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Alle Artikel kategorisiert unter »Frieder Reininghaus«

Ich tu, was ich will – Peter Konwitschny inszeniert Werner Egks „Peer Gynt” im Theater an der Wien

19.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Es war fürwahr nicht alles schlecht, was die deutschen Musiktheater zwischen 1933 und der kriegsbedingten Schließung der Theater hervorbrachten. Zu den markantesten Arbeiten auf hohem handwerklichem Niveau gehörte „Peer Gynt“. Der Komponist, der 1901 bei Donauwörth geborene Werner Mayer, nannte sich in seinem Willen zu einer zeitbedingt karrierefördernden Schnittigkeit Werner Egk. Der als hochbegabt eingestufte Musiker, seit 1936 an der Berliner Staatsoper als Kapellmeister tätig, reduzierte das einst im Theaterrepertoire fest verankerte dramatische Gedicht Henrik Ibsens mit Geschick und schrieb ihm eine neusachlich inspirierte, moderat moderne Musik zu, die erst im neunten und letzten Bild dem kompositorischen Über-Ich Richard Strauss offen huldigt.

„La Reine“ – eine Kreation mit Berlioz und Wagner, Rimbaud und Benn in Mannheim

15.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Trümmer stechen ins Auge. Der letzte Krieg scheint dem Land der Königin nicht gut bekommen zu sein. Die Signatur der Zerstörung bestimmt die Bühne des Nationaltheaters. Martin Kukulies ließ sie für die Solo-Performance von Angela Denoke bereitstellen: einen ausgeklinkten Pilotensitz, einen lädierten Flugzeugmotor, eine noch auf den Einsatz wartende Fünf-Zentner-Bombe, den Torso eines Pferde-Denkmals und das Fragment eines Krieger-Standbilds. Eine unwirtliche Landschaft für Musik, die sich exzessiv der Liebe und Schönheit hingibt.

Schwerer Einschlag in Putiwl – Dmitri Tcherniakovs „Fürst Igor“-Inszenierung in Amsterdam

10.02.17 (Frieder Reininghaus) -
„Knjas Igor“ gehört zu den großen Sorgenkindern der Musiktheatergeschichte. Der als Naturwissenschaftler international bekannte Militärarzt Alexander Borodin, nebenbei ein hoch talentierter Musiker und Komponist, entwickelte Ende der 1860er Jahre den Plan, aus dem altrussischen Epos „Slowo o polku Igorewe“ eine musikdramatische Arbeit abzuleiten.

Gepflegte Rohheit – Philipp Krenn inszeniert Brittens „Peter Grimes“ in Wiesbaden, Dietrich Hilsdorf Verdis „Attila“ in Bonn

07.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“, 1945 mit renitenten Intentionen und widerständigem Potential in die konservative Londoner Musiktheaterlandschaft gepflanzt, huldigt einem Außenseiter. Britten erkundete mit sensiblen Instrumentalklanggespinsten und deftigen Gesangspartien das Seelenleben eines Fischers, wie er wohl vor zweihundert Jahren an einem gottverlassenen Abschnitt der rauen Nordseeküste Englands anzutreffen war.

Reich und glücklich? – Mischa Spolianskys Revue „Wie werde ich reich und glücklich?“ am Nationaltheater Mannheim

24.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Die Rekonstruktion der unterschiedlichen Glückserwartungen und eines Films zu ihnen: Der alte Charme einer Berliner Revue von Felix Joachimson und Mischa Spoliansky feiert am Nationaltheater Mannheim Auferstehung. Das Sonderkommando Himmelfahrt unter Einsatzleiter Jan Dvořák bringt Bewegung in eine Frage, die für die meisten längst gelöst schien.

Shakespeare hübsch weggeputzt – Henry Purcells Semi-Opera „The Fairy-Queen” im Theater an der Wien

20.01.17 (Frieder Reininghaus) -
In der Mitte des 17.Jahrhunderts, während der Jahrzehnte der Puritaner-Herrschaft der Cromwells, blieben in England die Theater zwangsweise geschlossen. Aber auch nach 1660, als die mehr oder minder moralischen Anstalten wieder aktiv werden durften, hatte die italienische Oper in London einen schweren Stand – anders als im übrigen Europa, wo die Hofopern allüberall und durchweg das ganz auf Musik gestützte dramma per musica pflegten.

Die Kunst zu erben – Was wird aus der Boulez-Villa in Baden-Baden? Eine Erkundigung vor Ort

10.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Vor einem Jahr starb Pierre Boulez in Baden-Baden. Die prägende Persönlichkeit des französischen Musiklebens im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts und einer der großen Dirigenten auf dem internationalen Parkett hinterließ einen umfangreichen Nachlass – Partituren, Manuskripte, Tonträger, Manuskripte, Korrespondenzen – und Liegenschaften. Eine von ihnen befindet sich in Baden-Baden, wo sich der Komponist und Dirigent 1959 aus Protest gegen die französische Algerien-Politik und aus Verärgerung über die Kulturpolitik des zuständigen Ministers André Malraux niederließ. Jetzt steht die Villa, in der sich immer wieder und gerade auch zuletzt der Lebensschwerpunkt von Boulez befand, zum Verkauf.

Phantastischer Oktober in Wien – Offenbachs „Hoffmann“ an der Volksoper, Glucks „Armide“ an der Staatsoper

18.10.16 (Frieder Reininghaus) -
Auf die als Introduktion üblichen Orchesterschläge folgt erst einmal eine Unterbrechung. Der Teufel gebietet Ruhe und klagt über die Grenzen seiner Macht. Es gelinge ihm einfach nicht, verkündet er, Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ wieder aus der Welt zu schaffen. Dabei habe er für den Tod des Komponisten vor der Fertigstellung des 5. Akts gesorgt, für eine sinnentstellende Bearbeitung im Vorfeld der Uraufführung im Februar 1881 und für den Brand des Ringtheaters bei der zweiten Wiener Vorstellung von „Hoffmanns Erzählungen“ im Dezember 1881 (384 Tote).

Wer legt wen ‘rein? – René Jacobs dirigiert Antonio Salieris „Falstaff“ im Theater an der Wien

14.10.16 (Frieder Reininghaus) -
Dass Antonio Salieri nicht einmal mutmaßlich der Mörder Mozarts gewesen sein dürfte, hat sich inzwischen selbst unter den harthörigsten Freunden der „klassischen Musik“ herumgesprochen (das große Genie im extrem kleinen Körper hat sich selbst ruiniert). Und längst ist der Bann gebrochen, der mehr als hundert Jahre lang über dem großen Opernkomponisten Salieri zu liegen schien.

Alles Liebe! – Saisonauftakt in Köln und Paris

30.09.16 (Frieder Reininghaus) -
Es ist zweifellos das Thema des Musiktheaters – die Liebe in den unterschiedlichsten Erregungs- und Aggregatzuständen. Je unumwundener und unverbrüchlicher es um dieses Thema und all die sich mit ihm eröffnenden Projektionsflächen geht, desto positiver versprechen die Publikumsreaktionen auszufallen. Mit Francesco Cavallis „Eliogabalo“ geht es vermittels eines lasziv liebestrunkenen Librettos um den spätrömischen Gottkaiser Heliogabal und dessen (allerdings für den Operngebrauch stark abgemilderte) Obsessionen – im Palais Garnier eröffnete sich die Saison mit dieser „Barockoper“. Die Oper Köln startete mit einer doppelzüngigen und doppeldeutigen Referenz an die Liebe in die neue Spielzeit – auf den elegant gekräuselten Wellen und den peristaltischen Bewegungen der Ravelschen Musik. Gesucht und gefunden wurde mit „L’Heure espagnole“ eine frühe neusachliche Annäherung an die unter Termindruck stehende seitensprunghafte Liebe. Gepaart wurde sie mit „L’Enfant et les sortilèges“. Dieser Einakter greift auf Formen der Liebe zu, die als nobler gelten.
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