Singen, singen, singen

Ergebnisse zur Umfrage des BMU zur Ensemblearbeit an Schulen im zweiten Schulhalbjahr 2022


(nmz) -
Der BMU startete im April 2022 unter seinen Mitgliedern eine bundesweite Umfrage zur aktuellen Situation der Ensemblearbeit in den Schulen nach Aufhebung der meisten Coronabeschränkungen: Wie sehr hat die Ensemblearbeit in den Schulen seit der Coronapandemie gelitten? Welche Auswirkungen gibt es im Hinblick auf Vielfalt, Zahl und Akzeptanz der Musik-AGs? Welche Aspekte des Musikunterrichts beschäftigen die Betroffenen aktuell? An der Umfrage beteiligten sich 611 Mitglieder aus unterschiedlichen Schulformen.
Ein Artikel von Eva Kieser

Die Ergebnisse sind teilweise erschütternd: Zwei Drittel der Befragten geben an, dass die Ensemblearbeit an Schulen insgesamt sehr gelitten habe; weniger als die Hälfte sehen eine Verbesserung im zweiten Schulhalbjahr. Erfreulich ist immerhin, dass 85 Prozent der Befragten angaben, aktuell könnten die meisten AGs wieder durchgeführt werden.

Allerdings darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass doch eine sehr große Zahl von AGs jetzt nicht mehr existiert. Dies gaben 42 Prozent der Befragten an. Am häufigsten wird dabei der Wegfall von Chor-AGs genannt.

Die meisten Einbrüche und Defizite werden allgemein beim Thema Singen gesehen. „Das fröhliche, unbeschwerte Singen und Musizieren ist verloren gegangen“, schreibt eine Kollegin. Durch die nunmehr fast zwei Jahre andauernde Maskenpflicht ist die Sorge vor Ansteckung in der Schülerschaft so gewachsen, dass Singen in vielen Fällen nicht mehr selbstverständlicher Teil des Musikunterrichts ist. Der deutliche Rückgang der Singfreudigkeit bei den Schüler*innen trägt natürlich dazu bei, dass das Interesse an der Teilnahme an einer Chor-AG rückläufig ist. Die Instrumental-AGs haben ebenfalls einen Rückgang an Interessenten zu verzeichnen, wie zwei Drittel der Befragten angaben. Besonders negativ haben sich die Pandemiebeschränkungen auf Bläser- und Chorklassen ausgewirkt, die laut Aussage vieler Kolleg*innen starke Einbrüche in den Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr haben.

Den Aussagen ist ein ziemlicher Unmut über den Zustand des Fachs Musik nach der Corona-Pandemie zu entnehmen. Dabei wird sehr häufig die schlechte Wahrnehmung und Wertschätzung der musikalischen Arbeit im Schulalltag sowohl durch die Schulleitung als auch innerhalb des Kollegiums genannt. Die folgende Aussage einer Schulleitung, die in der Befragung zitiert wurde, verdeutlicht dies: „Wir können ja auf der Schulversammlung eine CD einlegen. Dann braucht ihr nicht zu proben.“ Die Kollegin beziehungsweise der Kollege kommentierte dies so: „Dies stellt einen Schlag ins Gesicht jeder Musikfachkraft dar.“

Die Anerkennung des Fachs Musik als gleichwertiges Fach im Fächerkanon hat während der Pandemie sehr gelitten, und die Begründung, man müsse jetzt die Defizite in den Hauptfächern aufarbeiten und die Durchführung von Förderprogrammen wie „Aufholen nach Corona“ stünde jetzt im Vordergrund, täuschen nicht darüber hinweg, dass die Förderung kreativer Kompetenzen durch das Fach Musik auch schon vor der Pandemie an so mancher Schule keinen so hohen Stellenwert hatte, wie die sogenannten „kog­nitiven“ Fächer. Dies wurde nach Aussage der Befragten durch die Pandemie noch verstärkt.

Darüber hinaus wird bemängelt, dass wichtige Kompetenzen wie gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt und Anerkennung, aber auch Disziplin und Durchhaltevermögen durch das Wegfallen des gemeinsamen Musizierens auf der Strecke blieben. Die Pandemie hat aber auch deutlich gemacht, wie wichtig kontinuierliche Probenarbeit ist, denn die Jüngeren profitieren von den Älteren, die ein gewisses Repertoire schon beherrschen. In den letzten zwei Jahren sind viele Schüler*innen dem Chor ferngeblieben, sodass der Einstudierungsprozess oft ganz von vorne beginnen muss.

Das Verlorene wieder aufzuholen, wird wohl längere Zeit dauern. Aber viele engagierte Musiklehrpersonen – unterstützt durch den Bundesverband Musikunterricht – sind gewillt, das zu schaffen.

 

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