger zwei Jurys. 

Der Preisträger des Happy New Ears Komponistenpreises ist der deutsche Komponist Enno Poppe. Poppes umfangreiches Œuvre umfasst Kammermusik, Ensemble- und Orchesterwerke ebenso wie ein szenisches Werk. Das Interesse für das oft überraschende „Verhalten“ von einmal erfundenen musikalischen Strukturen unter wechselnden kontextuellen Bedingungen steht im Mittelpunkt seines Schaffens. 

Der Happy New Ears Preis für Publizistik zur Neuen Musik geht an einen der wichtigsten Schweizer Musikpublizisten, Verleger, Veranstalter und Konzertorganisatoren französischer Sprache, an Philippe Albèra. Albèra sucht immer wieder den Dialog mit zeitgenössischen Künstlern und ergründet in vielen publizierten Gesprächen ihr Poetik und Auffassung von Musik, da er das „Über die Musik sprechen“ als essentiell für das Verständnis Neuer Musik betrachtet. Sein Verdienst ist es auch, dass Schriften zahlreicher Komponisten, von Arnold Schönberg bis Bernd Alois Zimmermann, von Elliot Carter bis Heinz Holliger dem französischem Publikum zugänglich sind. Im Zentrum seiner Publizistik steht die Bedeutung der Musik als Kunst für den Menschen von heute.

Giga-Hertz-Preis 2011 an Pierre Boulez

Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) und das Experimentalstudio des SWR vergeben den Giga-Hertz-Hauptpreis 2011 in Höhe von 15.000 Euro an den Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez. Mit seinen live-elektronischen Werken „…explosante fixe…“, „Répons“, „Dialogue de l‘ombre double“ und „Anthèmes II“ habe Boulez richtungsweisende Impulse für die Entwicklung der Musikgeschichte der letzten 40 Jahre gesetzt, so die Jury in ihrer Begründung. Von epochaler Bedeutung sei die durch ihn beförderte Neubewertung des Raumes und die Neubestimmung der Musiker in heutiger Konzertpraxis durch Elektronik. Der Giga-Hertz-Preis für elektronische und akusmatische Musik wird seit 2007 jährlich vom Institut für Musik und Akustik am ZKM zusammen mit dem Freiburger Experimentalstudio des SWR vergeben und würdigt Komponisten für ihr Lebenswerk. Die Preisverleihung findet am Samstag, 26. November 2011, in Verbindung mit einem öffentlichen Festkonzert im ZKM Karlsruhe statt mit Werken unter anderem von Pierre Boulez, Mark Andre und Horacio Vaggione. Die Laudatio auf Pierre Boulez hält Winrich Hopp. In diesem Jahr werden Preisgelder von insgesamt fast 50.000 Euro vergeben. Den Produktionspreis 2011 in Höhe von 8.000 Euro erhält der Argentinier Horacio Vaggione. Aaron Einbond (USA), Madjid Tahriri (Iran), Anthony Tan (Kanada), Eric Lyon (USA), Benedikt Schiefer (Deutschland) sowie Andrea Vigani (Italien) erhalten die in 2011 erstmalig vergebenen Förderpreise in Höhe von je 4.000 Euro. Die Förderpreise wie auch der Produktionspreis sind mit einem Arbeitsaufenthalt in einer der beiden Institutionen verbunden. Weitere Informationen unter: www.experimentalstudio.de www.zkm.de/musik www.giga-hertz.de

Praemium Imperiale in Tokio feierlich verliehen

Am 19. Oktober 2011 wurde der weltweit wichtigste Kunstpreis „Praemium Imperiale“ in Tokio verliehen. In diesem Jahr wurden Bill Viola (Malerei), Anish Kapoor (Skulptur), Ricardo Legorreta (Architektur), Seiji Ozawa (Musik) und Judi Dench (Theater/Film) mit dem als „Nobelpreis der Künste“ bekannten Preis geehrt. Der Nachwuchspreis „Grant for Young Artists“ geht an das Royal Court Young Writers Programm und die Southbank Sinfonia.  Die feierliche Preisverleihung fand in Anwesenheit der diesjährigen Preisträger, des Prinzenpaares Hitachi sowie der internationalen Berater aus Japan, USA, Italien, Großbritannien und Deutschland in der Meiji Gedenkhalle in Tokio statt.

Niedersächsische Musiktage unter neue Leitung

Die Niedersächsischen Musiktage werden ab 2012 unter neuer künstlerischer Leitung stehen: Katrin Zagrosek übernimmt die Intendanz und folgt damit Markus Fein, der nach fünf Festival-Durchgängen die neu geschaffene Stelle Programmplanung bei den Berliner Philharmonikern einnimmt. Die 26. Niedersächsischen Musiktage 2012 werden unter dem Motto „Freiheit“ stehen. Mehr dazu unter www.musiktage.de

Bundesverdienstkreuz für den Komponisten Helmut Lachenmann

Lachenmann wird für sein musikalisches Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Der Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg Peter Friedrich überreichte ihm die Auszeichnung für seinen außergewöhnlichen Beitrag als einer der renommiertesten, international wirkenden Komponisten zeitgenössischer Musik am 27. Oktober. 

Kleiber-Preis der Bayerischen Staatsoper an Constantinos Carydis

Der griechische Dirigent Constantinos Carydis ist erster Preisträger des Carlos-Kleiber-Preises der Bayerischen Staatsoper. Die Auszeichnung wurde 2010 vom Verein der Freunde des Nationaltheaters gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert. Der 37-jährige Carydis sei eines der herausragenden Talente seiner Generation, sagte Staatsopernintendant Nikolaus Bachler. Constantinos Carydis soll die Auszeichnung am 4. November 2011 entgegennehmen. 

Enno Poppe (li.) und Pierre Boulez während der Donaueschinger Musiktage 2008. Foto: Charlotte Oswald
Die Preisträger des Praemium Imperiale 2011 (von links nach rechts): Seiji Ozawa (Musik), Anish Kapoor (Skulptur), Judi Dench (Theater/Film), Ricardo Legorreta (Architektur) und Bill Viola (Malerei). Foto: Japan Art Association

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