Im Geburtsjahr von Stanley Clarke 1951 veröffentlichte die Firma Fender den ersten in Serie gefertigten Precision Bass und läutete damit ein neues Musikzeitalter ein. Denn von da an war der Bass nicht mehr das Ungetüm im Hintergrund, das man schlecht verstärken und transportieren konnte, sondern ein Präzisionsinstrument, mit dem seine Virtuosen solistische Heldentaten vollbringen konnten. Stanley Clarke sollte einer von ihnen werden. Geboren am 30. Juni 1951 in Philadelphia, hatte er das Glück, eine musikalische Mutter zu haben, die nicht nur gerne im Kirchenchor sang, sondern den Knaben auch zum Musizieren anhielt. Er lernte etwas Akkordeon, dann Geige, griff in der Schule aber zum Kontrabass, auch weil er sehr große Hände hatte und daher mit dem Instrument besser zurecht kam als andere in seiner Jahrgangsstufe.
Pionier der Bass-Gitarre – Stanley Clarke. Foto: Ralf Dombrowski
Position des Basses im Klanggefüge betont
Stanley Clarke war begabt, studierte Kontrabass an der Philadelphia Music Academy und zog nach seinem Abschluss 1971 weiter nach New York. Es war eine gute Zeit für Musiker mit viel Energie. Denn vieles wurde gerade erst erfunden und konnte spielend erforscht werden. Die Bass Guitar hatte Stanley Clarke schon in Party Bands erprobt, jetzt sollte sie zu seinem Markenzeichen werden. Als er kurz nach seinem Umzug den Pianisten Chick Corea traf, der nach der Arbeit mit Miles Davis und zeitgleich mit Free-Experimenten nach einem neuen rockorientierten Jazz-Klang suchte, beschleunigte sich die Entwicklung. Stanley Clarke hatte die passende Mischung aus klassisch ausgebildeter Basis, beeindruckender Geläufigkeit und Spaß am Fusion Rock, um als Mitgründer der Band Return To Forever den Sound der Zeit zu prägen.
Return To Forever entwickelte sich von 1972 an zur Supergroup des Jazzrocks und Stanley Clarke neben Jaco Pastorius, Larry Graham und Jack Bruce zu einem der Pioniere der Bass Guitar, der das Instrument aus dem Hintergrund der Band in die Mitte der Bühne holte. Bis 1977 gehörte er offiziell zum RTF-Line-Up, in späteren Jahren kam es zu zahlreichen Reunion- und Tribute-Formationen, die an die frühe Zeit anknüpften. Bereits 1973 veröffentlichte er mit „Children Of Forever“ sein erstes Solo-Album und wuchs von da an auch in die Rolle des Band-Leaders hinein. Neben Jazz hatte er auch Soul und Rhythm & Blues im Stil-Portfolio, das Clarke/Duke Project erreichte außerdem mit viel Funk im Programm ein größeres Rockpublikum. Bands wie The New Barbarians mit Musikern der Rolling Stones brachte Stanley Clarke auf große Bühnen, für Paul McCartney oder Carlos Santana war er im Studio gebucht.
Seit den Siebzigern gehört Stanley Clarke zu den meistbeschäftigten Musikern seines Instruments. Die Stanley Clarke Band wurde von 1985 mit wechselnden Besetzungen zu seiner Home Base und gewann 2011 den Grammy für das Best Contemporary Jazz Album („The Stanley Clarke Band“), zwei weitere erhielt er mit Return To Forever und Folgeformationen. Supergroups wie SMV (ab 2008) mit Marcus Miller und Victor Wooten unterstrichen seine Bedeutung als Instrumentalist, Formationen wie sein Trio auch die Arbeit als Komponist und Bandleader. Überhaupt erweiterte er seit den Achtzigerjahren sein Spektrum auf viele Gestaltungsbereiche, darunter TV-Musiken für Serien wie „Lincoln Heights“ oder „Soul Food“, Film-Soundtracks wie „Boyz n The Hood“ und die Gründung der Produktionsfirma Roxboro Entertainment Group.
Sogar eigene Bässe wurden von der Firma Alembic für ihn entwickelt, die seiner gitarristischen Spielweise mit speziellen Griffbrettern entgegen kam. Denn Stanley Clarkes Stil verschmolz Slap-Techniken des Funk und Griffmuster der Gitarre mit Soundideen, die ebenso voluminös wie perkussiv die Position des Basses im Klanggefüge betonten. Er entwickelte eine eigenständige, melodisch virtuose Technik, die nicht nur Fusion, Jazzrock und Funk prägte, sondern weit darüber hinaus das Verständnis für die Möglichkeiten seines Instruments grundlegend veränderte. Stanley Clarke ist damit ein Meister des modernen Jazz, der nicht nur den Bass neu erfunden hat.
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