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Alle Artikel kategorisiert unter »Frieder Reininghaus«

Die Kunst zu erben – Was wird aus der Boulez-Villa in Baden-Baden? Eine Erkundigung vor Ort

10.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Vor einem Jahr starb Pierre Boulez in Baden-Baden. Die prägende Persönlichkeit des französischen Musiklebens im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts und einer der großen Dirigenten auf dem internationalen Parkett hinterließ einen umfangreichen Nachlass – Partituren, Manuskripte, Tonträger, Manuskripte, Korrespondenzen – und Liegenschaften. Eine von ihnen befindet sich in Baden-Baden, wo sich der Komponist und Dirigent 1959 aus Protest gegen die französische Algerien-Politik und aus Verärgerung über die Kulturpolitik des zuständigen Ministers André Malraux niederließ. Jetzt steht die Villa, in der sich immer wieder und gerade auch zuletzt der Lebensschwerpunkt von Boulez befand, zum Verkauf.

Phantastischer Oktober in Wien – Offenbachs „Hoffmann“ an der Volksoper, Glucks „Armide“ an der Staatsoper

18.10.16 (Frieder Reininghaus) -
Auf die als Introduktion üblichen Orchesterschläge folgt erst einmal eine Unterbrechung. Der Teufel gebietet Ruhe und klagt über die Grenzen seiner Macht. Es gelinge ihm einfach nicht, verkündet er, Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ wieder aus der Welt zu schaffen. Dabei habe er für den Tod des Komponisten vor der Fertigstellung des 5. Akts gesorgt, für eine sinnentstellende Bearbeitung im Vorfeld der Uraufführung im Februar 1881 und für den Brand des Ringtheaters bei der zweiten Wiener Vorstellung von „Hoffmanns Erzählungen“ im Dezember 1881 (384 Tote).

Wer legt wen ‘rein? – René Jacobs dirigiert Antonio Salieris „Falstaff“ im Theater an der Wien

14.10.16 (Frieder Reininghaus) -
Dass Antonio Salieri nicht einmal mutmaßlich der Mörder Mozarts gewesen sein dürfte, hat sich inzwischen selbst unter den harthörigsten Freunden der „klassischen Musik“ herumgesprochen (das große Genie im extrem kleinen Körper hat sich selbst ruiniert). Und längst ist der Bann gebrochen, der mehr als hundert Jahre lang über dem großen Opernkomponisten Salieri zu liegen schien.

Alles Liebe! – Saisonauftakt in Köln und Paris

30.09.16 (Frieder Reininghaus) -
Es ist zweifellos das Thema des Musiktheaters – die Liebe in den unterschiedlichsten Erregungs- und Aggregatzuständen. Je unumwundener und unverbrüchlicher es um dieses Thema und all die sich mit ihm eröffnenden Projektionsflächen geht, desto positiver versprechen die Publikumsreaktionen auszufallen. Mit Francesco Cavallis „Eliogabalo“ geht es vermittels eines lasziv liebestrunkenen Librettos um den spätrömischen Gottkaiser Heliogabal und dessen (allerdings für den Operngebrauch stark abgemilderte) Obsessionen – im Palais Garnier eröffnete sich die Saison mit dieser „Barockoper“. Die Oper Köln startete mit einer doppelzüngigen und doppeldeutigen Referenz an die Liebe in die neue Spielzeit – auf den elegant gekräuselten Wellen und den peristaltischen Bewegungen der Ravelschen Musik. Gesucht und gefunden wurde mit „L’Heure espagnole“ eine frühe neusachliche Annäherung an die unter Termindruck stehende seitensprunghafte Liebe. Gepaart wurde sie mit „L’Enfant et les sortilèges“. Dieser Einakter greift auf Formen der Liebe zu, die als nobler gelten.

Die Eröffnung der Ruhrtriiiennale mit Volksfest, Festrede und Glucks „Alceste“

14.08.16 (Frieder Reininghaus) -
Die Musik kommt nicht allein des Wegs bei der von Johan Simons kuratierten Ruhrtriiiennale. Sie erscheint, stärker noch als bei den ihm vorangegangenen Intendanten, flankiert von einer Fülle sozialer, rhetorischer und bildkünstlerischer Bemühungen. Aber sie dürfte fortdauern der bedeutsamste Faktor sein bei der neuen Nutzung der Industrie-Ruinen und -Brachen seit der Jahrhundertwende. Die neuerlich mit Fragezeichen versehenen Leitbegriffe der ersten französischen Revolution geben die Denk- und Blickrichtung vor: Freiheit? Gleichheit? Brüderlichkeit? Noch einmal werden die längst (und eigentlich von Anfang an) obsoleten Parolen „befragt“, „abgeklopft“ – umgespült und sogar in anachronistischer Weise für Christoph Willibald Glucks Wiener Hofoper „Alceste“ in Anspruch genommen.

Nach langer Zeit nachgeholt – Gottfried von Einems Oper „Jesu Hochzeit“ am Ossiacher See und Bertolt Brechts Koloman-Wallisch-Kantate an der Mur

07.08.16 (Frieder Reininghaus) -
Zwei Landpartien. Die aktuelle führt zum Carinthischen Sommer. Das Kärntener Festival orderte in den 1970er Jahren beim damals erfolgreichen österreichischen Opernkomponist ein neues Stück. Gottfried von Einem hatte 1947 die Büchner-Oper „Dantons Tod“ zu den nach den Jahren der NS-Kontaminierung wiedereröffneten Salzburger Festspielen beigesteuert und 1953 am selben Ort den „Prozeß“ (nach Kafka). 1971 beglückte er die Wiener Staatsoper mit dem „Besuch der alten Dame“ und schloss, gestützt auf Friedrich Dürrenmatts Libretto, zur politisch-gesellschaftlichen Gegenwart auf. Im Ossiacher Stiftshof sollte dann vor vier Jahrzehnten „Jesu Hochzeit“ herauskommen – aus gegebenen Umständen eine Kirchenoper.

Wahrheitserkundungen – La 68ème édition du Festival d’Aix-en-Provence

06.07.16 (Frieder Reininghaus) -
Im vergangenen Jahr gab es beim Festival d’Aix-en-Provence Ärger und Zensureingriffe wegen vier Köpfen und Osmins Rache-Orgie „erst geköpft und dann gehangen“. Martin Kušejs Inszenierung der „Entführung aus dem Serail“ wollte zeigen, dass von religiösen Fanatikern auch 2015 enthauptet wird. Um Wiederholungsfälle weiträumig zu vermeiden, schien Festivaldirektor Bernard Foccroulle heuer auf Nummer sicher gehen zu wollen.

Die letzte Dunkelheit betrifft alle

05.07.16 (Frieder Reininghaus) -
Das Musiktheater rückt dem Koma zu Leibe – jenem Zustand, in dem die tief Weggetretenen und in den meisten Fällen schon definitiv Entschlafenen auch durch starke äußere Stimuli wie Liebes- und Schmerzreize, durch chemische Keulen oder laute neue Musik nicht mehr geweckt werden können. Für die ungemütliche Annäherung an den „letzten Schlaf“ sorgen der österreichische Autor Händl Klaus und der Komponist Georg Friedrich Haas in der Idylle des Schwetzinger Schloss-parktheaters. Zum dritten Mal begaben sie sich in die Grenz- und Grauzonen von schwerbeschädigtem Leben und mehr oder minder schrecklichem Sterben.

Eine ganze weite Welt – Louis Andriessens Spätwerk „Theatre of the World“ in Amsterdam

13.06.16 (Frieder Reininghaus) -
Mit „Theatre of the World“ hat sich Louis Andriessen, der seit 30 Jahren Arbeiten fürs Amsterdamer Musiktheater liefert, wieder einmal auf eine ‚Zeitreise’ begeben. Das ist, nach Bernhard Langs „Golem“ in Mannheim und Moritz Eggerts „Terra Nova“ in Linz, die dritte neue Oper, die in den letzten drei Monaten nach diesem Strickmuster angelegt wurde. Allerdings erwies sie sich als die vergleichsweise gelungenste.

Schwetzingen: Uraufführung der Oper „Koma“ von Händl Klaus und G.F. Haas bei den SWR-Festspielen

28.05.16 (Frieder Reininghaus) -
Das Musiktheater rückt dem Koma zu Leibe – jenem Zustand, in dem die tief Weggetretenen und in den meisten Fällen schon definitiv Entschlafenen auch durch starke äußere Stimuli wie Liebes- und Schmerzreize, durch chemische Keulen oder laute neue Musik nicht mehr geweckt werden können. Für die ungemütliche Annäherung an den „letzten Schlaf“ sorgen der österreichische Autor Händl Klaus und der Komponist Georg Friedrich Haas in der Idylle des Schwetzinger Schlossparktheaters. Zum dritten Mal begaben sie sich in die Grenz- und Grauzonen von schwerbeschädigtem Leben und mehr oder minder schrecklichem Sterben.
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