Voilà Viola


(nmz) -

„Die Violaspieler wurden stets aus dem Ausschusse der Violinspieler entnommen. War ein Musiker unfähig, den Violinposten schicklich zu bekleiden, so setzte er sich zur Viola. Daher kam es, daß die Bratschisten weder Violine noch Viola spielen konnten." So harsch urteilte Berlioz 1863 in seiner Instrumentationslehre und benannte damit vielleicht den Urgrund aller Bratscherwitze. Allerdings, der Mann war weitsichtig, nicht nur was das Komponieren anging: „Doch sieht man von Tag zu Tag mehr die Mißlichkeiten ein, die aus Duldung solcher Leute entstehen, und so wird die Viola nach und nach wie die anderen Instrumente nur geschickten Händen anvertraut werden." Geschickte Hände haben sie, heutige Bratschisten wie Garth Knox, Barbara Maurer oder Tabea Zimmermann, neben anderen vertreten in fünf Konzerten am 11./12. Januar in der WDR-Reihe „Musik der Zeit" in Köln. Und zwar mit einigen Uraufführungen: Zunächst erlebt Morton Feldmans „The Viola in My Life I-IV" die erste zyklische Gesamtdarstellung, dann folgen „viol consorts" von Peter Eötvös, Georg Kröll und Heinz Holliger (letztere bearbeiteten Binchois und Machaut). Der zweite Tag bringt ein „Solo" von Walter Fähndrich, zwei konzertante Werke von Jörg Widmann und Heinz Holliger, dazu Kammermusik mit Viola von Georg Kröll und James Tenney. Vorbei also die Zeiten, da Berlioz’ befand, „von allen Instrumenten im Orchester ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat."

Ein Artikel von Michael Zwenzner

„Die Violaspieler wurden stets aus dem Ausschusse der Violinspieler entnommen. War ein Musiker unfähig, den Violinposten schicklich zu bekleiden, so setzte er sich zur Viola. Daher kam es, daß die Bratschisten weder Violine noch Viola spielen konnten.” So harsch urteilte Berlioz 1863 in seiner Instrumentationslehre und benannte damit vielleicht den Urgrund aller Bratscherwitze. Allerdings, der Mann war weitsichtig, nicht nur was das Komponieren anging: „Doch sieht man von Tag zu Tag mehr die Mißlichkeiten ein, die aus Duldung solcher Leute entstehen, und so wird die Viola nach und nach wie die anderen Instrumente nur geschickten Händen anvertraut werden.” Geschickte Hände haben sie, heutige Bratschisten wie Garth Knox, Barbara Maurer oder Tabea Zimmermann, neben anderen vertreten in fünf Konzerten am 11./12. Januar in der WDR-Reihe „Musik der Zeit” in Köln. Und zwar mit einigen Uraufführungen: Zunächst erlebt Morton Feldmans „The Viola in My Life I-IV” die erste zyklische Gesamtdarstellung, dann folgen „viol consorts” von Peter Eötvös, Georg Kröll und Heinz Holliger (letztere bearbeiteten Binchois und Machaut). Der zweite Tag bringt ein „Solo” von Walter Fähndrich, zwei konzertante Werke von Jörg Widmann und Heinz Holliger, dazu Kammermusik mit Viola von Georg Kröll und James Tenney. Vorbei also die Zeiten, da Berlioz’ befand, „von allen Instrumenten im Orchester ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat.”Durchaus werden heute die musikalischen Avantgarden verkannt. Beispiel Tonträger: Anders als in den popverstopften WOMs und Saturn-Filialen – läuft man in Ursula Blocks Berliner Ladengalerie „gelbe MUSIK” (unkonventionelle Musik in allen Formen) kaum Gefahr, totgetreten zu werden. Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, mal eben dem „Musiker von nebenan” (Berlin? New York? Tokio?) zu begegnen oder mit anderen Liebhabern in ein Gespräch über das musikalisch Aktuelle verwickelt zu werden. Seit nunmehr 20 Jahren kann man hier den „ausgezeichneten Eigenschaften” der Avantgarde nachspüren. Grund zum Feiern: Am 11.12. richten die „Freunde guter Musik Berlin” in der Staatsbank Französische Strasse ein Geburtstagsfest aus, mit Miniperformances unter anderem von Richard Barrett, Henning Christiansen, Arnold Dreyblatt, Rolf Julius, Christina Kubisch, Klaus Lang, Akio Suzuki und Emmett Williams.

Weitere Uraufführungen und Termine (Druckausgabe)

01.12.2001:
Neue Werke für Ensemble von Noriko Hisada, Daniel Hess, Ali Oman, Tatjana Komarova, Kunsthaus Zürich

02.12.2001:
Johannes Kalitzke: Wind Stille Zeit für Chor, Blechbläser, Schlagzeug und Tonband, Köln
Luca Francesconi: Neues Werk für Chor, Huddersfield
Thierry Lancino: La Mort de Virgile: Suite lyrique, Paris

06.12.2001:
Hans Ulrich Lehmann: Notturno für Bassklarinette und Orchester, Luzern
Philippe Hersant: Streams für Klavier und Orchester, Lyon

08.12.2001:
Neue Ensemblewerke von Daniel Göritz, Pierre Jodlowski, Frank Gerhardt, Sibylle Pomorin, Akademie der Künste Berlin

09.12.2001:
Peteris Vasks: Neues Werk für Streichorchester, Rotterdam

10.12.2001:
Dmitri Terzakis: Seelenbilder für 4 Instrumente, Weimar

12.12.2001:
Nader Mashayekhi: Trio für drei Flöten, St. Pölten

13.12.2001:
Detlev Müller-Siemens: Bing – Musiktheater, Bonn
Giselher Klebe: Dedicazione d’Annetta. Otto canti op.135 für Bass und Klavier, Detmold

14.12.2001:
John Zorn: Konzert für zwei Klaviere und Orchester, WDR Köln

16.12.2001:
hespos: anjol (dirigent und improvisierendes baritonsaxophon), Delmenhorst

18.12.2001:
Olga Kroupova: Introduzione, Cadenza e Finale für Violine und Kammerorchester; Sinfonietta für Streichorchester, Detmold

20.12.2001:
Alois Bröder: „Left silence”. 5 Orchesterlieder, Bielefeld

08.01.2002:
Alexander Raskatov: „The Last Freedom” für Kammerensemble, Amsterdam

12.01.2002:
Charlotte Seither: Paires d’alternances für Orchester, Landau

14.01.2002:
Neue Ensemblewerke von Mary Finsterer und Jean-Marc Singier, Paris

17.01.2002:
Tobias PM Schneid: the lonely monk’s reflection on reprocreational aspects in
fractal organisations II für Klavier und Ensemble, München

18.-17.1.2001:
Neue Werke von Dror Feiler, Werner Dafeldecker, Karin Haussmann, Harald Muenz, Carola Bauckholt, Kotoka Suzuki, Fabien Lévy, Ultraschall Berlin

20.01.2002:
Michael Denhoff: Streichquartett Nr. 8 „Nel interno” op.79, Köln

22.01.2002:
Wolfgang Rihm: Arie: Ariadne für Sopran und Kammerorchester, Köln

23.01.2002:
Wolfgang Rihm: Astralis für Chor, Violoncello, 5 Schlagzeuger, Berlin

25.01.2002:
Erkki-Sven Tüür: Konzert für Marimba und Orchester, Cardiff
Tobias PM Schneid: „…in memoriam…” 3. Streichquartett mit Violoncello solo, München

26.01.2002:
Neue Ensemblewerke von Luke Bedford, René Mense, Thorsten Kuhn, das neue werk Hamburg

31.01.2002:
Friedrich Goldmann: 3 Etüden, Leipzig

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