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Alle Artikel kategorisiert unter »Christoph Schulte im Walde«

Offene Lesart – Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ in Hagen

Das Theater Hagen punktet seit vielen Jahren mit einem ambitionierten Opernspielplan: auf der einen Seite das „klassische“ Repertoire, das vom „klassischen“ Opernpublikum gern goutiert wird, auf der anderen Seite Raritäten und Uraufführungen, die den lobenswerten Mut der Theatermacher belegt, neue Wege zu gehen jenseits ausgetretener Pfade. So auch jetzt zum Ende der Spielzeit, die ja gar keine war.

Raumgreifende Partnerschaft

Als Fritz Volbach (1861–1940) kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs vom Rat der Stadt Münster als erster Städtischer Musikdirektor installiert wurde, war seine Aufgabe keine geringere, als „Ordnung in die verrotteten Verhältnisse“ (O-Ton Volbach) zu bringen und ein solides Orchester zu gründen. Dies gelang ihm vortrefflich und in kürzester Zeit. Bereits vor seiner offiziellen Anstellung drängte Volbach überdies auf die Gründung einer Musikschule und erreichte darüber hinaus auch die Anstellung als Professor für Musikwissenschaft an der Universität.

Mischung unter Spannung – Uraufführung des Musicals „Pauline“ am Theater Detmold

Einhundert Jahre Theater Detmold – das Finale der laufenden Jubiläumssaison 2019/2020 haben sich die Theatermacher*innen vor Ort gewiss anders vorgestellt. Doch trotz aller Beschränkungen: vor Ende der Saison hob sich der Vorhang denn doch noch einmal – im Innenhof des Theaters unter freiem Himmel, bei gutem Wetter und mit Lokalkolorit. Denn was jetzt als letzte Inszenierung über die Bühne ging, war die Uraufführung des Musicals „Pauline“.

Geschlossener Raum für rasende Gefühle – Verdis „Il Trovatore“ an der Oper Köln

Will Humburg dirigiert in Köln einen Verdi, der das Publikum in die Sitze drückt, weite dynamische Gegensätze aufspannt und das Orchester zu einem Vehikel macht, das durch große Gefühle rast. Über Tcherniakovs Interpretation dieser „Geschlossenen Gesellschaft“ lohnt es sich jedenfalls nachzudenken; Giuseppe Verdi hätte das vermutlich ganz gut gefallen, meint unser Kritiker Christoph Schulte im Walde.

Ein wirklich teuflisches Spiel – Tomo Sugao inszeniert Gounods „Faust“ am Theater Bielefeld

Tomo Sugao, der 1979 im japanischen Sapporo geborene Opernregisseur, macht schon seit etlichen Jahren international als kreativer Mensch auf sich aufmerksam. In der deutschsprachigen Theaterszene präsentierte er Inszenierungen unter anderem in Zürich, am Mainfranken-Theater Würzburg („Nixon in China“ und „Götterdämmerung“) und zuletzt im vergangenen Jahr in der Oper Dortmund seine Sichtweisen auf Puccinis „Turandot“ und „Madama Butterfly“. Seine jüngste Produktion, Charles Gounods „Faust“, feierte am vergangenen Wochenende am Theater Bielefeld Premiere. Eine bemerkenswerte Lesart, wie unser Autor Christoph Schulte im Walde meint.

Kaleidoskopartig schillerndes Tableau – Händels „Alcina“ in Düsseldorf

Barockoper mit dem hauseigenen Orchester auf modernen Instrumenten? So wie jüngst im Essener Aalto-Theater bei Scarlattis „Kain und Abel oder Der erste Mord“? Oder doch mit einem Spezialensemble als Gast, das auf historischem Instrumentarium spielt? Für letztere Version hat sich die Düsseldorfer Rheinoper entschieden, um Georg Friedrich Händels „Alcina“ aus dem Jahr 1735 umzusetzen. Mit Erfolg, wie sich am Premierenabend zeigte.

Ein starkes Stück Musiktheater – Giselher Klebes „Der jüngste Tag“ in Detmold

Als deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts hat sich Giselher Klebe schon als junger Mann durchaus einen Namen gemacht, erhielt er doch etliche renommierte Preise und war gleich zwei Mal als Stipendiat in der Villa Massimo. 1957 begann er seine Lehrtätigkeit an der damaligen „Nordwestdeutschen Musikakademie“ in Detmold, an der er mehr als 30 Jahre lang wirkte und auch nach seiner Emeritierung als Professor im Jahr 1990 weiterhin etliche Schüler*innen unterrichtete. Die Detmolder Hochschule nicht weniger als das Landestheater Detmold widmen sich immer wieder Klebes Oeuvre. So geriet etwa die Uraufführung der letzten von Klebe vollendeten Oper „Chlestakows Wiederkehr“ (nach Nicolai Gogols Roman „Der Revisor“) im Jahr 2008 zu einem großen Erfolg. Jetzt brachte Regisseur Jan Eßinger die 1980 entstandene Oper „Der jüngste Tag“ heraus.

Emotionen, zum Greifen nah – Alessandro Scarlattis „Kain und Abel“ in Essen

Über 170 Inszenierungen hat Regisseur Dietrich W. Hilsdorf inzwischen vorgelegt – allein 19 Opernproduktionen konnte er bislang am Essener Aalto-Theater realisieren. Am vergangenen Wochenende präsentierte er seine Nummer Zwanzig mit Alessandro Scarlattis „Kain und Abel“. Erst kürzlich war das Oratorium in szenischen Umsetzungen in Paris und Berlin zu erleben. Nun also Essen.

Beklemmend: Jerry Bocks Erfolgsmusical „Anatevka“ am Theater Münster

Anatevka, ein verschlafenes Nest irgendwo in der russischen Provinz abseits der großen Stadt Kiew. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Hier hält man es noch mit der Tradition. Vor allem die jüdischen Bewohner orientieren sich streng an den überkommenen gesellschaftlichen Ritualen wie an den religiösen Geboten, beides sind ohnehin ein und dasselbe. Sie geben Halt, sie liefern die Leitplanken für das eigene Denken und Tun. Auch Tevje, der Milchbauer, ist ein Mann von Prinzipien und tradierten Überzeugungen. Oder? Vielleicht nicht so ganz!

Theatergeburtstag in Gelsenkirchen mit Janaceks „Die Sache Makropulos“

Das Gelsenkirchener „Musiktheater im Revier“ feiert Jubiläum. Vor sechzig Jahren wurde das Haus am Kennedyplatz eröffnet und zog dank seiner außergewöhnlichen Gestaltung nicht weniger Aufmerksamkeit auf sich als der drei Jahre zuvor in Münster fertiggestellte erste Theaterneubau in der Nachkriegszeit. Das im Wesentlichen auf das Konzept des Architekten Werner Ruhnau zurückgehende Gelsenkirchener Haus lebt von seinem offenen, gläsernen Foyer und damit einer direkten Sichtachse zur Stadt. Legendär sind auch die Foyers mit ihren tiefblauen Schwämmen aus Gips, die von Yves Klein gestaltet wurden.
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