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Anbetung eines Säulenheiligen: Jürgen Oberschmidt (li.) und Michael Maul bringen J.S. Bach dem Leipziger Publikum nahe. Fotos: Susanne van Loon

Anbetung eines Säulenheiligen: Jürgen Oberschmidt (li.) und Michael Maul bringen J.S. Bach dem Leipziger Publikum nahe. Fotos: Susanne van Loon

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Näher war man Bach noch nie

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Musikgeschichten von Bundesverband Musikunterricht und neuer musikzeitung
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Erstmals in ihrer Geschichte hat die Leipziger Buchmesse mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher angezogen. Wie die Veranstalter am letzten Messetag mitteilten, kamen rund 313.000 Gäste zur Buchmesse, dem dazugehörigen Lesefestival „Leipzig liest“ und der Manga-Comic-Con. Vier Tage lang hatten sich 2.044 Aussteller aus 54 Ländern in Leipzig präsentiert.

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Überfüllten Ständen und Gängen zum Trotz trüben Zahlen des Börsenvereines des Deutschen Buchhandels das Bild etwas ein: Im vorigen Jahr musste der Buchhandel nach zuvor überwiegend stabilen Jahren einen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent hinnehmen. Und auch die ersten Monate 2026 entwickelten sich schwach und unter Vorjahresniveau. Nach wie vor bekennt sich die Buchmesse zur Musik und bietet in Halle 4 etlichen Ausstellern die Möglichkeit, sich an Verkaufsständen, aber auch auf dem gut besuchten Musik Café, zu präsentieren. Traditionell veranstaltete der BMU am Messe-Freitag den „Fachtag Musikunterricht“, eine attraktive Weiterbildungsmaßnahme für Musiklehrpersonen.

Neben Kursen und Weiterbildung gab es auf der Bühne des Musik Café kulturpolitische Debatten. Zu Besuch waren, etwa Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Sebastian Krumbiegel, Ex-Prinz, oder auch der Musikwissenschaftler und quirlige Intendant des Bachfestes Leipzig, Michael Maul, der es sich trotz Beinschiene und Krücken nicht nehmen ließ, für seinen „Superstar“ Johann Sebastian Bach und die musikalische Bildung als Voraussetzung für ein blühendes Musikleben in Deutschland zu werben.

Am 21. März 2026, dem 341. Geburtstag von J. S. Bach (julianischer Kalender), hielt Michael Maul ein Plädoyer für die musikalische Bildung: „Was mich heute zu dieser Podiumsdiskussion geführt hat, ist die Sorge, ob diese faszinierenden Themen wie Bach und klassische Musik, die ich mit verwalten darf, ob die in zehn, zwanzig, dreißig Jahren zu einer totalen Nische verkommen sind oder wenigstens noch ein Stück weit gesellschaftliche Relevanz haben.

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Ulrich Dreier von der Ricarda-Huch-Schule Hannover nimmt den BMU-Preis „Schulorchester stärken“ aus der Hand von Georg Biegholdt entgegen.

Ulrich Dreier von der Ricarda-Huch-Schule Hannover nimmt den BMU-Preis „Schulorchester stärken“ aus der Hand von Georg Biegholdt entgegen. 

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In den harten Diskussionen darum, was im Schulcurriculum nun Platz haben muss, möchte ich eine Lanze für die Beibehaltung eines qualifizierten Musikunterrichts brechen. Vor 500 Jahren hat Luther vier Wochenstunden Musik in den Schulen eingeführt. Das Ergebnis war eine gigantische Erfolgsgeschichte mitteldeutscher Barockmusik. Ein Bach wurde hier geboren und entdeckt, ein Telemann, ein Händel und so weiter. Ich verfolge die bildungspolitische Diskussion, Musikunterricht vielleicht nur noch fakultativ zu unterrichten. Der Lehrer kann entscheiden, macht er Werken oder macht er Malen oder Musik. Wenn das so kommt und ich mir dann vorstelle, wie kulturpolitische Diskussionen in 10, 20 Jahren laufen. Werden sich Länder und Kommunen dann weiterhin die traditionellen, hochsubventionierten Musikformate wie Orchester und Oper noch leisten wollen oder nicht? Ich habe große Angst davor, dass wir diesen Kampf komplett verlieren.“

Das neueste Schwert, das Maul in seinem musikpolitischen Kampf führt ist ein virtuelles: Es nennt sich Virtual Bach Experience: „Nach 275 Jahren ist Johann Sebastian Bach zurück in Leipzig. Dank Augmented Reality kann man ihn live in einem 55-minütigen Konzert erleben und überraschende Einblicke in sein Leben, seine Werke und seine Marotten erhalten.“ Näher war man Bach noch nie!

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