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Alle Artikel kategorisiert unter »Christoph Schulte im Walde«

Ohne Dogmatismus und Scheuklappen – KlangZeit 2018 in Münster

Es ist die Mischung aus Beharrlichkeit, Mut, Fantasie und Risikobereitschaft, die man den Protagonisten der „Gesellschaft für Neue Musik Münster“ (GNM Münster) bescheinigen muss. Eine Handvoll Leute initiierte vor 18 Jahren ein erstes großes Festival für zeitgenössische Musik in der Westfalenmetropole – die „KlangZeit 2000“. Das Projekt glückte und kam gut an. Zwei Jahre später folgte das nächste Festival – und so weiter… Trotzdem wird damals niemand damit gerechnet haben, dass dieser ambitionierte Konzertzyklus der GNM Münster Kontinuität entwickeln würde. Hat er aber! Und so gab es jetzt von Ende Mai bis Mitte Juni die jüngste Ausgabe, die zehnte „KlangZeit 2018“. Ein kleines Jubiläum also. Und auch das kam gut an.

Masetto droht mit dem Sparschäler – „Don Giovanni“ am Theater Münster

Erst stirbt der Komtur, am Ende Don Giovanni – und zurück bleiben ein paar verwundete Seelen. Ist Mozarts „Don Giovanni“ ein heiteres Stück? Regisseur Christian von Götz meint: ja. Und inszeniert in Münster ein lebhaftes und buntes Treiben.

Sidney Corbetts „San Paolo“ am Theater Osnabrück uraufgeführt

Sidney Corbett, der 1960 in Chicago geborene Komponist, ist in Osnabrück kein Unbekannter: 2013 war das Theater der Domstadt Ort der Aufführung von Corbetts Oper „Das große Heft“ – jetzt folgte eine zweite Uraufführung einer weiteren Osnabrücker Auftragsarbeit: „San Paolo“. Im Mittelpunkt: die historische Figur des Apostels Paulus.

Ohne Gespür: Dominique Horwitz vergeigt Dimitri Schostakowitschs „Moskau, Tscherjomuschki“ am MIR Gelsenkirchen

Das Problem ist seit etlichen Jahren hinlänglich bekannt: Wohnraum in Deutschland ist knapp! Knapp für junge Paare, die händeringend nach ihren ersten eigenen vier Wänden suchen, knapp für Menschen mit geringem Einkommen, für Geflüchtete, für Rentner, deren Monatsbudget mehr als prekär ausfällt. Also müssen bezahlbare „Hütten“ her! Im Jahr 2017 fehlten – je nachdem, welche Studie man heranzieht – bis zu 1,2 Millionen Wohnungen!

Melange aus Realität und Fantasie – Peter Eötvös‘ „Angels in America“ am Theater Münster

Als das Theaterstück „Angels in America“ 1991 am Broadway uraufgeführt wurde, wurde sein Autor Tony Kushner damit über Nacht berühmt. Wenig später war das Stück auf vielen internationalen Bühnen zu erleben und erhielt mehrfach Auszeichnungen, darunter 1993 den Pulitzer-Preis. Dreizehn Jahre später beendete der Komponist Peter Eötvös die Arbeit an seiner Oper, die sich am Inhalt von Kushners „Angels in America“ orientiert und 2004 im Pariser Théâtre de Châtelet erstmals auf der Bühne zu sehen und zu hören war.

Großer Opernabend von enormer emotionaler Dichte – Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Viele Jahre lang war das Essener Aalto-Theater im Ruhrgebiet quasi die „erste Adresse“ in Sachen Oper. Doch seit zwei, drei Spielzeiten verlagert sich offenbar diese Spitzenposition. Mehr und mehr entwickelt sich das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen mit seinen Inszenierungen zum führenden Opernhaus der Metropolregion. Was sich wieder einmal bestätigt angesichts der jüngsten Premiere von Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“.

Treibstoff für eine gelungene Farce – Rezniceks „Benzin“ am Theater Bielefeld

Wer der mittleren und älteren Generation des Opernpublikums angehört, aber mit dem Namen Emil Nikolaus von Reznicek nichts verbindet, kennt dennoch zumindest ein Stück dieses Komponisten: die Ouvertüre aus „Donna Diana“. Denn diese schwungvolle Musik eröffnete bis 1985 in der Bundesrepublik Jahre lang das Fernsehratespiel „Erkennen Sie die Melodie?“ Reznicek und die meisten seiner restlichen Bühnenwerke sind aber längst dem Vergessen anheimgefallen. Diesem Vergessen wirkt das Theater Bielefeld nun entgegen – und bringt Rezniceks „heiter-phantastisches Spiel mit Musik in zwei Akten“ auf die Bühne. Sein skurriler Titel: „Benzin“!

Gesamtkulturelle Verpf lichtung statt Nabelschau

Sinfonieorchester, Konzerthäuser, auch freie Instrumental- und Vokalensembles kümmern sich bereits seit Jahren um das Thema Musikvermittlung. Etliche Education-Projekte für diverse Zielgruppen sind inzwischen entwickelt worden, stets mit der Intention, einem Publikum von Jung bis Alt das Erleben von Musik als immaterielles „Lebensmittel“ anzubieten, es neu zu erschließen. Nachholbedarf im Hinblick auf dieses wichtige Thema hat stellenweise immer noch die Kirchenmusik. Drängt doch die Frage, wie in einem rasant säkularer werdenden 21. Jahrhundert die Tradition der Kirchenmusik und deren Botschaft in all ihrer ganzen Spannbreite zwischen Singen und ins­trumentalem Musizieren sinnvoll weiter zu geben ist, ob im geistlichen Konzert oder im Gottesdienst.

Raum für Neue Orgelmusik

Orgelkonzerte sind im allgemeinen Musikbetrieb immer irgendwie etwas Spezielles. Vielleicht deshalb, weil solche Veranstaltungen aus naheliegenden Gründen nicht in erster Linie im Konzertsaal, sondern überwiegend in Kirchen stattfinden. Vielleicht liegt es auch am Charakter der Musik, die oft als „geistlich“ empfunden wird, auch wenn viel Orgelmusik spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts längst profan gemeint ist. Orgelkonzerte ziehen auch eine bestimmte Hörer-Klientel an, die sich aus Menschen zusammensetzt, von denen sich nicht wenige durchaus als Orgel-Experten bezeichnen würden, die aber oft aus dem Milieu des Ins­truments stammen. Aus diesem Grund gibt es wenig Außenkontakt der Orgelszene und kaum Berührungspunkte mit aktuellen Komponisten.

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen 45 Jahre lang war ihm das Theater Beruf und Berufung gleichermaßen, 27 Jahre davon hat er als Intendant gewirkt, die letzten zehn als Verantwortlicher des Theaters Hagen, auf der Grenze Westfalens zum Sauerland gelegen: Norbert Hilchenbach. Er hat sich nun mit einer letzten Inszenierung als Theatermann verabschiedet. In Hagen feierten die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Premiere und ernteten mächtig Beifall.
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