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Alle Artikel kategorisiert unter »Frieder Reininghaus«

Im Westen was Neues – Chaya Czernowins „Infinite Now“ in Gent und Mannheim

28.05.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Jahr 2014 wurde in vielen Ländern Europas an den Beginn des ersten Weltkriegs 1914 erinnert – an Sarajewo und die trügerischen Hoffnungen auf rasche Siege, den Terror des ‚Stellungskriegs‘ und den monströsen ‚Blutzoll‘ auf beiden Seiten der festgefahrenen Fronten. Bald aber wurde diese Komponente der Gedenkkultur wieder kleinlaut, wiewohl das unerbittliche militärische Ringen um die Neugestaltung der globalen Machtverhältnisse mehr als vier Jahre anhielt und in eine weltgeschichtliche Phase der revolutionären Umgestaltung überging. 2017 hat zunächst die Westfront der Erinnerungsbemühungen wieder auf sich aufmerksam gemacht (und ein intensiverer Blick auf das Russland vor hundert Jahren dürfte folgen). Aber Luther und das Reformations-Jubiläum bestimmen hierzulande die Kulturszene mit den grellsten Werbe-Slogans („Zwei Städte für ein Halleluja“ etc.). Gegenläufig zum medialen Stolz insbesondere der Nordostdeutschen auf „ihren“ Luther verweist die Region Flandern z.B. auf die monströsen Schlachten, die hier vor hundert Jahren stattgefunden haben.

Keith Warner inszeniert Hans Werner Henzes „Elegie für junge Liebende“ im Theater an der Wien

06.05.17 (Frieder Reininghaus) -
Ziemlich still ist es geworden um das Werk des 2012 in Dresden verstorbenen deutschen Tonsetzers Hans Werner Henze. Doch das ist ein fast ‚natürlicher‘ Vorgang: Seit den goldenen Wirtschaftswunderjahren Henzes kämpfen drei neue Komponisten-Generationen um mediale Aufmerksamkeit. Das Theater an der Wien hat sich jetzt an die „Elegie für junge Liebende“ erinnert.

Ein Flügel des Gesangs – Jona Kim inszeniert Schumanns „Genoveva“ in Mannheim

30.04.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Wesentlichen lag der Text zu „Genoveva“ 1847 vor. Das Schaffen Robert Schumanns wurde beflügelt vom revolutionären Prozess der Jahre 1848/49, den er als „Völkerfrühling“ begrüßte und den seine Familie in Dresden hautnah mitbekam. Umso bemerkenswerter erscheint, dass der Komponist an diesem unter den Bedingungen der Restauration und des gegängelten Theaters begonnenen Werk festhielt und nicht eines aus dem „Geist der neuen Zeit“ schrieb. Zur Uraufführung kam die auf eine Heiligenlegende zurückgehende Oper erst nach dem kläglichen Ende der Revolution und nur zu bescheidenem Erfolg. Bis heute leiden die „Genoveva“-Produktionen am Anachronismus von Handlung und Text. Dem steht aber die einst in vielen Details innovative und fortdauern reichlich wunderhorntönende Musik gegenüber.

Edle Einfalt – Rossinis „Elisabetta“ im Theater an der Wien

24.03.17 (Frieder Reininghaus) -
Rossinis „Elisabetta“ leibhaftig auf der Bühne! Das ist eine Rarität. Sie erinnert an jene Zeiten, in denen sich nicht nur die Yellow Press, sondern auch das Musiktheater noch für Royals interessierte. Und nicht nur das: Die Anteilnahme der Oper ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts über die bloße Neugier und Beschönigung weit hinaus.

Ich tu, was ich will – Peter Konwitschny inszeniert Werner Egks „Peer Gynt” im Theater an der Wien

19.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Es war fürwahr nicht alles schlecht, was die deutschen Musiktheater zwischen 1933 und der kriegsbedingten Schließung der Theater hervorbrachten. Zu den markantesten Arbeiten auf hohem handwerklichem Niveau gehörte „Peer Gynt“. Der Komponist, der 1901 bei Donauwörth geborene Werner Mayer, nannte sich in seinem Willen zu einer zeitbedingt karrierefördernden Schnittigkeit Werner Egk. Der als hochbegabt eingestufte Musiker, seit 1936 an der Berliner Staatsoper als Kapellmeister tätig, reduzierte das einst im Theaterrepertoire fest verankerte dramatische Gedicht Henrik Ibsens mit Geschick und schrieb ihm eine neusachlich inspirierte, moderat moderne Musik zu, die erst im neunten und letzten Bild dem kompositorischen Über-Ich Richard Strauss offen huldigt.

„La Reine“ – eine Kreation mit Berlioz und Wagner, Rimbaud und Benn in Mannheim

15.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Trümmer stechen ins Auge. Der letzte Krieg scheint dem Land der Königin nicht gut bekommen zu sein. Die Signatur der Zerstörung bestimmt die Bühne des Nationaltheaters. Martin Kukulies ließ sie für die Solo-Performance von Angela Denoke bereitstellen: einen ausgeklinkten Pilotensitz, einen lädierten Flugzeugmotor, eine noch auf den Einsatz wartende Fünf-Zentner-Bombe, den Torso eines Pferde-Denkmals und das Fragment eines Krieger-Standbilds. Eine unwirtliche Landschaft für Musik, die sich exzessiv der Liebe und Schönheit hingibt.

Schwerer Einschlag in Putiwl – Dmitri Tcherniakovs „Fürst Igor“-Inszenierung in Amsterdam

10.02.17 (Frieder Reininghaus) -
„Knjas Igor“ gehört zu den großen Sorgenkindern der Musiktheatergeschichte. Der als Naturwissenschaftler international bekannte Militärarzt Alexander Borodin, nebenbei ein hoch talentierter Musiker und Komponist, entwickelte Ende der 1860er Jahre den Plan, aus dem altrussischen Epos „Slowo o polku Igorewe“ eine musikdramatische Arbeit abzuleiten.

Gepflegte Rohheit – Philipp Krenn inszeniert Brittens „Peter Grimes“ in Wiesbaden, Dietrich Hilsdorf Verdis „Attila“ in Bonn

07.02.17 (Frieder Reininghaus) -
Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“, 1945 mit renitenten Intentionen und widerständigem Potential in die konservative Londoner Musiktheaterlandschaft gepflanzt, huldigt einem Außenseiter. Britten erkundete mit sensiblen Instrumentalklanggespinsten und deftigen Gesangspartien das Seelenleben eines Fischers, wie er wohl vor zweihundert Jahren an einem gottverlassenen Abschnitt der rauen Nordseeküste Englands anzutreffen war.

Reich und glücklich? – Mischa Spolianskys Revue „Wie werde ich reich und glücklich?“ am Nationaltheater Mannheim

24.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Die Rekonstruktion der unterschiedlichen Glückserwartungen und eines Films zu ihnen: Der alte Charme einer Berliner Revue von Felix Joachimson und Mischa Spoliansky feiert am Nationaltheater Mannheim Auferstehung. Das Sonderkommando Himmelfahrt unter Einsatzleiter Jan Dvořák bringt Bewegung in eine Frage, die für die meisten längst gelöst schien.

Shakespeare hübsch weggeputzt – Henry Purcells Semi-Opera „The Fairy-Queen” im Theater an der Wien

20.01.17 (Frieder Reininghaus) -
In der Mitte des 17.Jahrhunderts, während der Jahrzehnte der Puritaner-Herrschaft der Cromwells, blieben in England die Theater zwangsweise geschlossen. Aber auch nach 1660, als die mehr oder minder moralischen Anstalten wieder aktiv werden durften, hatte die italienische Oper in London einen schweren Stand – anders als im übrigen Europa, wo die Hofopern allüberall und durchweg das ganz auf Musik gestützte dramma per musica pflegten.
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