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Thomas Grosse: Foto: Simon Jordan

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Der Musik und der Gesellschaft verpflichtet

Untertitel
Thomas Grosse leitete als Rektor zwölf Jahre lang die Hochschule für Musik Detmold
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Im Gespräch mit Thomas Grosse zum Abschluss seiner Amtszeit in Detmold Ende September wird immer wieder ein zentraler Gedanke sichtbar, der sich wie ein roter Faden durch die langjährige Arbeit des Hochschullehrers zu ziehen scheint: „Es gilt, Menschen so zu begeistern, dass sie sich ein Leben lang mit Musik beschäftigen wollen.“ Musik ist es, die ihn selbst schon sein ganzes Leben lang begleitet und prägt. Und seiner Mission konnte Grosse in den zurückliegenden Jahrzehnten auf ganz unterschiedliche Weise und an diversen Orten nachkommen. Zum einen als Oboist in verschiedenen Orchestern, vor allem aber auch als Lehrer an Musikschulen und Hochschulen.

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In den letzten zwölf Jahren wirkte Grosse vor allem als Rektor der Hochschule für Musik im ostwestfälischen Detmold – eine renommierte Ausbildungsstätte im Reigen der bundesdeutschen Kunst- und Musikhochschulen, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern konnte. Hinzu kam die Aufgabe als Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Kunst- und Musikhochschulen NRW. Dennoch: Grosse ist das geworden und bis heute stets geblieben, was er schon zu Beginn seines Musikstudiums immer sein wollte: Musiklehrer. Parallel zu allem, was die Hochschulen von ihm als Professor und Rektor gefordert haben. „Rektor ist ein Amt – Musikschullehrer ist ein Beruf“, konstatiert Grosse. Und man könnte präzisieren: Lehrer zu sein, ist seine Berufung, weshalb er nach wie vor mit Begeisterung und Engagement als Dozent an Musikschulen tätig ist.

Es ist diese Erdung, die Verwurzelung mit der Basis, an der elementares Wissen und praktische Fähigkeiten zu vermitteln sind. „Instrumental- und Gesangspädagogik, vor allem auch Musikvermittlung bilden letztendlich die Grundlage für unser ganzes exzellentes Künstlertum“, so Grosse. Er weiß sehr genau, wovon er da spricht, denn in dieser Hinsicht verfügt Grosse sowohl über große Erfahrung als auch wissenschaftliche Expertise. Schließlich übernahm er im Jahr 1998 eine Professur für Ästhetische Kommunikation mit Schwerpunkt Musik an der Evangelischen Fachhochschule Hannover, leitete dann als Dekan den Fachbereich Sozialwesen. Gleichzeitig war er Lehrbeauftragter für Musikpädagogik/Musikwissenschaft an der Universität Hildesheim im Fachbereich II (Kulturwissenschaft und Ästhetische Praxis). 2006 wurde er promoviert mit einer Untersuchung zum Thema „Instrumentaler Gruppenunterricht an Musikschulen am Beispiel des Landes Niedersachsen“.

Thomas Grosse weitet den Blick, richtet ihn auf die Funktion von Kunst und Kultur innerhalb der Gesellschaft und formuliert ein Ziel, das ihn auch seit der Übernahme des Detmolder Rektorates angetrieben hat: „Wir müssen die gesellschaftliche Bedeutung von Musik auf allen Ebenen stärken. Und das sind eben nicht nur der Deutsche Musikrat und die Hochschulrektorenkonferenzen, sondern es sind auch die Hochschulen selbst, die sich immer wieder vor Ort ganz stark engagieren müssen. Also heraus aus dem Elfenbeinturm – wobei Detmold schon immer eine sehr offene Hochschule war.“

Elfenbeinturm? Sicher gibt es nach wie vor künstlerische Ausbildungsstätten, denen es um Spitzenleistungen von Spitzenstudierenden geht. Grosse denkt da etwas weiter. „Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Musikhochschulen immer da gut fahren, wo sie sich nicht klein machen – aber auch nicht nur die reine Exzellenzargumentation bemühen. Denn wenn ich nur exzellent bin, bin ich nicht so anschlussfähig. Und das ist eine grundsätzliche politische Strategie: Entweder will ich mich als Exzellenzhochschule in einem eng begrenzten Bereich stärken – oder ich will mich durch Vernetzung und Kooperation so aufstellen, dass ich aus einem umfassenderen Bildungssys­tem nicht mehr herauszudenken bin.“ Umfassenderes Bildungssystem – die Chance, dafür zu werben, hat Grosse immer genutzt: „Ich war ja zehn Jahre lang Sprecher der Landesrektorenkonferenz und in dieser Zeit immer mit den Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Gespräch. Ich habe stets betont, dass wir als Kunsthochschulen zwar klein sind und nur ein Prozent der Studierenden in NRW halten, aber wir sind eigenständige, wichtige, wertvolle Hochschulen, die übrigens auch Wissenschaft betreiben. Alles, was uns Musikhochschulen passiert, kann euch auch passieren – alles Gute könnt ihr auch einfordern.“ Die landesweite Zusammenarbeit habe immer „unglaublich gut“ funktioniert. Und bundesweit, so Grosse, seien die Musikhochschulen mittlerweile ohnehin sehr sichtbar und entwickelten auch Projekte auf neuen Feldern wie Digitalität, Informatik oder im Bereich Musikvermittlung.

Womit ein wichtiges Terrain benannt ist, das Grosse besonders am Herzen liegt: eben Musikvermittlung, und hier besonders der Aspekt der Weiterbildung. „Wir haben in Detmold 2019 ein Weiterbildungs- und Transferinstitut gegründet für lebenslanges Lernen in der Musik: „L3Musik“. Das Angebot richtet sich an Musiker:innen, Musikpädagog:innen, Lehrende an Schulen und Musikschulen, Studierende und weitere Musikinteressierte aus allen Generationen. Ich bin sicher, das Thema Weiterbildung wird auf lange Sicht ein drittes Standbein der Musikhochschulen.“ Weil die Bedarfe da sind und weiter wachsen. Und weil man dem Nachwuchsmangel in Sachen Lehramt, und bei Lehrkräften an Musikschulen sowie in freier Tätigkeit dadurch begegnen kann. Es gelte, das Berufsfeld Musik und vor allem Musikpädagogik, das sich zunehmend dynamisch wandelt, noch attraktiver zu machen. Auf neue Lehrsituationen, so Thomas Grosse, müsse man mit innovativen und umfassenderen Weiterbildungskonzepten reagieren. Mit Seminaren, Workshops, Zertifikatsangeboten et cetera. Um diese für die Teilnehmenden bezahlbar zu gestalten, muss das europäische Beihilferecht berücksichtigt werden und deshalb wurde eine spezielle Regelung in das Kunsthochschulgesetz des Landes NRW aufgenommen. „Künstlerische Weiterbildung wird als hoheitliche Aufgabe betrachtet“. Dies führt dazu, dass sie von den entsprechenden Einrichtungen tatsächlich nicht voll kostendeckend angeboten werden muss. „Das ist wichtig, weil in pädagogischen oder sozialen Arbeitsfeldern Tätige sich Weiterbildung oft nicht leisten, sie aber wirklich gebrauchen können.“ Mittlerweile findet sich diese im Kunsthochschulgesetz NRW erstmals angewandte Argumentation in den Hochschulgesetzen vieler Bundesländer wieder. Sie trägt wesentlich dazu bei, die aktuellen und zukünftigen Angebote an Hochschulen zur Verfügung stellen zu können.

Ein Grundsatz bleibt nachdrücklich haften. Thomas Grosse: „Wir sind alle der Musik verpflichtet – aber wir stehen auch alle in gesellschaftlicher Verantwortung. Auch dadurch, den tradierten Begriff Musik aufzubrechen und offener zu werden.“ Die Detmolder Musikhochschule hat sich während des Rektorates von Grosse ganz gewiss geöffnet und darf zuversichtlich auf die kommenden Jahre blicken.

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