Polnischer Saxophonist Tomasz Szukalsi gestorben


06.08.12 -
Am 2. August verstarb 65-jährig der polnische Saxophonist Tomasz Szukalski an den langwierigen Folgen eines Schlaganfalls. Freunde von ihm veranstalteten für ihren geschätzten Kollegen in den letzten Monaten noch Benefizkonzerte. Der eher traditionell ausgerichtete Szukalski beindruckte besonders durch sein intensives und zupackendes Spiel.
06.08.2012 - Von Hans Kumpf, KIZ

Tomasz Szukalski

Tomasz Szukalski (* 8. Januar 1947 in Warschau; † 2. August 2012 in Piaseczno]) war ein polnischer Musiker (Tenorsaxophon, Sopransaxophon, Bassklarinette und Komposition) des Modern Jazz.

Szukalski spielte Anfang der 1970er Jahre bei Jan Wróblewski und in der Band des Saxophonisten Zbigniew Namysłowski, zu hören auf dem legendären Album Winobranie. Mitte der 1970er wurde er auch im Westen durch seine Mitwirkung an den ECM-Alben Balladyna von Tomasz Stańko (1975) und Rodina von Edward Vesala bekannt. Sowohl mit Vesela als auch mit Stańko arbeitete er in den folgenden Jahren weiter. Seit 1979 war er Mitglied der Formation The Quartet (mit dem Pianisten Sławomir Kulpowicz, dem Bassisten Paweł Jarzębski und dem Schlagzeuger Janusz Stefański), mit dem er 2006 in Deutschland gastierte. Joachim-Ernst Berendt holte ihn 1981 zum New Jazz Meeting Baden-Baden, wo er unter dem Motto We Remember Coltrane mit Rashied Ali, Alan Skidmore, Roman Schwaller, Gerd Dudek, Leszek Zadlo und Albert Mangelsdorff spielte. Dann bildete er mit Wojciech Karolak und Czesław Bartkowski die Time Killers (gleichnamiges Album, 1984). In den nächsten Jahren arbeitet er im Duo mit Janusz Szprot, aber auch mit Grażyna Auguścik und Milan Svoboda.

1991 veröffentlichte Szukalski auf dem Label Polonia das Album „Body and Soul“ (mit Artur Dutkiewicz, Andrzej Cudzich und Marek Stach). Im Jahr 2000 leitete er ein Quartett mit Jarosław Śmietana, das das Album Phone Consultations vorlegte. Ende der 1990er Jahre wirkte er an dem Album Escape des Trompeters Piotr Wojtasik mit, 2001 an dem Album Grechuta des Wojciech Majewski Quintets. Auch nahm er mit Anna Maria Jopek und Agnieszka Skrzypek auf.

 

Themen:

Richtigstellung

Tomasz Szukalski wurde irgendwann zwischen Weihnachten 1947 und Neujahr 1948 im Elternhaus geboren. Die stalinistischen Besatzungsbehörden geben, als sein Geburtsdatum, den 8 Januar 1948 an, Datum des Tages, an dem seine Geburt an die sowjetischen Besatzungsbehörden gemeldet wurde.

Das Elternhaus von Tomasz wurde von der stalinistischen Mafia übernommen, Tomasz wurde regelmäßig beraubt und lebte seit Mitte der 1990-er Jahre in seinem Häuschen, einer art Schrebergarten, außerhalb von Warschau, wo er auch seit etwa 2006 von einem Geheimdienstagenten, der sich in seinem Häuschen einquartiert hat, ständig überwacht und provoziert wurde. Daraufhin erlitt Tomasz mehrere Hirnschläge und wurde etwa 2009 obdachlos.
Zu Tomasz’s letzten Auftritten gehörten auch zwei Touren mit Apostolis Anthimos und Arild Andersen.

Freunde, die Tomasz Hilfe und Unterbringung angeboten haben, wurden selbst gefoltert, verstümmelt, enteignet und vertrieben - sie sind gezwungen im Ausland zu leben.

Schwer krank verstarb Tomasz in einem Heim für Künstler südlich von Warschau, in dem er 2011 einen Platz dank dem Einsatz von vielen Jazzmusikern bekommen hat.

Nachdem Tomasz’s Asche in die Erde (einige hundert Meter von seinem geraubten Elternhaus) gelegt wurde, wurde Warschau’s neugebaute U-Bahn von Wasser überflutet.

Erst nach seinem Tod erhielt Tomasz eine staatliche Auszeichnung für seinen Beitrag für die polnische Kultur, sowie den Preis “Fryderyk” (Chopin) für sein Lebenswerk.

Näheres zu Tomasz’s Umfeld, zur Geschichte und zur aktuellen Zuständen in Polen:

http://sbb-music.jimdo.com


Ähnliche Artikel