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v. l. Vanessa Waldhart, Ki-Hyun Park. Foto: © Anna Kolata

v. l. Vanessa Waldhart, Ki-Hyun Park. Foto: © Anna Kolata

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Barocker Bühnenzauber – Die Händelfestspiele 2026 starten mit einem packenden „Rinaldo“

Vorspann / Teaser

Nach der heftig bejubelten „Rinaldo“-Premiere zum Auftakt der Händelfestspiele kann man gut nachvollziehen, warum diese Oper für den Hallenser in London 1711 der Durchbruch auf dem Weg zum Weltruhm war! Michael Hofstetter und ein Händelfestspielorchester in Hochform liefern dafür als emotionaler, mitreißend begeisternder Motor des Abends ein erstklassiges musikalisches Plädoyer. Zupackend, mit Tempo, Temperament und Glanz, aber auch mit lyrischem Innehalten. Genauso klingt Festspiel-Händel.

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Dass „Rinaldo“ eine der erfolgreichsten Händel-Opern blieb, ließe sich leicht belegen, wenn das Händelhaus endlich wieder sein vorbildliches Aufführungsarchiv allen zugänglich machen würde. Seit einer gefühlten Ewigkeit ist das wegen „Überarbeitung“ der Homepage nicht verfügbar. Aber das bleibt schon der einzige Kritikpunkt. Ansonsten findet man nichts, was an diesem Abend auszusetzen wäre. Außer vielleicht, dass das Publikum beim Szenenapplaus geizte, obwohl es da immer wieder Anlass gegeben hätte. Aber weder für das eine, noch für das andere können die Beteiligten etwas. Die halletreuen Händelenthusiasten, die sich noch an die legendäre Vorgängerinszenierung von Peter Konwitschny vor 40 Jahren erinnern, dürfen auf die Runde im Operncafé gespannt sein, zu der am 8. Juni neben dem Altmeister des Regietheaters auch damalige Mitstreiter wie u.a. Christian Kluttig, Axel Köhler, Annette Markert und Tomas Möwes (alles Namen mit gutem Klang in Halle …) geladen sind.

Für eingeschworene Puristen hat Regisseur Walter Sutcliffe zwar die Todsünde des sogenannten Regietheaters begangen, und die überlieferte Geschichte neu und anders erzählt, als sie im Buche steht, stattdessen erleben wir ein entfesseltes Barocktheater auf dem Weg zur „Rinaldo“-Uraufführung. Auf und hinter der Bühne. Mitreißend und mit ein bisschen Konzentration auch gut nachvollziehbar. Barock backstage sozusagen und der Maestro mittendrin! Mit Bühnenarbeitern, denen nicht alles präzise gelingt, die aber gleichwohl recht selbstbewusst die Hand aufhalten und den Geldbeutel des Theaterleiters (wohlklingend sicher: Yulia Sokolik mit der Partie des Goffredo) strapazieren. Es hat Witz, wenn Ki-Hyun Park als Sänger des Argante aus dem Schnürboden einschwebt, sein Himmelswagen eine Panne hat und er dann an Strippen zappelnd auf den Bühnenbrettern landet.

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vorn: Christopher Lowrey, dahinter v. l.: Constantin Zimmermann, Yulia Sokolik. Foto: © Anna Kolata

vorn: Christopher Lowrey, dahinter v. l.: Constantin Zimmermann, Yulia Sokolik. Foto: © Anna Kolata

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Barockoper – das sind natürlich vor allem die exaltierten Stars. Die Kastraten von damals werden heute von zwei fantastischen Countertenören vertreten. So, wenn der US-Amerikaner Christopher Lowrey mit vokaler Prachtentfaltung und Intonationssicherheit die Mordspartie des Rinaldo ohne Konditionsschwäche durchsteht. Und, wie der gerade mal 27-jährige Schweizer Constantin Zimmermann (aus der Kategorie der Namen, die man sich merken muss) als Eustazio (alias Händel) glänzt. Mit Diven, die aufeinander losgehen, bis die Fetzen fliegen. Zwar ohne, dass das Mannsbild Händel eine von ihnen am ausgestreckten Arm aus dem Fenster hält, wie die Legende berichtet. Aber man denkt automatisch an diese kolportierte Anekdote. Indem mit Witz und angemessen distanzierter Parodie in Szene gesetzten „Krieg der Diven“ kann man in Halle auf die Händelkompetenz der Ensemblestützen Vanessa Waldhart (als auftrumpfende Zauberin Armida bzw. Prima Donna) und Franziska Krötenheerdt als Rinaldo-Favoritin Almirena bauen. Beide machen das sowohl vokal als Inkarnation ihrer Partien, als auch als exzentrische Diven großartig. Wobei es Almirena gelingt, sich den Superhit der Oper zu sichern. Aus dem berühmten „Lascia ch’io pianga“ (Laß mich weinen) macht sie einen der emotionalen Höhepunkte des Abends, der auch für sich (an der Rampe) stehen und wirken darf und von dem sich auf der Bühne und im Saal alle gefangen nehmen und berühren lassen. 

Dass der Zugang der Regie so funktioniert, liegt vor allem an der so opulenten, praktikablen Bühne von Hartmut Schörghofer und an der laufstegtauglichen Barockmode von Dorota Karolczak. Wenn die bewegliche Barockbühne mit einem Portal aus Memento-Mori-Versatzstücken und ihren Kulissengassen beiseitegeschoben wird, dann sieht man eine Front aus Logen auch mal mit Claqueuren oder Zuschauern. Bei einer exklusiven Probe für ein paar privilegierte Adelige interessieren sich diese Herren mehr für die Reize der hinreißend aufgedonnerten Sirenen (Isabelle Serafin und Rebecca Suta) als für das Stück. Die Roben sind durchweg eine Show für sich! Angesichts dessen, was man sonst so an Kostümhässlichkeit (oder Belanglosigkeit) geboten bekommt, ist das eine Pracht, und man staunt nicht schlecht, was die Werkstätten so zustande bringen. Allein, wenn Rinaldo (als würde der König tanzen) nach der originellen Vogelgezwitschernummer mit seinem Kopfputz und allem Drum und Dran aus Samt und Seide den royalen Pfau gibt, ist das, mal ganz altmodisch gesagt, purer Augenschmaus. Wer da nach der Pause einen Absturz (von wegen Fallhöhe) befürchtet hatte, wurde angenehm enttäuscht. Den beiden „Machern“ im Stück (also dem Komponisten und dem Theaterleiter) gelingt es, alle Streitereien ihres singenden und kulissenschiebenden Personals zu schlichten und die Proben mit einem flotten und oft witzigen Durchlauf zentraler Szenen für ihren „Rinaldo“ zu Ende zu führen. Inklusive des Deus-ex-machina-Auftritts von Aco Bišćević mit einem gefühlt endlos gehaltenen Stopp! Nach guten drei Stunden begänne dann das eigentliche Stück mit der barocktypischen Melange aus Kreuzzug, Zauberin und verwickelten Liebeshändeln vor dem Happy End. Wer diese brave Nacherzählung möchte, dem bieten die Festspiele in Bad Lauchstädt (heute nochmal) die Wiederaufnahme des Marionetten-Rinaldo. In Halle bleiben die Festspielnovitäten – in dem Falle zum Glück – immer erst mal im Programm.

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