Orden für Al-Sisi - Stadtoberhaupt prüft Teilnahme an Ball [update: Frey entschuldigt sich]


28.01.20 -
Dresden - Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) verlangt im Zusammenhang mit der Vergabe des St. Georgs Ordens an den ägyptischen Präsidenten Aufklärung und prüft seine Teilnahme am diesjährigen Semperopernball (7. Februar). «Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie diese Ehrung zustande gekommen ist und nach welchen Kriterien diese erfolgte», sagte er nach Angaben von Rathaussprecher Kai Schulz auf Anfrage am Dienstag.
28.01.2020 - Von dpa, KIZ

ÓHilbert habe umgehend auch Informationen zu weiteren Ehrengästen und Preisträgern gefordert. «Ich behalte mir vor, ob ich wie bisher offiziell im Programm auftreten werde und mit meinen Gästen am Ball teilnehme.»

Der Dresdner Semperopernball hatte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Auszeichnung am vergangenen Sonntag in Kairo verliehen - trotz öffentlicher Kritik. Der Chef des Ballvereins, Hans-Joachim Frey, rechtfertigte die Entscheidung damit, dass der Ball eine Kultur- und keine politische Veranstaltung sei. Es gehe vielmehr darum, «mit der Sprache der Kultur Dialog herzustellen». Al-Sisi sorge in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung und sei als Präsident der afrikanischen Union die Stimme Afrikas.

Der ehemalige General und Armeechef war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist in Ägypten stark eingeschränkt.

 

[update, 22:40]

Protest gegen Orden für Al-Sisi - Ballvereins-Chef entschuldigt sich

Der Dresdner Semperopernball gilt als Kultur-Event. Die Organisatoren vergeben alljährlich den St.-Georgs-Orden an Prominente. Diesmal sorgte die Wahl des Preisträgers für so laute Misstöne, dass eine Entschuldigung folgte.

Dresden (dpa) - Empörung, Irritationen und eine Entschuldigung: Die umstrittene Verleihung des St.-Georgs-Ordens des Dresdner Semperopernballs an Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi am Sonntag hat für Proteste auf breiter Front gesorgt. Am Dienstagabend teilte Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey mit: «Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler.» «Uns sind die entstandenen Irritationen bewusst und wir bedauern sie von Herzen», teilte Frey weiter mit. Er bekräftigte, dass die Preisverleihung beim Ball keine Rolle spielen werde. «Sie wird weder in Wort noch im Bild im Programm des Semperopernballs oder im Fernsehen stattfinden.» Der Verein nehme die Debatte zum Anlass, über sein Selbstverständnis als Kulturbotschafter nachzudenken. Frey hatte in der Vergangenheit schon mit einer anderen umstrittenen Entscheidung Schlagzeilen gemacht: 2009 war Russlands Präsident Wladimir Putin Ballgast und Preisträger. 

Der Semperopernball soll am 7. Februar stattfinden. Schlagersänger Roland Kaiser und «Tagesschau»-Sprecherin Judith Rakers sollen durch den Abend führen - und denken nun über Konsequenzen nach. «Mich irritiert diese Verleihung sehr, und ich bin seitdem in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich als Moderatorin des Balls ziehen möchte», schrieb Rakers auf Twitter vor der Entschuldigung Freys. Aus dem «rauschenden kulturellen Ereignis» sei «ein politisches geworden», schrieb Kaiser auf Facebook. Seit Bekanntwerden dieser Verleihung sei er «in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich voraussichtlich ziehen werde».

Zuvor hatte auch der Oberbürgermeister der sächsischen Landeshauptstadt, Dirk Hilbert (FDP), mitgeteilt, seine Teilnahme zu prüfen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) behält nach Angaben der Staatskanzlei die Schirmherrschaft und wird den Ball wie geplant eröffnen. 

Der Opernballverein hatte Al-Sisi am Sonntag trotz öffentlicher Kritik in Kairo einen seiner St.-Georgs-Orden überreicht - in der Kategorie Politik und Kultur. Der frühere General und Armeechef war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. 

Vereinschef Frey hatte die Auswahl damit gerechtfertigt, dass der Ball eine Kultur- und keine politische Veranstaltung sei. Al-Sisi sorge in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung - und er sei als Präsident der afrikanischen Union die Stimme Afrikas.

Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Kai Gehring, Mitglied im Menschenrechtsausschuss, und Erhard Grundl, Kulturexperte, forderten Frey auf, die Entscheidung zurückzunehmen, auch um Schaden von der «hochgeschätzten» Semperoper abzuwenden. Al-Sisi sei «ein lupenreiner Autokrat und Anti-Demokrat», die Preisverleihung an ihn «ein Affront» gegen alle friedlichen Regimekritiker. 

Nach dem MDR hatte sich mit der «Sächsischen Zeitung» auch der langjährige offizielle Medienpartner des Balles distanziert. Die DDV-Mediengruppe twitterte: «Missachtung von Menschenrechten einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind mit Haltung und Selbstverständnis von Verlag und Redaktionen der Mediengruppe unvereinbar.»

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