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Alle Artikel kategorisiert unter »Christoph Schulte im Walde«

Großer Opernabend von enormer emotionaler Dichte – Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Viele Jahre lang war das Essener Aalto-Theater im Ruhrgebiet quasi die „erste Adresse“ in Sachen Oper. Doch seit zwei, drei Spielzeiten verlagert sich offenbar diese Spitzenposition. Mehr und mehr entwickelt sich das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen mit seinen Inszenierungen zum führenden Opernhaus der Metropolregion. Was sich wieder einmal bestätigt angesichts der jüngsten Premiere von Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“.

Treibstoff für eine gelungene Farce – Rezniceks „Benzin“ am Theater Bielefeld

Wer der mittleren und älteren Generation des Opernpublikums angehört, aber mit dem Namen Emil Nikolaus von Reznicek nichts verbindet, kennt dennoch zumindest ein Stück dieses Komponisten: die Ouvertüre aus „Donna Diana“. Denn diese schwungvolle Musik eröffnete bis 1985 in der Bundesrepublik Jahre lang das Fernsehratespiel „Erkennen Sie die Melodie?“ Reznicek und die meisten seiner restlichen Bühnenwerke sind aber längst dem Vergessen anheimgefallen. Diesem Vergessen wirkt das Theater Bielefeld nun entgegen – und bringt Rezniceks „heiter-phantastisches Spiel mit Musik in zwei Akten“ auf die Bühne. Sein skurriler Titel: „Benzin“!

Gesamtkulturelle Verpf lichtung statt Nabelschau

Sinfonieorchester, Konzerthäuser, auch freie Instrumental- und Vokalensembles kümmern sich bereits seit Jahren um das Thema Musikvermittlung. Etliche Education-Projekte für diverse Zielgruppen sind inzwischen entwickelt worden, stets mit der Intention, einem Publikum von Jung bis Alt das Erleben von Musik als immaterielles „Lebensmittel“ anzubieten, es neu zu erschließen. Nachholbedarf im Hinblick auf dieses wichtige Thema hat stellenweise immer noch die Kirchenmusik. Drängt doch die Frage, wie in einem rasant säkularer werdenden 21. Jahrhundert die Tradition der Kirchenmusik und deren Botschaft in all ihrer ganzen Spannbreite zwischen Singen und ins­trumentalem Musizieren sinnvoll weiter zu geben ist, ob im geistlichen Konzert oder im Gottesdienst.

Raum für Neue Orgelmusik

Orgelkonzerte sind im allgemeinen Musikbetrieb immer irgendwie etwas Spezielles. Vielleicht deshalb, weil solche Veranstaltungen aus naheliegenden Gründen nicht in erster Linie im Konzertsaal, sondern überwiegend in Kirchen stattfinden. Vielleicht liegt es auch am Charakter der Musik, die oft als „geistlich“ empfunden wird, auch wenn viel Orgelmusik spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts längst profan gemeint ist. Orgelkonzerte ziehen auch eine bestimmte Hörer-Klientel an, die sich aus Menschen zusammensetzt, von denen sich nicht wenige durchaus als Orgel-Experten bezeichnen würden, die aber oft aus dem Milieu des Ins­truments stammen. Aus diesem Grund gibt es wenig Außenkontakt der Orgelszene und kaum Berührungspunkte mit aktuellen Komponisten.

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen 45 Jahre lang war ihm das Theater Beruf und Berufung gleichermaßen, 27 Jahre davon hat er als Intendant gewirkt, die letzten zehn als Verantwortlicher des Theaters Hagen, auf der Grenze Westfalens zum Sauerland gelegen: Norbert Hilchenbach. Er hat sich nun mit einer letzten Inszenierung als Theatermann verabschiedet. In Hagen feierten die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Premiere und ernteten mächtig Beifall.

Individuelle Spuren einer Initialzündung

Das war ein mächtig buntes Treiben auf der großen Bühne des Wuppertaler Opernhauses: rund 140 Kinder füllten sie Anfang März mit Leben, als es darum ging, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um den Liebesabenteuern von Pulcinella, diesem lustigen Gesellen, nachzuforschen und mitzuerleben.

Imponierender Opernchor: Giorgio Battistellis „Orchesterprobe“ in Münster

Giorgio Battistelli ist in seinem Heimatland Italien fraglos der führende Komponist in Sachen zeitgenössisches Musiktheater. Zwanzig Bühnenwerke hat er inzwischen geschrieben – etliche sind längst außerhalb Italiens in ganz Europa inszeniert worden, zuletzt noch „Lot“ (im April im Staatstheater Hannover). In Münster wurde ein Jahr zuvor Battistellis „Experimentum Mundi“ in einer Neufassung uraufgeführt. Münsters Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura, in demselben Ort nahe Rom geboren wie der Komponist, brachte nun die „Orchesterprobe“ auf die Bühne.

Polystilistisch: Reynaldo Hahns „Le Marchand de Venise“ am Theater Bielefeld

Es hat lange, sehr lange (wenngleich nicht kontinuierliche) Tradition am Theater Bielefeld, Opernraritäten auszugraben, Uraufführungen zu präsentieren, Werke aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Erst im Januar 2017 kam Marc-André Dalbavies „Charlotte Salomon“ auf die Bühne – ein Stück aus dem Jahr 2014 über die von den Nazis 1943 in Auschwitz ermordete Malerin. Jetzt steht mit „Le Marchand de Venise“ eine der sechs Opern im Mittelpunkt, die Reynaldo Hahn (1874-1947) komponiert hat, die inzwischen aber allesamt dem Vergessen anheimgefallen sind. „Le Merchand de Venise“, 1935 in Paris uraufgeführt, erlebt in Bielefeld gar ihre deutsche Erstaufführung!

Klare Botschaft, starke Emotionen: Mieczyslaw Weinbergs Oper „Die Passagierin“ in Gelsenkirchen

Der Auftrag, „dass niemals vergessen werde“, was sich mitten im 20. Jahrhundert, inmitten einer Gesellschaft, die sich auf ihre hohe Kultur etwas einbildete – dieser Auftrag sich zu erinnern ist die wesentliche Botschaft, die in der Literatur, in der bildenden Kunst und gerade auch in der Musik nach dem Zivilisationsbruch Auschwitz steckt. Mit Mieczyslaw Weinbergs Oper „Die Passagierin“ steht nun im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier ein Werk auf dem Spielplan, das auf besonders eindrucksvolle Weise die Erinnerung an die Gräuel der Nazis und den millionenfachen Tod von Menschen wachhalten kann.

Atemberaubende Klanglandschaften – Alban Bergs „Lulu“ in Weimar

Erstaunlich: Alban Bergs Oper „Lulu“ ist schon fast achtzig Jahre alt – im Deutschen Nationaltheater Weimar jedoch war dieses fraglos zum Kernrepertoire des 20. Jahrhundert gehörende Werk bislang noch nie zu erleben! Regisseurin Elisabeth Stöppler ist also die erste, die die Geschichte rund um Lulu und ihre Verehrer auf die traditionsreiche Bühne bringt.
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