Personalia 2019/03

Olli Mustonen, Grandmaster Flash, Anne-Sophie Mutter, Christiane Böhnke-Geisse, Petr Kolar


(nmz) -
Neues aus dem Schwere-Reiter – Christiane Böhnke-Geisse löst Karl Wallowsky ab +++ Polarpreise für Anne-Sophie Mutter und Grandmaster Flash +++ Stamitz-Preis +++ Mustonen erhält Hindemith-Preis
Ein Artikel von nmz

Neues aus dem Schwere-Reiter – Christiane Böhnke-Geisse löst Karl Wallowsky ab

Seit Januar 2019 ist Christiane Böhnke-Geisse für das Musikprogramm im  Schwere Reiter verantwortlich. Sie tritt damit die Nachfolge von Karl Wallowsky­ an, der dort ein Jahrzehnt lang das Musikprogramm in der Neuen Musik gestaltete und wesentlich am Aufbau des Hauses beteiligt war. Drei Partner, in drei Kunstsparten, sind die Betreiber des Schwere Reiter am Leonrodplatz: die Tanztendenz München, das Pathos Theater und als Plattform für die Musik „Scope – Spielraum für aktuelle Musik“. Das Haus wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München unterstützt. Am Ende von Wallowskys Ära hat das Schwere Reiter eigentlich alles, was ein Kulturzentrum braucht – Musiker, Komponisten, Regisseure, Schauspieler, Tänzer, Cho­reografen, Publikum und wichtige Partner, wie 2012 erstmals die Münchener Biennale für neues Musiktheater. Und das wichtigste: Das Schwere Reiter hat nach einigem kulturpolitischen Hin und Her wieder eine Zukunft in München. Böhnke-Geisse übernimmt von Wallowsky ein inhaltliches Erfolgsmodell, macht aber ihre persönliche Handschrift bereits im zweiten von ihr verantworteten Programm mit der neuen Konzertreihe „Lauter Laute“ sichtbar. Hier werden vom 14. bis 16. März an drei Abenden Musik und Sprache in einen Dialog gebracht. „Dinggedichte + Brieflieder“ nennt sich die erste Episode der neuen Reihe – in den Briefliedern von Johannes Öllinger werden Zitate Kafkas, Luxemburgs, Tucholskys und vielen anderen zu eingängigen Melodien in alter Liedermacher-Tradition. Bei „Metal, Wood and Wire“ begegnen sich zeitgenössische Lyrik und experimentelle Musik. Im Konzert Nummer drei trifft der Schweizer Komponist und Schlagzeuger Michael Wertmüller auf den Lautpoeten Michael Lentz und Gunnar Geisse an der Laptop-Gitarre.

Stradivari und Turntables – Polarpreise für Anne-Sophie Mutter und Grandmaster Flash

Die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter zählt in diesem Jahr zu den Gewinnern des schwedischen Polar-Musikpreises. Die 55 Jahre alte „Königin der Geige“ werde ausgezeichnet, weil sie nicht nur eine leidenschaftliche und risikofreudige Musikerin, sondern mit ihrer Musik auch eine Geschichtenerzählerin sei, verkündete die Preisjury am 13. Februar in Stockholm.

Ebenfalls geehrt werden das Projekt Playing for Change für seine Arbeit, benachteiligten Kindern in aller Welt musikalische Bildung zu ermöglichen, sowie der Hip-Hop-Pionier Joseph Saddler, besser bekannt als Grandmaster Flash. Er ist der erste Hip-Hopper überhaupt, der mit dem Preis geehrt wird. Er habe seit den 70er-Jahren eine komplett neue Art erfunden, wie Musik gemacht werde, erklärte die Jury. Joseph Saddler sei ein Wissenschaftler und ein Virtuose, der mit seinen Abenteuern an den Turntables die Richtung der Popularmusik geändert habe.

Im vergangenen Jahr waren die US-Band Metallica und das Musikalische Nationalinstitut Afghanistans mit dem Polarpreis ausgezeichnet worden. Zu den früheren Preisträgern zählen Paul McCartney, Elton John, Bruce Springsteen, Pink Floyd und Bob Dylan. Ins Leben gerufen wurde der Preis 1989 vom früheren Abba-Manager Stig Anderson.

Der Polarpreis ist mit jeweils einer Million Schwedischen Kronen (rund 100.000 Euro) dotiert. Mit ihm werden alljährlich bedeutende Errungenschaften sowohl in der klassischen als auch in der zeitgenössischen Musik geehrt. Vergeben werden die Auszeichnungen am 11. Juni vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf in Stockholm.

Stamitz-Preis

Der diesjährige Johann-Wenzel-Stamitz-Preis wurde am 17. Januar in der voll besetzten Kathedrale von Brünn (Mähren, Tschechische Republik) an den Domkapellmeister und Domorganisten Petr Kolar verliehen, der auch Professor an den beiden Musikausbildungsstätten Janacek-Musikakademie und Konservatorium ist.

Die Laudatio hielt der Juryvorsitzende und Stellvertretende Bundesvorsitzende der KünstlerGilde Esslingen, Dietmar Gräf. Die Verleihung wurde musikalisch umrahmt vom Domchor unter Leitung des Preisträgers, der zusammen mit Gräf auch abwechselnd die Orgel spielte.

Mustonen erhält Hindemith-Preis

Der finnische Dirigent, Komponist und Pianist Olli Mustonen erhält den mit 10.000 Euro dotierten Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau 2019. Vorgeschlagen wurde der Preisträger vom Stiftungsrat der Hindemith-Stiftung und bestätigt vom Magistrat der Stadt Hanau. Der Preis wird am 24. November in Hanau verliehen. Mustonen, 1967 in Helsiniki geboren, gilt aufgrund seiner Vielseitigkeit als eine Ausnahmeerscheinung im internationalen Musikleben. In dieser Vielseitigkeit sieht er in Paul Hindemith ein Vorbild, wie er 2012 in einem Interview bekannte. So befasst er sich seit vielen Jahren mit dem
Œuvre von Paul Hindemith und

platziert es regelmäßig in seinen Konzertprogrammen. Eine hochgelobte Einspielung des grandiosen Klavierzyklus „Ludus tonalis“ publizierte er bereits 1996, 2003 nahm er Hindemiths Konzertwerk „Die vier Temperamente“ auf. Seit 2007 hat er auch Hindemiths lange verschollene, erst 2004 uraufgeführte „Klaviermusik mit Orchester“ op. 29 (Klavier: linke Hand) im Repertoire und spielte 2012 die englische Erstaufführung dieses Werks. In jüngster Zeit setzte er sich außerdem vermehrt als Dirigent mit Hindemith auseinander: Mit dem Orchesterwerk „Symphonic Metamorphosis“ gastierte er zuletzt in Italien, Finnland und Schweden.