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Alle Artikel kategorisiert unter »Tiago de Oliveira Pinto«

Fetischisierung oder Entzauberung ?

Im April 2021 richtete Fabien Lévy kritische Fragen an die Ausbildung und zur Rolle deutscher Musikhochschulen (nmz 4/2021). Seine Verwunderung bezieht sich auf die stark kodierte und eng am westlichen kulturellen Erbe ausgerichtete Instrumental- und Gesangspraxis in diesen Institutionen. Die Tendenz, dass demzufolge Absolventinnen und Absolventen von Musikhochschulen ein „eher konservatives bürgerliches Publikum“ bedienen, das kaum bereit ist, „andere Repertoires, andere Autor*innen und andere Hörweisen“ als die der sogenannten europäische Kunstmusik zu rezipieren ist offensichtlich. Für Fabien Lévy sind Lehre und Praxis der „ernsten Musik“ an Musikhochschulen wesentlich bestimmt von Virtuosität und von der Kontinuität einer bestimmten Aufführungstradition, die er beschreibt und kritisch hinterfragt.

„Wir müssen retten, was zu retten ist“

Am Tag, an dem die Taliban in Kabul einzogen, holte Ustad Namir[i] seine beiden Rubab (Kurzhalslaute) hervor, beriet sich mit seiner Familie ob er die Instrumente zerstören und entsorgen, oder ob er sie auseinandernehmen und in verschiedenen Kellern verteilt verstecken sollte. Als die Taliban vor 25 Jahren zum ersten Mal die Macht ergriffen hatten, waren bekannte Musiker wie Ustad Namir die ersten, die das Land fluchtartig verließen. Wer zurückblieb, wurde gefoltert, Musikinstrumente gingen vor den Augen von Musikern in Flammen auf. Namir hatte damals fünf Jahre im pakistanischen Exil verbracht. Diesmal versteckte Ustad Namir seine Instrumente in Kabul. Kurz nach Neujahr 2022 ist er mit seiner Frau, einem kleinen Handgepäck und ohne Rubab in Deutschland eingetroffen.

Globale Kontexte, kulturelle Begegnungen

Wie klingt die Welt jenseits unseres Lebensraumes? Diese Frage stellte schon Robert Schumann in den 1830er Jahren, als er versuchte, sich „Die Musik der Tropenländer“ auszumalen: „Bis jetzt kennen wir nur deutsche, französische und italienische Musik als Gattungen. Wie aber, wenn die anderen Völker dazu kommen, bis nach Patagonien hin?“, äußerte er sich interessiert. Als 2009 der Lehrstuhl für Transcultural Music Studies am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena eingerichtet wurde, war das Wissen um die Vielfalt der Musik in der Welt natürlich sehr viel größer als es sich Schumann je hätte vorstellen können – und ist nunmehr Thema bei sämtlichen Musikausbildungen. Lehrstuhl-Inhaber Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto blickt auf elf intensive Jahre in transkultureller Forschung und Lehre zurück.
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